Starallüren

Berühmtheiten gegen Verbot und Drogenkrieg

Einer Minimaldefinition zufolge sind Weltstars auch Menschen, nur haben sie sehr viel mehr Geld, deshalb bringen sie oft mit Bewusstseinsveränderung etwas Farbe in ihr Luxusleben. Neben den hedonistischen Drogenkonsumenten gibt es auch solche Berühmtheiten, welche die Probleme sehen, die sichaus dem Drogenverbotssystem ergeben und sich –unabhängig vom Konsum der Mittel – auf die Seite der Drogenreformbewegung stellen.

 

An und für sich kann man es noch nicht Aktivismus nennen, wenn ein Berühmter den Namen seines bevorzugten Coffeeshops bekannt gibt und auch gemeinsame Fotos mit dem Besitzer zeigen kann. Es ist etwas ganz Anderes, wenn jemanden nicht die Liebe zum Kiffen, sondern die gegenwärtige, verfehlte Drogenpolitik auf die Seite der Reformer treibt. Bei Stings Coming-out vor ein paar Jahren winkte die internationale Presse nur ab. Um nämlich dort beträchtlichen Platz eingeräumt zu bekommen, hätte er mindestens bedröhnt, mit einem gepunkteten Schwimmreifen um den nackten Leib von seinem neugeborenen Aktivismus berichten müssen. Er jedoch, mit der Ausgewogenheit, die man von einem fünfzigjährigen englischen Gentleman mit großer Familie erwartet, erklärte in der Huffington Post seine Vorbehalte gegen das Drogenverbot und den Drogenkrieg. Ein Artikel der amerikanischen Drogenreformorganisation Drug Policy Alliance (DPA) öffnete dem weltbekannten Musiker die Augen, und er wurde schließlich deren begeisterter Fürsprecher. Sting nannte den Drogenkrieg die erfolgloseste und ungerechteste politische Affäre der USA mit der Konsequenz, dass der Cannabismarkt in die Hände der Mafia gelange, der größte Teil der Konsumenten aber ins Gefängnis, während die Bedürftigen nicht an die nötigen Medikamente und Therapien kämen. Dieses verfehlte System koste zusätzlich viele Milliarden von Dollars. Am Ende seines Artikels ruft er alle auf, der Bewegung zum Erfolg zu verhelfen und sich der DPA anzuschließen. Offenkundig schrieb er nichts, was nicht schon bekannt war, er wiederholte nur die Prinzipien der Reformer; die Geste hat jedoch Bedeutung: Als weltbekannter Star hat er sich sichtbar auf die Seite der bösen Jungs gestellt, die solch hässlichen Dinge wie Entkriminalisierung, Schadensbegrenzung oder eben Legalisierung fordern, anstatt alle Drogen “mit Stumpf und Stiel auszumerzen”.

Rhetorik mal anders

Susan Sarandon, die als politische Aktivistin berühmt ist, betrachtet die Drogenfrage nicht unter dem Begriffspaar Verbot – Erlaubnis, sondern eher unter dem Gegensatz von Dummheit und gesundem Menschenverstand. Die Schauspielerin, schon in ihren Sechzigern, erklärte öffentlich, dass sie ihren Kindern die Drogen nicht verboten, sondern sie zu einem kultivierten Gebrauch erzogen habe. Merken wir uns also, dass auch die Fachleute der Drogenprävention, die von den Realitäten ausgehen, der Meinung sind, in je reiferem Alter und im Besitz von je mehr Informationen jemand Drogen ausprobiert, desto geringer ist das Risiko, das sich aus dem Konsum und anderen Faktoren ergibt. Aus einer solchen Einstellung resultiert der kultivierte Drogengebrauch, der eine Lebensweise voraussetzt, in der die Drogen meilenweit von den lebenswichtigen Dingen entfernt sind, gleichzeitig ihr Konsum vollkommen integriert ist und noch dazu eine angenehme Wirkung auf den Alltag des Betreffenden ausübt.

Dazu aber ist – vielleicht wegen des Verbots – ein erheblicher Teil der Jugendlichen offenbar nicht in der Lage. Das zeigt sich, wenn der Alkohol als Droge klassifiziert wird. Sarandon sagte auch, dass sie einige natürliche Mittel nicht verschmähe und die Zauberpilze ihre Favoriten wären. Verantwortungsvolle Erziehung hin oder her – schwer vorstellbar, eine solche Erklärung von einer beliebten ungarischen Schauspielerin im gleichen Alter zu hören!

Der schon siebzigjährige, weltberühmte Morgan Freeman sprach ebenfalls in einer Zeitung über die eigene Motivation des Drogenkonsums und damit verbundenen spirituellen Erfahrungen. Er sagte, dass er den Konsum von Kokain und anderen, “härteren” Drogen aufgegeben habe, aber das “Gottes eigene Pflanze” genannte Marihuana wolle er auch in Zukunft nicht lassen, weil es dazu keinen Grund gebe. Der Künstler führte seine Theorie aus, dass Moses Fall mit dem brennenden Dornbusch nicht geschehen wäre ohne ein wenig Marihuana, woraufhin der verstörte Reporter schnell das Thema wechselte, ohne dass wir von den Bemühungen des Schauspielers für eine Reform der Drogenpolitik gehört hätten, die er schon bei unzähligen anderen Anlässen erläutert hatte.

