Cannabis Club in England

Während Spanien sich von seinem über Jahrzehnte aufgebauten und gut regulierten Cannabissystem verabschieden möchte, geht die Entwicklung in Großbritannien in die entgegengesetzte Richtung. Unter Polizeischutz wird der erste Ort betrieben, an dem die Mitglieder Cannabis konsumieren dürfen. Michael Fisher hatte schon vor vier Jahren sein Cannabiscafé mit dem Namen Teesside Cannabis Club in Middlesbrough eröffnet. Aber wie ist es denn überhaupt möglich, in England ein solches Lokal zu betreiben, wenn das Gesetz den Besitz von Cannabis und den Handel mit ihm verbietet?

Middlesbrough gehört zu jenen Städten, deren Polizei jüngst erklärte, sie stelle die Verfolgung von KonsumentInnen und KleinzüchterInnen ein, um sich auf die eigentlichen kriminellen Vereinigungen konzentrieren zu können. Die Mitgliederzahl des Clubs stieg im letzten Jahr von 60 auf 180. Er kann sich auch solch illustrer Gäste rühmen wie dem Fernsehstar Jeremy Kyle, der die Serie Kyles Files produziert. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 35 £ im Jahr – viele finden das angemessen, weil sie sich nicht wie VerbrecherInnen vor der Polizei verstecken müssen. Obwohl Polizeiattacken momentan kaum zu befürchten sind – vor Kurzem statteten die Polizei von Nordwales und der Sicherheitsbeauftragte Arfon Jones dem Club einen Besuch ab und sprachen ihre Anerkennung aus.

Der Club verbietet den Drogenkauf und -handel und bietet lediglich einen Ort für den Konsum des eigenen Cannabis. „Im Dialog um Cannabis gibt es Veränderungen und es wird immer mehr akzeptiert, darüber zu sprechen. Wir glauben nicht, dass wir uns verstecken müssen“, erklärte der Betreiber Fisher und drückte die Hoffnung aus, dass das System sich im ganzen Land verbreitet. Fisher pflegt gute Kontakte zur Distriktspolizei und fürchtet daher nicht, dass der Club in Zukunft Schikanen ausgesetzt sein wird. Es ist eine Freude zu sehen, dass mit dem Modell der Cannabis Clubs in weiteren europäischen Ländern in unterschiedlichen Formen experimentiert wird.