Was ist ein gutes Ganja?

Die Pflicht zur Qualitätskontrolle, ob gekauft oder gezogen

Wenn wir etwas mögen, dann meist nicht auf die gleiche Art und Weise. Und oft mögen wir nicht das Gleiche – aber das macht nichts. Jeder soll für sich selbst entscheiden, wie gut das jeweilige Gras ist. Sativa oder Indica, Freiland oder Treibhaus, rot oder schwarz – das ist Geschmackssache. Trotzdem ein paar Anhaltspunkte, was bei der Beurteilung zu beachten ist.

 

Die Entfaltung und Verfeinerung unserer Sinnesorgane ist wichtig – man erreicht sie am besten durch Erfahrung. Leider ist die Zahl der Sorten, die den meisten Konsumenten zur Verfügung steht, ziemlich begrenzt. Da die Züchter meist die Quantität über die Qualität stellen, bleiben viele Sorten dem geschätzten Publikum wohl für immer vorenthalten.

Das Äußere

Schon durch den Augenschein können wir viel über die Qualität erfahren – zum Beispiel, wie blättrig der Blütenstand ist, ob er rundum gut beschnitten wurde oder ob kleine Stacheln und Blättchen daran geblieben sind. Im Allgemeinen sind solche Sorten nicht wünschenswert, bei denen der Blütenstand stark mit Blättchen besetzt ist, weil deren Cannabinoidgehalt geringer ist. Dies lässt sich mit Maniküre beheben, die zum Ziel hat, dass möglichst wenige Blättchen und Blattstiele am Blütenstand bleiben. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der Blütenstand ursprünglich dicht oder wenigstens licht und locker war.

Wenn der Blütenstand leicht brüchig ist, also zu trocken, wurde er möglicherweise zu lange und auf nicht angemessene Art und Weise gelagert – dann sinkt der THC-Gehalt und die Wirkung wird eher “körperlich” (davon später mehr). Wenn man ihn kneten und zerbröseln kann, ohne dass er zu Staub zerfällt, das Gewebe also noch elastisch ist, dann ist er frisch, was bedeutet, dass er nur schwerlich brennen wird und der Rauch kratziger wird. Wenn die äußeren Teile trocken sind, die inneren aber noch leben, war die Reifung unzulänglich.

Das Wichtigste ist, dass der Blütenstand genügend Harz und Drüsenköpfe aufweist. Wichtig sind Zustand und Farbe der Köpfe und ob es unter ihnen solche gibt, die ihren Kopf verloren haben, braun geworden sind oder noch über durchsichtige Kopfteile verfügen. Je harziger eine Blüte, desto besser ist sie hinsichtlich des Wirkstoffgehalts. Auch über den Grad der Reife verraten die Drüsenköpfe viel. Wenn die Mehrzahl über durchsichtige Köpfe verfügt, dann sind sie noch unreif. Wenn sie milchfarben sind, sind sie reif; wenn sie schon braun geworden sind, ist die Pflanze überreif. In den braunen Drüsen beginnt schon der Zersetzungsprozess des THC. Substanz, Potenz, Wirkungsgrad und Typ der Pflanze verändern sich permanent im Verlauf der Reife und der Lagerung. Die Qualität eines Blütenstandes hängt nicht nur mit dem Reifegrad einer Pflanze zusammen, sondern auch damit, wie man später mit ihr umgeht. Wird sie nicht mit der nötigen Vorsicht behandelt, können die Drüsenköpfe zerquetscht werden, die Harztröpfchen können herunterfallen oder sich verschmieren, was zur schnelleren Zersetzung der Cannabinoide und damit zum Potenzverlust führt. Diese Tropfen schützt normalerweise eine dünne Wachsschicht, und wenn sie verletzt wird, oxidieren die wertvollen Substanzen schnell.