Im Dienst der Medizin

Wenn wir jedoch nach einer Berühmtheit suchen, bei der man über wahren Aktivismus reden kann, ist Woody Harrelson zweifellos Kandidat Nummer Eins. Der Schauspieler kaute nicht nur in “Natural Born Killers” Magic Mushrooms; es ist auch bekannt, dass er regelmäßig Marihuana konsumiert und bis zum heutigen Tage der Notwendigkeit der Drogenreform das Wort redet. Seiner Meinung nach steht nicht die Legalisierung von Cannabis, sondern der Respekt vor der Freiheit der Wahl im Vordergrund. Im Jahre 1996 hatte er vier Pflanzen Industriehanf bei sich zu Hause gezogen, um das Gesetz von Kentucky, das nicht zwischen wildem und veredeltem Hanf unterscheidet, auf die Probe zu stellen. Harrelsons Fall kam vor Gericht, das er als Sieger verließ. Im Jahr 1999 drehte er einen Dokumentarfilm mit dem Titel “Grass”, in dem er als Narrator über die Schattenseiten des US-Krieges gegen die Drogen spricht. Interessanterweise wurde der Film in Ontario verboten, aber nicht etwa wegen seiner Aussage, sondern wegen einer Szene, in der Schimpansen Marihuana rauchen.

Eine noch bedeutendere Rolle übernahm Harrelson 1997, als er 500 000 Dollar (!) Kaution für einen gewissen Todd McCormick zahlte, einen zwanzigjährigen Aktivisten für medizinisches Marihuana, der für sich und andere Krebspatienten Cannabis angebaut hatte, um ihre Schmerzen zu lindern. McCormick, bei dem seit einem Alter von zwei Jahren bereits zehnmal Geschwüre diagnostiziert wurden, hatte mit Sorten experimentiert, die Schmerzen lindern und das Leben von Kranken lebenswerter machen. Schließlich wurde der Junge im Jahr 2000 zu fünf Jahren Haft verurteilt, von denen er vier auch absaß. Der Aktivist zerbrach auch im Gefängnis nicht, und seitdem er wieder ein freier Mann ist, kämpft er für ein Gesetz pro medizinisches Marihuana. Inzwischen sitzt Harrelson im Beirat der Legalisierungsorganisation NORML und ist fast bei jeder Protestkundgebung in der ersten Reihe dabei.

 

Freundschaftlicher Rat

Der beliebte Jockey aus Dallas, Larry Hagman, bekam nach einer erfolgreichen Lebertransplantation von einem Freund, einem gewissen Jack Nicholson den Rat, statt harter Sauferei Marihuana zu versuchen, das mit viel weniger Gesundheitsrisiken behaftet ist. Der befreundete Oscar-Preisträger sprach aus Erfahrung. Zu Nicholsons Playboy-Image gehörte lange Zeit der hedonistische Lebensstil, gute Weine, Qualitätsjoints, andere Drogen und der überschwängliche Genuss des Schönen Geschlechts. Kein Wunder, dass der Wind der Hippie-Bewegung ihn erfasste und dass er neben dem ausschweifenden Sexualleben auch tapfer mit der Bewusstseinserweiterung experimentierte. Einzigartig, wie er den Zeitgeist erfasste. Seine in den 60er Jahren gedrehten Filme “Psych-Out” und “The Trip” wurden grundlegende Werke der psychedelischen Kultur. Nicholson ist auch heute kein Verächter des Guten, aber des Drogenkrieges. Auf eine entsprechende Frage antwortete er einmal folgendermaßen: “Meine Ansichten sind zwar extrem überzeugend, aber auch unpopulär. Die repressive Drogenpolitik zerstört den Rechtsstaat und korrumpiert die Polizei”. So leicht lassen sich die Bedenken gegen eine prohibitive Drogenpolitik formulieren.

Larry Hagman nahm also den Rat seines Freundes an und sagt jetzt, dass man sich mit Marihuana schön zurücklehnen und das Leben genießen kann, während der Alkohol den Körper zerstört und gewalttätig macht. In seinen Lebenserinnerungen berichtet er auch über seine Erfahrungen mit LSD und Meskalin, die ihm prägende Einsichten in der Lebensführung verschafften und ihn von der Todesangst befreiten. Erst kürzlich ging er in einem Interview so weit, dass er jedem Politiker nahe legte, mindestens einmal in seinem Leben LSD zu versuchen.

Just legalize it!

Zum Schluss ein paar Worte über Stars, die Marihuana einfach nur deswegen legalisieren wollen, weil sie seine Wirkung schätzen und nicht gefährlicher finden als andere Drogen, die legal erhältlich sind. Rap, Hip-Hop oder Reggae können zahllose Ikonen vorweisen, die auf ihre Weise für die Legalisierung kämpfen. Diese Jungs – von 2Pac über Snoop Dogg zum jungen Marley – verwickeln sich nicht in komplizierte, langwierige Rechtsabhandlungen, sie gehen einfach ihren eigenen Weg, denken und entwickeln ihre eigene, manchmal sehr einfache Meinung über die Welt, von der Politik über die Armut bis zum Gras. Es ist ihnen egal, welcher Klugscheißer welches Gesetz fabriziert. Snoop Dogg präsentierte zuletzt einen Band mit eigenen Gedichten, aus dessen Seiten aus Zigarettenpapier die Fans nach dem Lesen einen Joint drehen konnten.

Bob Arctor