Polnische Aktivist/innen kämpfen für Hanföl

Im April wurde der stellvertretende Vorsitzende von Wolne Konopie (Freier Hanf), der größten polnischen Organisation von Cannabisaktivist/innen, die auf Facebook über eine Viertelmillion Fans hat, verhaftet. Die Anklage lautet auf Schmuggel von 40.000 Portionen Rauschgift, obwohl es sich lediglich um Hanföl handelte, welches Jakub Gajewski den darauf angewiesenen Patient/innen als lebensrettendes Medikament zukommen lassen wollte.

Jakub Gajewski

Der inhaftierte stellvertretende Vorsitzende der Organisation Wolne Konopie äußerte sich zu dem Fall: „Gerade habe ich die Kaution bezahlt und bin aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Nach der Anklage kann ich fünfzehn Jahre Haft bekommen. Sie behandeln mich als Kriminellen und klagen mich für den Schmuggel einer großen Menge von psychoaktivem Material, 0,9 kg Hanföl, an. Bei der Anklage des Schmuggels von 40.000 Dosen Rauschgift verschweigen sie, dass die Menge gerade mal zur Heilung eines Glioblastoms, eines Hirntumors der Klasse IV, ausreicht.

Ich bin aufgeregt und fürchte das Urteil des Gerichts. Ich wünsche keinem, dass er fünfzehn Jahre ins Gefängnis muss für die Rettung von Menschenleben, die von der öffentlichen Gesundheitsfürsorge aufgegeben wurden, weil die Behandlung ihren Zustand verschlechtert hat. Ich tue alles, um das Leben meiner Angehörigen und meiner Patienten zu retten. Mit der ungerechten Behandlung, die sich gegen die Bürger richtet, bin ich nicht einverstanden. Auch nicht damit, dass Kranke benutzt werden, um Profit zu erzielen, und der Gleichgültigkeit gegenüber der gesundheitlichen Lage der Menschen. Der Gebrauch von Heilpflanzen, die man in der Natur seit Anbeginn der Welt findet, kann nicht strafbar sein. Jeder von uns kann eines Tages an Krebs erkranken. Jeder von uns kann Epilepsie, Morbus Crohn, Multiple Sklerose oder irgendeine andere Krankheit bekommen. Wir alle haben das Recht auf die für uns angemessene Therapie.

Was ist das Problem dabei, wenn wir uns von diesen Krankheiten befreien wollen? Warum gibt es ein Gesetz gegen Leute, die sich mit dem sichersten Mittel auf der Welt therapieren wollen? Besonders im Fall von Patienten, bei deren Behandlung die wissenschaftliche Medizin und das Gesundheitswesen erfolgslos bleiben, ist es das wirkungsvollste Mittel. Seine Nebenwirkungen sind selbst im Vergleich zu einem einfachen Schmerzmittel gering. Auch bei kontinuierlicher Anwendung sind sie harmlos und nicht andauernd.

Meine Patienten sind nun von den für ihre Behandlung nötigen Medikamenten abgeschnitten. Das System, das für ihre Erkrankung verantwortlich ist, nimmt ihnen nun auch die Arzneimittel ab, verbietet ihnen die Therapie, die sie heilen würde, und lässt sie sterben. Wir laufen im Kreis und erschrecken vor dem entsetzlichen Unwissen, ausgelöst von Angst, dem Beharren auf den politischen Paradigmen des Verbots und der Narkophobie. Es stört unser rationales Denken und bringt Chaos und Unwissen in die Köpfe der Durchschnittsmenschen. Diejenigen, die das Drogenverbot erlassen haben, die USA, sind auch schon darauf gekommen, dass sie einen Fehler begangen haben, und ließen diese Therapiemethode schnell zu, um erwachsenen und jugendlichen Patienten zu helfen. Mag sein, dass unser System das in zehn bis fünfzehn Jahren auch tun wird, wenn ich aus dem Gefängnis komme.“