Vater des medizinischen Cannabis

Zur Erinnerung an den Aktivisten Dennis Peron

Heute ist Marihuana an den verschiedensten Orten der Welt für medizinische Zwecke zugelassen. Kaum jemand weiß, dass die Bewegung für medizinisches Cannabis in den homosexuellen Kreisen Kaliforniens bei Ausbruch der Aids-Seuche ihren Anfang nahm. Eine Schlüsselfigur dieser Bewegung war Dennis Peron; er ist Ende Januar verstorben.

Dennis Peron wurde 1945 in New York geboren, verbrachte aber den größten Teil seines Lebens in Kalifornien. Nach seiner Heimkehr aus dem Vietnamkrieg eröffnete er in einer Hippiekommune in San Francisco ein Restaurant, in dessen Obergeschoss er Marihuana verkaufte. Dafür kam er mehrmals ins Gefängnis und bei einem Zugriff schoss man ihm ins Bein. Zum politischen Aktivisten machte ihn in den 1980er Jahren der Ausbruch der Aids-Seuche, durch die er seinen Geliebten und mehrere Freunde verlor. Damals hatte man kaum Informationen über das Virus und die Ärzte wiesen aus Furcht PatientInnen ab – was für diese einem Todesurteil gleichkam.

Peron war die palliative Wirkung von Marihuana schon seit Jahren bekannt und während seiner Beschäftigung mit Aidskranken erkannte er bald, dass Cannabis besser als die angewandten Medikamente wirkte und dabei Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und Schmerzen linderte. Seine Beobachtungen untermauerte Jahre später auch die Wissenschaft. Der beste Beweis dafür ist, dass die ersten zugelassenen Cannabispräparate der Behandlung von Aids-Symptomen und Chemotherapie dienten.

In den 1980er Jahren schmuggelte Peron Brownies in die Aids-Abteilung eines Krankenhauses in San Francisco, um die Lebensqualität der PatientInnen zu erhöhen. 1990, zwei Wochen vor dem Tod seines Lebenspartners, startete Peron eine Kampagne für die Entkriminalisierung des Besitzes von medizinischem Cannabis. Zusammen mit anderen AktivistInnen initiierte er eine Volksabstimmung, um darauf hinzuwirken, dass Kalifornien Cannabis endlich auf die Liste der akzeptierten Medikamente setzt und seine Verschreibung bei Krankheiten wie Aids, Glaukom, Krebs und Multipler Sklerose gestattet. Die Möglichkeit der Verschreibung erreichte man damals noch nicht, aber die Initiative zur Entkriminalisierung des Gebrauchs für medizinische Zwecke war 1991 erfolgreich. In San Francisco wurde die Polizei angewiesen, beim medizinischen Gebrauch von Cannabis ein Auge zuzudrücken.

Peron eröffnete daraufhin den San Francisco Cannabis Buyer’s Club, einen Laden, der ganz besonders für Aids- und Krebskranke gedacht war. Das war das erste Unternehmen seiner Art weltweit, weshalb man Peron den „Vater des medizinischen Cannabis“ nennt. Diesen Ehrentitel trug er sein Leben lang mit Stolz. Peron nahm Teil an der Initiative Proposition 215, die die Möglichkeit der Verschreibung von medizinischem Cannabis zum Ziel hatte. Kurz vor der Volksabstimmung wurde in seinem Geschäft eine Razzia durchgeführt, bei der 20 Kilogramm Marihuana beschlagnahmt wurden. Hinter der Aktion vermutete man politische Motive, trotzdem erreichte die Volksabstimmung 56 Prozent. Damit wurde schon 1996 in Kalifornien der Besitz und Anbau von Cannabis für PatientInnen mit ärztlichem Attest ermöglicht. Zu den berechtigten Krankheiten gehörten Krebs, Anorexie, Aids, chronische Schmerzen, Krämpfe, Glaukom, Gelenkentzündungen und Migräne sowie „alle anderen Krankheiten, die durch Marihuana gelindert werden können“.

Kalifornien stellte den ersten Dominostein beim medizinischen Cannabis dar. Im gleichen Jahr ermöglichte Arizona die Verschreibung von Cannabis auf ärztliches Rezept; 1998 genehmigten Washington, Oregon, Alaska und Nevada den medizinischen Gebrauch. Heute kann in den meisten der 50 Bundesstaaten in begründeten Fällen Cannabis verschrieben werden.

Heute erlauben mehrere Länder Südamerikas, Australien und zehn europäische Länder die Verschreibung auf Rezept. Die positiven medizinischen Wirkungen werden immer zahlreicher durch wissenschaftliche
Beweise untermauert und es steht außer Frage, dass sich die medizinische Anwendung entgegen politischer und ideologischer Hindernisse weltweit durchsetzen wird.