Überflutung am Ende der Welt Jun18

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Überflutung am Ende der Welt

Boards of Canada: Tomorrow’s Harvest

Die Musik von Boards of Canada wirkt leichter, wenn man etwas geraucht hat. In A Beautiful Place Out In The Country mag ich persönlich am liebsten, das lege ich immer wieder auf. Die Musik des schottischen Brüderpaars verfügt über besondere Kräfte. Es gibt keinen Vokalgesang, keine Texte,die sich in den Vordergrund drängen, stattdessen hört man höchstens mit Effekten versehenen (Sprech-)Gesang menschliche Geräusche, aber auch das dominiert nicht. Die Musik schwillt weich an, es kommen nur Gefühle und Stimmungen rüber.

Nicht mit Popschlagern, modischer Erscheinung oder provozierenden Videos ziehen sie die Aufmerksamkeit auf sich, sondern der Umsetzung des musikalischen Minimalismus. Es ist schwer, Musik zu schreiben, in der es weder Melodieführungen gibt, die ins Ohr gehen, noch besondere technische Neuheiten. Eine solche Schöpfung erfordert ein sehr feines Gespür für Proportionen und führt schließlich zu einem vollkommenen Klangerlebnis. Das ist bei Tomorrow’s Harvest der Fall. Die schottische Band schreitet fort auf dem eingeschlagenen Weg, uns aber bleibt das Assoziieren.

Ihre Musik ist düster, erzählt von den Schattenseiten des Lebens, ohne allen Schwulst. Nicht deshalb kann sie von Zeit zu Zeit anders wirken, weil der Hörer bei jedem Hören auf immer neue Details aufmerksam wird, sondern weil ihn seine Gefühle und Gedanken in immer neue Gegenden führen. Boards of Canada tun, was in unserer heutigen Welt niemand tut. Sie geben der Musik und dem Ohr Zeit, zueinanderzufinden. Bei den langsam anschwellenden, langsam voranschreitenden Songs passt sich der Atem dem Rhythmus der Musik an, und wenn der Herzschlag und der Takt in Einklang kommen, geht dort im Innern etwas auf.

Die manchmal vollkommen sterilen, aus Synthiklängen aufgebauten Songs könnten aus einer menschenleeren Welt stammen, und manchmal scheint der im Hintergrund aufklingende Gesang genau diesem Bild widersprechen zu wollen. Es ist dies eine postapokalyptische Welt, aber der Musikkonsument, der sie einmal besucht, kann sich ihr vielleicht entziehen und weiter im endlosen Dschungel und in den Wüsten seines Bewusstsein wandern.