Geschmack und Geruch

Hier ist der persönliche Geschmack des Konsumenten entscheidend – muffigen, holzigen und strohigen Geschmack schätzen jedoch nicht viele Menschen. Der Geschmack ist ein wichtiger Faktor bei der Qualifizierung des Hanfs. Die Menge der Aromen, die sich in den Hanfsorten offenbaren, ist wirklich außerordentlich und charakteristisch. Keine andere Pflanze auf der Welt kann so mannigfaltige Geschmäcke und Gerüche aufweisen. Maßgebend kann das primäre Aroma des Blütenstandes sein (siehe Aromakreis), wie es nach dem Abbrechen ist, sowie seine Intensität. Durchdringend, angenehm oder so, dass es dich umhaut. Der Hindukusch beispielsweise ist für die letztere Eigenschaft berühmt. Das Aroma des Hanfs kann holzig, würzig, fruchtig oder erdig sein – das Spektrum ist hier sehr breit. Man kann spezifizieren: Tanne oder Zeder (in der Kategorie holzig), staubig oder muffig (in der Kategorie erdig), Heidelbeere oder Mango (in der Kategorie fruchtig) usw. Die meisten Aromen kann man durch Kreuzung verschiedener Sorten erzielen. Die ursprünglichen Aromen kommen am besten zur Geltung, wenn die Pflanzen im Freien an ihren Ursprungsorten wachsen. Es ist zu beachten, dass Geruch und Geschmack sich periodisch verändern können. Das Aroma der Rispe der lebenden Pflanze, der getrockneten und reifen Rispe und das Aroma des ausgestoßenen Rauchs unterscheiden sich voneinander. Bei der Veredelung achtet man primär auf Qualität und Wirkung der in einem entsprechenden Reifegrad befindlichen, beschnittenen, gereiften Blütenstände.

 

Rauch

Einen richtigen Genuss bietet der Rauch nur ohne Tabak. (Die Tabakfabriken sind berechtigt, etwa 5.000 verschiedene Zusatzstoffe im Produktionsprozess zu verwenden.) Das Aroma der Blüten kommt am besten mit einer kleinen gläsernen Pfeife rüber. Wichtig ist, welche Form des Konsums der “Kritiker” bevorzugt. Es ist nicht gleichgültig, ob es schön gleichmäßig brennt oder ausgeht, ob es prasselt oder knistert. Ob die Asche grau ist und leicht zu Staub zerfällt oder hart ist und zusammenhält oder schwarz wie Teer ist. Daran lässt sich erkennen, mit welcher Technologie angebaut wurde, ob der Boden ein, zwei Wochen vor der Ernte gründlich gewässert wurde, damit weniger Düngemittel und Chlorophyll (das für das Kratzen im Hals verantwortlich ist) im Gewebe bleiben. Langsame Trocknung und lange Reifung sind wichtig für den Abbau schädlicher Substanzen. Es zeugt von guter Qualität und einem umsichtigen Züchter, wenn die Asche hellgrau ist und leicht zu Staub zerfällt.

Tatsache ist, dass der Rauch zum Husten reizt. Bei Cannabis kann man zwei Arten von Husten unterscheiden: Eine wird vom Teer verursacht – bei ihr kratzt es eher im Hals, sie ist schmerzhaft und zwanghaft. Die andere betrifft einfach und schmerzfrei die Bronchien und wird verursacht durch deren plötzliche Ausweitung. Manche mögen das sogar.

 

Wirkung

Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen dem Weinbau und der Hanfindustrie. Eine davon ist, dass beide den “Geschmack von Sachverständigen” einsetzen, um die Charakterzüge der Produkte zu erkennen und zu unterscheiden. Ein großer Unterschied ist aber, dass die Wirkung der unterschiedlichen Weinsorten ähnlich ist und eine Überdosis zur Vergiftung führt, während der Hanf ein breites Spektrum von Wirkungen bietet und sein Wirkstoff kein Gift ist. Manche Sorten mögen mental angenehm wirken, während ihr Geschmack vielleicht weniger ankommt – wieder andere mögen sehr lecker sein, aber unerwünschte Wirkungen hervorbringen.

