Office of Medical Cannabis

Die offizielle Grasverteilungsstelle der holländischen Regierung

Von dem mit Widersprüchen durchsetzten holländischen Legalisie-rungskonzept, dem Hintertürchen-Prinzip und den Betriebsvorschriften der Coffeeshops, die dank der Cannabis-Tole-ranz hier existieren können, hat wohl schon fast jeder einmal gehört. Dass Holland allerdings nicht nur ein Vorreiter in der Anerkennung der Rechte von Hobbykonsumenten sondern auch bahnbrechend hinsichtlich des Programms zur Nutzung von Marihuana für me-dizinische Zwecke ist, wird der Öffentlichkeit weniger bewusst gemacht, ist jedoch mehr als erwähnenswert. Mit unserem Artikel möchten wir dies nachholen.

 

Bei der Zulassung von Marihuana für die medizinische Nutzung ist grundsätzlich immer die erste Frage, woher das Cannabis für die Patienten beschafft werden soll: über den Import oder von landeseigenen Hanfbauern? Diese Frage stellte sich auch an der Startlinie des holländischen Programms zur Einführung von Medizinalmarihuana, denn offiziell ist der Anbau von psychoaktivem Hanf in für den Großhandel geeigneten Mengen auch in Holland nicht zulässig. Die nächste Frage beschäftigt sich grundsätzlich mit der Qualität, denn das zu Therapiezwecken angebaute Marihuana muss schließlich einen Cannabinoid-Gehalt aufweisen, aufgrund dessen es sich als Heil-mittel für die im Heilprogramm festgelegten Krankheiten eignet, außerdem muss es wie jede andere Arznei frei von Verunreinigungen gehalten und in gleichbleibender Qua-lität produziert werden.

Um sich mit all diesen Aufgaben beschäf-tigen zu können, richtete die niederländische Regierung am 1. Januar 2001 das Office of Medical Cannabis (OMC – www.cannabisbureau.nl), dessen Aufgabe darin liegt, Anbau und Qualität des für medizinische Verwen-dung und Forschungszwecke erzeugten Cannabis – unter Einhaltung des Einheitlichen Suchtmittelgesetzes  –  zu überwachen. Das Büro wickelt auch den Cannabis-Import und -Export ab bzw. sorgt für die Belieferung von Apotheken. Darüber hinaus ist es Aufgabe des OMC Anträge auf Ausnahmeregelungen zum Opiumgesetz zu stellen, welches – ganz im Widerspruch zu seinem Namen – auch die Verwendung von Marihuana regelt (genauer gesagt: verbietet).

 

Ist der medizinische Cannabis wirklich besser?

Die Eignung zur Anwendung für die Behandlung von Krankheitssymptomen, wie sie in dem eingerahmten Text aufgeführt werden, wurde nur in wenigen Fällen durch umfassende Untersuchungen nachgewiesen, sie stammt viel eher aus Forschungsprojekten, die mit kleineren Gruppen durchgeführt wurden, jedoch zu vielversprechenden, positiven Ergebnissen führten, die auch durch die individuellen Erfahrungen von Einzelpatienten bestätigt wurden. Ärzte verschreiben medizinischen Cannabis nur dann, wenn mit herkömmlichen Medikamenten nicht der erwünschte Erfolg erzielt werden kann, oder zu viele Nebenwirkungen auftreten. Der Medizinalcannabis heilt die aufgeführten Krankheiten nicht, sondern lindert lediglich ihre Symptome oder die mit anderen Therapien einhergehenden Nebenwirkungen. Es bleibt dem Arzt überlassen, zu entscheiden, wann er eine Cannabis-Therapie für hilfreich hält. Bleibt natürlich die Frage, ob es für holländische Patienten Sinn macht, sich einem staatliche Heilprogramm mit medizinischem Cannabis zu unterziehen, wenn sie doch den nötigen Stoff genauso gut aus dem Coffeeshop beziehen könnten.

Teil-Antwort auf die Fragen in diesem Dilemma gibt Arno Hazekamp, Mitglied des Wissenschaftlichen Komitees der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoid-Medikamente (IACM), der 2010 eine For-schungsarbeit über die vom OMC garantierte Cannabis-Qualität publizierte. Hazekamp schreibt im Zusammenhang mit der Motivation zu seiner Arbeit, dass die Mehrheit der Konsumenten das von der OMC ausgegebene Cannabis für zu teuer hielte und auch nicht einen derartigen qualitativen Unterschied zwischen den staatlich bzw. durch Coffeeshops vertrieben Cannabissorten feststellen, der eine Präferenz für vom Staat vertriebenen Hanfprodukte begründen könne. Um eine objektive Grundlage für die Unterscheidung zu haben, kaufte Hazekamp mehrere Cannabis-Proben in nach dem Zufallsprinzip ausgesuchten Amsterdamer Coffeeshops und verglich diese im Rahmen von Laboruntersuchungen mit Proben, die mit der staatlichen Schutzmarke versehen waren. Der Forscher kam zu dem Ergebnis, das sich der THC-Gehalt der Proben, die aus den Coffeeshops stammten und derjenigen, die er vom OMC erworbenen hatte, immer im ungefähr gleichen Spektrum bewegte, allerdings war in den „Ganjas“ aus den Coffeeshops sehr häufig weniger Cannabis ent-halten als auf dem Etikett angegeben, und in jeder (!) Cannabis-Probe dieser Herkunft konnten Verunreinigungen durch Pilze oder Bakterien nachgewiesen werden. Hazekamps Argumentation zufolge sollten dies auf jeden Fall hinreichende Gründe für die Patienten sein, auf die Variante des OMC zurückzugreifen, die zwar teurer ist, aber auf deren Qualität man sich verlassen kann.

