“Die schlimmste Nebenwirkung ist die Strafverfolgung”

Der Deutsche Hanfverband (DHV) hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Deutschland politische Lobbyarbeit für die so universell nutzbare Hanfpflanze zu betreiben. Wir sprachen mit Georg Wurth, dem Eigentümer des privatwirtschaftlich betriebenen DHV, der schon mehrmals als Sachverständiger in den Deutschen Bundestag geladen wurde.

Bitte beschreibe kurz die Entstehung des Deutschen Hanfverbands.

Die Idee zur Gründung eines Hanfverbands stammt von meinen Kollegen beim Hanf Journal. Im Einzelnen waren es Dirk Rehahn, Werner Graf und Emanuel Kotzian, die den DHV 2002 gründeten. Daraus resultierte auch das Konzept, den DHV als Firma und nicht als eingetragenen Verein zu betreiben. Etwa zwei Monate nach der DHV-Gründung bin ich dann als Geschäftsführer dazugekommen, um das Ganze mit Leben zu füllen. 2004 übernahm ich den DHV, man kann also sagen, dass er als Privatunternehmen fungiert.

Was hat dich persönlich veranlasst, dich so für Hanf zu engagieren?

Ich habe mich ja auch schon lange vorher mit Drogenpolitik befasst. Bei mir fing alles 1996 mit einer Selbstanzeige wegen vier Gramm Marihuana an – das war damals eine politische Aktion von mir als grünem Kommunalpolitiker, welche auch für reichlich Wind in den Medien sorgte. Allerdings wurde das Verfahren dann nicht – wie von mir erwartet – wegen der geringen Menge eingestellt, sondern es zog sich jahrelang hin bis zum Bundesverfassungsgericht. Dadurch bin ich dann irgendwie zwangsläufig an dem Thema drangeblieben, und als sich die Gelegenheit ergab, beim DHV einzusteigen, habe ich sie genutzt.

Was war beim Bundesverfassungsgericht in deinem Fall herausgekommen?

Die haben das ursprüngliche Urteil letztendlich bestätigt: 200 DM Geldstrafe auf Bewährung. Allerdings habe ich diese Strafe nie gezahlt – und der zuständige Richter wollte mich auch gar nicht verurteilen. Er hatte es erst abgelehnt, den Prozess zu eröffnen, doch dann legte der Staatsanwalt Beschwerde beim Landgericht ein, und so musste er mich dann schließlich doch verurteilen. Er gab mir dann die kleinstmögliche Strafe, was einer Art Verwarnung gleichkam.

Was sind die Haupttätigkeitsfelder des DHV?

Wir gehen jeden Weg, der irgendwie dazu beitragen kann, dass wir eine Legalisierung erreichen. Oder vielleicht auch erstmal die Entkriminalisierung der Konsumenten – das werden wir sicherlich nicht alles gleich auf einen Schlag durchsetzen. Konkret bedeutet das, dass wir direkte politische Lobbyarbeit betreiben – wir sind Ansprechpartner für die Politik und bemühen uns, dass das Thema auf der Agenda bleibt. Das klappt aber nur mit einer entsprechenden Öffentlichkeitsarbeit, denn ohne die öffentliche Meinung und einen massiven Schub aus der Bevölkerung kommen wir mit politischer Lobbyarbeit alleine auch nicht weiter. Für die Öffentlichkeitsarbeit haben wir eine breite Palette an Informationsmaterialien produziert, die wir zum Selbstkostenpreis tagtäglich an etliche Interessierte verschicken, die unser “Propagandamaterial” dann weiterverteilen. Außerdem betreiben wir auch eine häufig aktualisierte Homepage und sind auch auf Facebook aktiv – inzwischen haben wir hier schon über 50.000 Fans. Und natürlich versuchen wir immer wieder, mit unserem Thema in die Massenmedien zu kommen – sei es durch zahlreiche Pressemitteilungen oder indem wir zum Thema recherchierende Journalisten fachlich beraten.

Mal ganz ohne Zweckoptimismus: Glaubst du, dass in den nächsten Jahren tatsächlich eine Entkriminalisierung oder gar eine Legalisierung möglich ist?

Bis zur vollständigen Legalisierung wird es sicher noch einige Jahre dauern, das kommt nicht in den nächsten fünf Jahren. Aber ich bin sicher, dass wir sie erleben werden. Es wird anfangen mit dem Thema Cannabis als Medizin, da erwarte ich weitere Lockerungen in absehbarer Zeit. Wie schnell es ansonsten weitergeht, kommt darauf an, wie schnell die internationale Entwicklung voranschreitet, die sich gerade abzeichnet – und wie viele Leute jetzt anfangen, sich zu engagieren.

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