Verräterische Genetik

Man sagt, der Konsum von Cannabis sei im Erwachsenenalter relativ risikofrei, er könne aber mentale Störungen an die Oberfläche bringen. Woher sollen wir nun wissen, ob uns diese Gefahr droht? Eine Firma für Biotechnik verspricht, anhand eines genetischen Tests, der vor dem ersten Cannabiskonsum stattfinde, vorhersagen zu können, ob das Ganja für den Konsumenten gefährlich werden kann. Dieser Test der kanadischen Firma AnantLife soll schon in Kürze erhältlich sein. Er könne zahlreiche medizinische Probleme anzeigen, zum Beispiel die Risiken für Krebs, Autoimmunkrankheiten oder mentale Störungen. Des Weiteren könne er Probleme diagnostizieren, die sich durch die Ernährung einstellen können. Der Test ist ausgesprochen einfach: Man sendet der Firma eine Speichelprobe, womit eine DNS-Prüfung durchgeführt wird. Die genetischen Werte werden mit einem molekularbiologischen Instrumentarium verglichen, um festzustellen, welches Risiko der Cannabisgebrauch für den Konsumenten bedeutet. Zum Beispiel, ob ein erhöhtes Risiko einer mentalen Störung oder eine genetisch bedingte Neigung zur Abhängigkeit vorliegt. Zum Verständnis der Untersuchung genügt es zu wissen, dass die DNS-Struktur jedes Menschen anders ist. Der Test untersucht die individuellen molekularen Marker in der DNS, und wenn es Anzeichen für eine Prädisposition gibt, wird ein Alarm ausgelöst.

Der Direktor der Firma, Dr. Rahul Kushwah, führte in der Vergangenheit Untersuchungen für die kanadische Regierung durch und war als Berater im Kinderkrankenhaus von Toronto tätig. Nach seinen Angaben sei der Test vom College of American Pathologists (CAP) und durch die Clinical Laboratory Improvement Amendments (CLIA) für gut befunden worden. Bei der Entwicklung des Tests sei die Fachliteratur genauestens studiert worden, um alle Krankheiten und medizinischen Probleme in Betracht ziehen zu können, die der Cannabisgebrauch verursachen könne. Auf dieser Grundlage seien die Marker festgestellt worden, nach denen im Verlauf der Analyse gesucht werde. Während der dreijährigen Entwicklungsphase habe man in Zusammenarbeit mit ÄrztInnen mögliche Erkrankungen und den Einfluss von Cannabis auf diese Erkrankungen, analysiert. Damit sei es gelungen vollständige Profile von Individuen zu erstellen, die aufzeigten, welche körperlichen und zerebralen Veränderungen der Marihuanakonsum verursachen kann.

Der Test schließt eine Forschungslücke, wenn man bedenkt, dass 8 bis 10 Prozent der CannabiskonsumentInnen süchtig werden. Es wäre hilfreich, wenn diese KonsumentInnen in Kenntnis ihrer Prädisposition von Experimenten mit Cannabis absehen würden. Gleiches gilt für potenzielle KonsumentInnen mit erhöhtem Risiko für Kreislauf- und Ernährungsprobleme. Und für alle PatientInnen, die sich Cannabis aus medizinischen Gründen zuwenden, bedeutet die Untersuchung eine erhöhte Prävention, die auch dem behandelnden Arzt Informationen bereitstellen kann.