OMC und die Sativa-Dominanz

Dass man sich also um die Qualität keine Sorgen mehr zu machen braucht, wissen wir bereits – bleibt allerdings die Frage, was für Sorten das Staatliche Amt den Patienten zu bieten hat. Und hier kommt die Überra-schung: Obwohl die meisten Forscher wegen ihrer schmerzstillenden, Brechreiz lindernden und beruhigenden Wirkung für medizinische Zwecke eher Indica Sorten bevorzugen oder Indica dominate Kreuzungen für geeignet halten, besteht das Sortiment des OMC aus drei Sativa und nur einer Indica Variante. Und obwohl eine der Sativa-Arten, das Bediol®, über einen ausgesprochen hohen, d.h. 7,5%-igen CBD-Gehalt verfügt, auf Grund dessen sie sich für die Behandlung der oben genannten Symptome eignet, verfügt Bedrocan® über einen hohen, 19%-igen THC-Gehalt, aber eine extrem niedrige CBD-Konzentration (unter 1%), was eher typisch für die euphorisierenden Sorten ist. Da ist es dann vielleicht auch gar nicht besonders erstaunlich, dass diese Sorte sogar eine eigene Fanpage auf Facebook hat. Aber auch das OMC führt unter diesem Namen (bedrocan.nl) ihre Homepage, auf der sie die von ihr angeboten Sorten vorstellt. Warum in ihrem Sortiment die Sativa dominieren, kann man ebenfalls hier und auf der Webseite unter cannabisbureau.nl nachlesen, wo dies ausführlich erklärt wird, und wo man sich gleichzeitig auch darüber informieren kann, bei welcher Krankheit welche Sorte in welcher Verabreichungsform empfohlen wird. Was den Preis anbetrifft, so kostet eine 5g OMC Ganja zwischen 41 und 43 Euro, was bedeutet, dass man 1 g Medizinalcannabis der OMC mit dem Umrechnungskurs von November berechnet für 8 –10 Euro erstehen kann, was kaum über dem Preis liegt, den man hierzulande auf der Straße für eine 0,7 g Portion Gras von ungewisser Qualität zahlt.

Rauschgift per Post

Wer sich zusätzlich zu den obigen Informationen – vielleicht weil er selbst betroffen ist – auch dafür interessiert, ob es möglich ist, in Ländern, in denen es noch kein Programm zur Einführung des Medizinalcannabis gibt, auf Rezept Cannabis von der OMC zu bestellen, dem können wir – was z.B. Ungarn anbetrifft – keine besonders großen Hoffnungen machen. Nach den diesbezüglichen Richtlinien der OMC haben Patienten aus dem Ausland und (ihre Länder) folgende Prozedur zu durchlaufen, wenn sie beabsichtigen, bei der OMC medizinisches Marihuana zu bestellen:

– Der Patient hat über ein gültiges Rezept eines beliebigen Arztes innerhalb der EU zu verfügen.

– Ein beliebiger Großhändler oder eine beliebige Apotheke des Landes muss bei dem zuständigen Staatlichen Amt (in unserem Falle wäre das mit großer Wahrscheinlichkeit das Gesundheitsamt) eine Genehmigung für den Import von Medizinalmarihuana einholen.

– Die Genehmigung ist in doppelter Ausführung dem Büro für Cannabis in der Me-dizin in Holland (OMC) zuzustellen.

– Nach ein paar Wochen erteilt das OMC eine Exporterlaubnis an das entsprechende Gesundheitsamt, der ein Vertrag beigelegt wird, der alle Details regelt, so z.B. auch die Lieferkonditionen.

– Nach Unterzeichnen des Vertrages und Ausstellung der Genehmigungen kann der Cannabis in der verschriebenen Menge bestellt werden.

– Schließlich händigt der Großhändler oder die Apotheke dem Patienten das me-dizinische Cannabis aus.

Ja, so einfach ist das. Natürlich wäre es am einfachsten, wenn alle Länder einsehen würden, dass der Einsatz von medizinischem Cannabis in zahlreichen Therapiebereichen und bei diversen Arten von Erkrankungen möglich ist bzw. sogar empfohlen wird, und wenn sie allesamt das Recht ihrer Bürger anerkennen würden, die von ihnen als am wirksamsten empfundenen Therapieformen selbst auszuwählen.

Jack Pot