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Junge Menschen für eine verantwortungsbewusste Drogenpolitik

Der „Krieg gegen Drogen“ hat sich als blauäugig und verantwortungslos herausgestellt. Trotzdem trifft sich einmal im Jahr ein UN-Gremium in Wien, um sich an dieser Wahrheit vorbeizuschummeln und die kläglich scheiternde Utopie einer drogenfreien Welt weiter aufrechtzuerhalten. Vir die SSDP (Students for Sensible Drug Policy), waren vor Ort, um uns das anzusehen.

Vom 12. bis zum 16. März 2018 fand die 61. Tagung der CND (Commission on Narcotic Drugs, dt. Suchtstoffkommission) statt, bei der die internationale Drogenpolitik erörtert wurde. Die Ergebnisse dieses Treffens wirken sich stark auf die Drogengesetzgebungen der UNO-Länder aus.

Es ist unser Anliegen, ein Bewusstsein für die dort stattfindenden Prozesse zu schaffen, die üblicherweise unbemerkt von Medien und Gesellschaft verlaufen. Die SSDP versteht sich als Graswurzelbewegung, die legale und illegale Substanzen weder glorifiziert noch bewirbt. Es geht ihr darum, die Tatsache zu akzeptieren, dass Menschen Drogen nehmen – und es deswegen Bedarf nach Aufklärung, Gesundheitsvorsorge und Sicherheit gibt, insbesondere bei jungen Menschen. Vor allem aber fordern wir einen offenen Diskurs, in dem alle zu Wort kommen können, in dem der Konsum von Substanzen nicht verteufelt wird und alternative Möglichkeiten zum Umgang mit Drogen gehört werden dürfen.

Rund um die Tagung des CND veranstalteten wir daher eine öffentliche Kundgebung („Subs_Tanzen“), zu der internationale DrogenaktivistInnen eingeladen waren. So hatten wir die Ehre, Brun González (INPUD), Michael Krawitz (Veterans for Medical Cannabis Access) und Dr. Larissa Maier (Global Drug Survey) willkommen zu heißen. Peter Muyshondt, ein leitender Polizeibeamter aus Belgien, hielt eine sehr persönliche Rede und auch lokale PolitikerInnen und Akteure waren vertreten. Auf der Kundgebung herrschte buntes Treiben: Neben CannabisaktivistInnen tanzten zu später Stunde SuchtforscherInnen; junge Menschen plauderten mit älteren über ihr Konsumverhalten, und auch kritische Stimmen waren zu hören.

In Zusammenarbeit mit der Psychedelic Society Austria veranstalteten wir die Podiumsdiskussion „Psychedelic Science“, bei der unter anderem Ismail Ali und Natalie Ginsberg über ihre Arbeit bei MAPS (Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies) sprachen. Die Plattform MAPS fördert wissenschaftliche Studien mit psychedelischen Substanzen. Insbesondere die MDMA-unterstützte Psychotherapie für PatientInnen mit posttraumatischen Belastungsstörungen stieß aufgrund ihrer unglaublich hohen Wirksamkeit auf großes Interesse – gibt es doch eine Erfolgsrate von 68 Prozent, und das bei PatientInnen, die zuvor als therapieresistent galten.

Die Leute von MAPS waren auch auf der CND-Tagung vertreten, bekamen dort allerdings den kleinsten Raum für ihr Side-Event, in dem sie über das Recht auf Forschung mit kriminalisierten Substanzen referierten. Im gleichen Raum sprach der SSDP über jugendlichen Drogenkonsum und Schadensminimierung.

Doch obwohl wir auf der Tagung nur ein Nischendasein führten und in den großen Plenarsälen die immer gleiche Rhetorik zur Aufrechterhaltung des Status quo abgeleiert wurde, ist unsere Teilnahme dennoch als Gewinn zu verbuchen. Denn neue Stimmen im Diskurs finden langsam Gehör, es geht zwar schleppend voran, aber etwas bewegt sich. Ein System, das auf falschen Tatsachen aufgebaut ist, wird irgendwann nicht mehr in der Lage sein, sich aufrechtzuerhalten, auch wenn jetzt noch eisern daran festgehalten wird. Die letzten Wochen haben uns stark gemacht und gezeigt, dass wir nicht alleine sind mit unserer Vision: eine evidenzbasierte Drogenpolitik, die Gesundheit, Mitgefühl und Menschenrechte in den Mittelpunkt rückt.

SSDP ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die junge Leute mobilisiert und sie dabei unterstützt, sich am politischen Prozess zu beteiligen, um für vernünftige Regelungen für den Umgang mit Drogen zu kämpfen. Für eine sicherere und gerechtere Zukunft und gegen kontraproduktive politische Kriege gegen Drogen, die vor allem StudentInnen und der Jugend direkt schaden. Mach mit, folge uns auf Facebook.com/ssdpaustria.