Tschechien legalisiert Medizinalmarihuana

Gut drei Jahre nach der Entkriminalisierung unterschrieb das tschechische Staatsoberhaupt Václav Klaus Mitte Februar die Gesetzesänderung, welche die Anwendung von Cannabis zu therapeutischen Zwecken erlaubt. Die Entscheidung hatten beide Kammern des Parlaments gebilligt.

In der Tschechischen Republik werden politische Entscheidungen in der Regel mit der nötigen gesellschaftlichen Unterstützung gefällt. Als die Regierung am 1. Januar 2010 die Entkriminalisierung in Kraft treten ließ, behelligte die Polizei die KonsumentInnen und AnbauerInnen für den Eigenbedarf schon lange nicht mehr. Wir besuchten damals Tschechien und lernten den schon seit zehn Jahren halblegal mit Cannabis therapierenden Psychiater und Addiktologen Dušan Dvorák kennen. Dieser versuchte gerade, die Zucht von 1.000 Cannabispflanzen zu Therapiezwecken gegenüber der staatlichen Bürokratie durchzusetzen. Ein Jahr später überreichten PatientInnen, Forscher und Ärzte dem Ministerpräsidenten Petr Necas eine Petition zum Medizinalmarihuana, für die sie später mit Erfolg politische Unterstützung suchten. So entstand schon im Januar diesen Jahres die Vorlage zum Medizingesetz. Die Initiative erlaubt den Ärzten im Falle gewisser medizinischer Indikationen – Krebs, Parkinson-Krankheit, Multiple Sklerose –, den PatientInnen Marihuana zu verordnen. Nach der Entkriminalisierung war die Gesetzesvorlage folgerichtig, sodass die entscheidende Mehrheit der Abgeordneten sie unverzüglich dem Oberhaus des Parlaments weiterleitete. Mitte Februar unterzeichnete Václav Klaus das Dokument, mit dem ab sofort in Tschechien der Gebrauch von Marihuana zu Therapiezwecken offiziell erlaubt ist. Nach der Maßgabe können Kranke, die im Besitz eines ärztlichen Rezepts sind, Cannabis in den dafür ausgezeichneten Apotheken erwerben. Die Therapie wird allerdings nicht von der Krankenversicherung bezahlt, und es gibt auch keine gesetzliche Möglichkeit, zu Hause anzubauen. Kritiker sind mit der letzteren Regelung nicht einverstanden. Dem Gesetz zufolge wird im ersten Jahr – bis die Umstände des Anbaus und die Qualitätsstandards erarbeitet sind – das Cannabis aus Holland und Israel importiert. Wenn die Bedingungen geklärt sind, bekommen die Produzenten eine Erlaubnis für fünf Jahre. So sind die Bedürftigen noch ein Jahr lang auf den Schwarzmarkt oder den illegalen Anbau angewiesen. Aber weil es nur ein Jahr ist, das die tschechischen PatientInnen von einer sie befriedigenden Lösung trennt, sagen wir: Das geht in Ordnung!

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