Der erste zu untersuchende Gesichtspunkt sind die Wirkungen “high” und “stoned”. “High” bedeutet die stimulierende Wirkung des Cannabis und “stoned” seine beruhigende Wirkung. Die eine stimuliert die Sinne, inspiriert die Soziabilität und die Gesprächigkeit, die andere ist lindernd und beruhigend. Manche spüren den stimulierenden Zustand im Kopf und nennen ihn daher “brain high”, den beruhigenden aber im Körper: “body high” – und obwohl die Benennungen teilweise zutreffend sind, führen sie trotzdem in die Irre. Die zu frühe oder zu späte Ernte beeinflusst nämlich, ob sich die Wirkung eher im Hirn oder im Körper entfaltet. Je später geerntet wird, desto eher verursacht es “body high”. Natürlich bestimmen die genetisch ererbten Eigenschaften die Wirkung einer Pflanze am stärksten.

Es empfiehlt sich auch, die zeitliche Dauer zu prüfen. Einige Sorten entfalten ihre Wirkung in 15 bis 30 Minuten, während andere ein Erlebnis von fünf bis sechs Stunden bieten. Hier ist zu erwähnen, dass dies überwiegend von den Ernte- und Beschneidetechniken beeinflusst werden kann, aber größtenteils sind die ererbten Eigenschaften entscheidend.

Der vielleicht wichtigste Aspekt des Graskonsums ist die sich einstellende Toleranz: ob das Produkt in der Lage ist, eine gleichbleibende Wirkung auf längere Zeitintervalle zu bieten – über Monate, Jahre, Jahrzehnte. Dies ist der Faktor des Burnouts, der für Patienten, die Medizinalmarihuana gebrauchen, besonders wichtig ist. Die Toleranz der meisten Sorten auf dem Markt ist furchtbar: Charakteristisch ist die schnelle Gewöhnung, nachdem das Gefühl der Neuheit verflogen ist, was unter Umständen innerhalb einiger Wochen eintreten kann. Der andere Aspekt der Toleranz ist, wie hoch der Konsument mit einer gegebenen Sorte kommen kann. Das heißt, wie viele man von ihr rauchen muss bzw. soll, bis der nächste Zug keinen nennenswerten Unterschied mehr macht. Bei den meisten Indica liegt die Schwelle niedrig, maximal zehn Züge, aber z. B. beim 22-prozentigen White Widow braucht man fünf Züge, um sich zu bedröhnen. Wenn man mehr raucht, ganz egal wie stark das Indica ist, erreicht man keine höhere Stufe des Genusses, sondern schläft meist ein. Bei einigen Sativa liegt die Schwelle jedoch sehr hoch, oder es scheint, als hätten sie keine! Je mehr man raucht, desto höher kommt man. Oaxaca Highland Gold, Black Magic African und Highland Thai sind Sorten, deren Schwelle sehr hoch liegt.

Bei den mentalen Wirkungen empfiehlt es sich, zu prüfen, in welchem Maße die Proben der veredelten Sorten Beklemmungen verursachen. Manche Sorten steigern die Beklemmungen, andere senken sie. Dies hängt zumeist vom Vorhandensein des CBD und dem Verhältnis von THC zu CBD ab. Je höher der THC-Gehalt und je niedriger das CBD, umso eher kann die jeweilige Sorte Beklemmungen verursachen. Das kann aber auch mit anderen Gefühlen der Fall sein, die verstärkt oder gemildert werden. Im Allgemeinen rufen die stimulierenden, auf das Hirn wirkenden Sorten Beklemmungen hervor, aber das trifft nicht immer zu. Zu schnell getrockneter Blütenstand, zu frühe Ernte oder zu kurze Reife tragen zur Erhöhung des Beklemmungsfaktors bei.

Zucht und Veredlung von qualitativ hochwertigem Marihuana ist nach Meinung vieler eher eine Kunst als eine Wissenschaft. Um auf diesem Gebiet Erfolg zu haben, benötigt man ein kreatives Element und Fantasie. Die andere Voraussetzung ist ein verfeinerter Geschmack, der in der Lage ist, kaum wahrnehmbare Unterschiede in der Vielzahl der Geschmäcke, Aromen und mentalen Zustände und psychischen Wirkungen festzustellen.