Sondernummer zum Thema Cannabis und Epilepsie

Obwohl Cannabis seit Jahrhunderten zur Behandlung von Krampfanfällen verwendet wurde, verbot man im 20. Jahrhundert seine medizinische Anwendung. Mit der Lockerung der Gesetze für die medizinische Anwendung von Cannabis begannen Untersuchungen der klinischen Anwendbarkeit nun von Neuem.

Die Redaktion der Fachzeitschrift Epilepsy & Behavior gab kürzlich eine Sondernummer über das Potenzial der Cannabinoide bei der Behandlung von Epilepsie heraus. Die Publikation enthält Studien bekannter Epilepsiefachleute, nach deren Meinung ein tiefgehendes Missverständnis der öffentlichen Meinung über die Epilepsietherapie auf Cannabisbasis herrsche. Und da ein dringender Bedarf bestehe, den PatientInnen medizinisches Cannabis zur Verfügung zu stellen, sei eine Zusammenfassung des Wissens über die Cannabinoide wichtig. Die Publikation wendet sich also an NeurologInnen und EpileptologInnen und bietet einen Überblick über die historischen Aspekte der Epilepsiebehandlung mit Cannabis, über die Botanik und Pharmakologie sowie die Grundlagen des Endocannabinoidsystems. Darüber hinaus werden die verfügbare anekdotische Evidenz und klinische Untersuchungen detailliert aufgeführt. Risiken bei der Verwendung in Fällen von Epilepsie und mögliche Wirkungen der Cannabinoide im Gehirn werden diskutiert und Aspekte des Cannabisanbaus und seiner Verbreitung sowie rechtliche Implikationen bei der Verwendung in der Epilepsiebehandlung dargestellt.

Dr. Raphael Mechoulam, der bekannte Cannabinoidentdecker, gibt dem Thema einen historischen Rahmen. Er merkt an, dass die Anwendung von nicht psychoaktiven Cannbinoiden (CBD) in Israel offiziell für die Behandlung von Epilepsie bei Kindern zugelassen wurde. Zwischen der Beendigung der Studie und der Freigabe des medizinischen CBDs seien mehr als 35 Jahre vergangen. „Ich denke, dass CBD und andere Cannabinoide in den kommenden Jahrzehnten einen bedeutenden Fortschritt in medizinischer und therapeutischer Hinsicht erzielen werden“, sagte Dr. Mechoulam.

Die Publikation nimmt eine der spannendsten Herausforderungen bei der medizinischen Anwendung von Cannabis an: die Untersuchung von Drogen auf Pflanzenbasis im Spannungsfeld der Interessen der Pharmaindustrie. Beispiele aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien werden analysiert, um zu zeigen, wie zwei Großunternehmen – GW Pharmaceuticals und die Universität von Mississippi – bei der Herstellung von medizinisch reinen Cannabinoiden vorgehen. Wissenschaftliche Protokolle zum Gebrauch von therapeutischem Cannabis in den USA sowie die staatliche Qualitätskontrolle, die bei den „handwerklich gefertigten“ Präparaten oft fehlt, werden offengelegt. „Wir hoffen, dass die Artikel zu einem größeren Verständnis führen, und was noch wichtiger ist: weitere Untersuchungen über Fragen der Epilepsie und zur wissenschaftlichen Erforschung der Vorteile und Risiken der Therapie auf Cannabisbasis anregen“, führen die RedakteurInnen aus. „Wir müssen einen Wissenspool erstellen für die Anwendung, der sich schnell ändernden wissenschaftlichen und Reglementierungsvorgaben im ärztlichen Gebrauch von Cannabis und Cannabinoiden.“