Unbedenkliche Verwendung schmerzstillender Mittel Dec30

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Unbedenkliche Verwendung schmerzstillender Mittel

ware-mark_0Unter den positiven medizinischen Wirkungen des Cannabis ist die schmerzstillende wohl am bekanntesten. Es gibt schon zahlreiche Studien, die bestätigen, dass mehrere Wirkstoffe der Pflanze Schmerzen stillen können, dennoch gibt es keine umfassende Untersuchung über die Unbedenklichkeit der Therapie. Diesem Mangel half nun eine kanadische Forschergruppe ab, die der Frage in vergleichenden Langzeitstudien nachging.

 

Unter der Leitung von Dr. Mark Ware untersuchten ForscherInnen der McGill Universität Montreal und der Medizinischen Forschungsinstitute in einer landesweiten Studie die Unbedenklichkeit der Cannabistherapie bei chronischen Schmerzen. Die Studie wurde in der Oktoberausgabe des Journal of Pain veröffentlicht. „Dies ist die erste und größte Studie, die über lange Zeit die Unbedenklichkeit der Cannabistherapie bei chronischen Schmerzen untersucht“, ließ Dr. Ware im Zusammenhang mit der Untersuchung verlauten. „Wir stellten fest, dass bei erfahrenen Anwendern, die im Rahmen des für Patienten mit chronischen Schmerzen entwickelten, überwachten Behandlungsprogramms ein Jahr lang Cannabis benutzten, die Therapie sich als unbedenklich erwies“, fuhr der Fachmann fort. COMPASS, die 2004 begonnene Untersuchung über die schmerzstillende Wirkung von Cannabis, wurde an 215 erwachsenen Patienten durchgeführt, die nicht an durch Krebs verursachten chronischen Schmerzen litten. Als Kontrollgruppe dienten 216 PatientInnen mit chronischen Schmerzen, die kein Cannabis benutzten. Die Untersuchungen wurden in sieben kanadischen Städten durchgeführt, in denen schmerzstillende Therapien angeboten werden. Die Gruppe der Cannabisbenutzer bekam von einem lizenzierten Züchter Marihuana mit einem THC-Gehalt von 12,5%. Die Tagesdosis lag im Durchschnitt bei 2,5 Gramm, die im Essen, durch Rauchen oder Vaporisieren konsumiert wurde. Nach den nötigen Kontrolluntersuchungen bekamen die Probanden das Cannabis jeden Monat in einer bestimmten Apotheke. Untersucht wurden regelmäßig eventuelle Nebenwirkungen, die Lungenfunktion und die kognitiven Fähigkeiten. Außerdem fragte man nach Veränderungen beim Schmerzempfinden, dem Allgemeinbefinden und der Entwicklung der Lebensqualität. Bei vielen PatientInnen wurden darüber hinaus umfassende Blutuntersuchungen durchgeführt, um ein Bild von den Leber- und Nierenwerten beziehungsweise von ausgewählten Hormonspiegeln zu erhalten.

„Nach unseren Daten lag das Risiko von schweren Nebenwirkungen bei jenen, die täglich Cannabis konsumierten, nicht höher als das bei der Kontrollgruppe. Bei den Cannabisbenutzern fanden wir keinen Hinweis auf schädigende Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten oder solche, die sich im Blutbild niedergeschlagen hätten. Im Vergleich zur Kontrollgruppe verringerten sich die Schmerzen deutlich, und es besserten sich Gemütsverfassung und Lebensqualität“, berichtete Dr. Ware über die Ergebnisse. Einige leichte Nebenwirkungen träten jedoch mit höherer Wahrscheinlichkeit beim Cannabis auf, beispielsweise Kopfschmerzen, Brechreiz, Schwindelgefühl, Schläfrigkeit und Beschwerden der Atemwege, die mit dem Rauchen zusammenhängen. Über Letztere sagte der Forschungsleiter, man könne bei den Atemwegsbeschwerden nicht unterscheiden, ob sie vom Marihuana oder vom Tabak herrühren, weil ein Großteil der Kranken das Cannabis mit Tabak konsumiere oder ohnehin rauchte. Dr. Ware fügte hinzu, dass es sehr wichtig sei, solche Fakten zu publizieren, weil immer mehr Züchter therapeutisches Cannabis anbieten. Anhand der Untersuchungsergebnisse könnten die ÄrztInnen künftig präzise Listen über den Nutzen und die Nebenwirkungen für die PatientInnen erstellen. Zum Gebrauch von Cannabis in abweichender Konzentration sind weitere Untersuchungen nötig.