Unzuverlässiger THC-Test

In mehreren amerikanischen Staaten haben Mütter mit kleinen Kindern ernsthafte rechtliche Probleme bekommen – manchen nahm man sogar ihre Kinder weg – nachdem man bei einem klinischen Drogentest Marihuana in ihrem Blut nachgewiesen hatte. Die am häufigsten verwendete Testmethode ist allerdings recht unzuverlässig, insbesondere bei Säuglingen, sodass man sich ohne weitere Untersuchungen eigentlich nicht auf sie berufen dürfte – behaupten die Autoren einer neuen Studie.

Mit der Untersuchung, die von Professoren der Utah Universität durchgeführt und im Fachjournal “Clinical Chemistry” veröffentlicht wurde, wies man nach, dass die Tests zum Nachweis von THC im Organismus von Säuglingen und Müttern regelmäßig zu Fehlanzeigen führten. Aus einer früheren Studie war bereits bekannt, dass durch diverse Seifen und Kinder-Shampoos fälschlicherweise positive THC-Werte generiert werden können. Die Autoren der jüngsten Studie kamen zu einem ähnlichen Ergebnis und wiesen darauf hin, dass das im Urin der Säuglinge nachgewiesene THC kein zuverlässiger Wert sei und weitere Untersuchungen folgen müssten. Deshalb wäre es auf keinen Fall gerechtfertigt, die so ermittelten Ergebnisse an die Behörden weiterzugeben. In vielen Haushalten werden gleich zwei Mittel verwendet, die vermeintlich ein positives Ergebnis bewirken können: Polyquaternium 11 und CocamidropropylBetaine. Diese Verbindungen sind unter anderem in Putzmitteln, Duschbädern, Haartönungsmitteln, Seifen, Zahnpasta und mehreren Babyshampoos enthalten. Der Studie zufolge kann bereits eine Menge von 0,1 ml dieser Mittel im Urin ein positives Testergebnis erzeugen, und genau aus diesem Grunde sei das derzeit angewandte Verfahren nicht adäquat. Dennoch konnten die Forscher auf die Ausgangsfrage keine Antwort geben, warum die positiven THC-Werte ausgerechnet bei Säuglingen häufiger sind. Vielleicht wegen des hohen Cannabinoid-Gehaltes der Muttermilch? Während die Wissenschaften noch immer versuchen, dieses Rätsel zu lösen, müssten die übereifrigen Behörden sich wenigstens schleunigst bei den Eltern entschuldigen, ernsthafte Schadenersatzzahlungen leisten und die ihnen entrissenen Kinder zurückgeben – bis es eine todsichere Methode des Nachweises gibt. Aber vielleicht sollte man auch dann diese Praktiken vernachlässigen.