Salzige Limonade (Teil 2)

Goa, Karnataka, Kerala: How are you my friend?

Wenn man in Indien auf die Straße geht, beginnt es immer damit, dass jemand fragt, wie es einem geht. How are you my friend? Das ist die häufigste Frage. Am Anfang etwas störend, aber man kann sich daran gewöhnen. Wenn man darauf antwortet, und sei es nur mit einem Blick, dann stellt sich bald heraus, was der Frager will. Und in 100% aller Fälle will er was verkaufen.

Meist wird Touristen die Ehre dieser klassischen Frage erwiesen. Mir ist nie aufgefallen, dass sich die Einheimischen so intensiv nach dem Wohlergehen des anderen erkundigen. Man muss wissen, dass es niemand krummnimmt, wenn man mal in Gedanken woanders ist und nicht gleich auf diese Frage antwortet. Offensichtlich ist es ihnen egal, wie es einem geht, aber es wäre entsetzlich unhöflich zu fragen: Have you got some money my friend?

 

Überall Touristen

Goa und Kerala sind wahre Touristenhochburgen: Sandstrand, bunte Sonnenschirme, genervte Fischer, lärmende Touristen, Palmen, Luftmatratzen, Jet-Ski, kaltes Wasser und Schatten nur gegen Geld. Auch im Winter sind es tagsüber 25–35 Grad. Die Strandbungalows aus Bambus und Palmenblättern sind unbequem aber stimmungsvoll, genau wie auf den Ansichtskarten. Nur dass man nicht alle Details so gut erkennen kann.

Auf einem gemieteten Motorrad fuhren wir etwa 150 Kilometer die Küste entlang, eine unendliche Reihe von einzelnen, grundsätzlich ähnlichen Stränden. Die Eintönigkeit der überdachten Restaurantterrassen wird gelegentlich von aufregenden Heineken-Fähnchen durchbrochen. Jeder Strand hat zwar seine eigene Stimmung und seine Vergnügungsmöglichkeiten, aber trotzdem bleibt die Fahrt auf dem Motorrad vom einen zum anderen das größte Erlebnis. Die Helmpflicht wird hier nicht besonders ernst genommen, womit ich einverstanden bin, denn ich finde, dass jeder das Recht hat, sein Hirn zu verspritzen. Der Verleiher des zerbeulten Vehikels empfahl uns, die innere Spur zu benutzen und nach Möglichkeit nicht anzuhalten, wenn uns die Polizei heranwinkte. Das Motorrad sei natürlich vollkommen in Ordnung, er sage das nur in unserem eigenen Interesse. Sicher würde man was abschrauben, wenn wir anhalten würden. Ich dachte, dass er scherzen würde, aber in Panjim wurde es tatsächlich ernst. Der Kumpel in Uniform blies die Pfeife und schwenkte den Bambusstab, aber wir verschwanden augenblicklich im dichten Verkehr. Wir hatten nicht vor, anzuhalten, und er hatte nicht vor, uns zu verfolgen.

 

Goa: hippiefreie Zone

Goa, wo die Regierung angeblich das Geschäft mit dem Gras kontrolliert, ist ein anderes Kaffeehaus, wie man so sagt. Für Einheimische und Fremde gelten bei Weitem nicht die gleichen Regeln. Obwohl man uns hier – und später auch weiter südlich – darauf hinwies, dass es sicherer sei, im Hotel zu rauchen als auf öffentlichen Plätzen, beobachteten wir, dass kaum jemand diesen Rat beherzigt. Es kann hier nicht die Rede davon sein, dass europäische Jugendliche als bekiffte Hippies verkleidet Gitarre spielen und am Strand herumliegen – was auch ein wenig enttäuschte, weil wir damit gerechnet hatten –, aber es tauchte auch keiner mit einem Joint auf. Ein älterer Engländer, der offensichtlich nicht zum ersten Mal in Indien war, zündete sich ohne zu zögern einen Joint auf der Terrasse des Restaurants an, aber niemand fühlte sich von dem Ha schischduft, der vom Nachbartisch herüberzog, gestört.

Gegen Abend stellen die Restaurants ihre Tische in den Sand des Strandes, ganz nah ans Wasser, was sehr stimmungsvoll ist. Goa, Sonnenuntergang, gutes Essen und feines Haschisch, all das nach einem Tag auf dem Motorrad – ich hatte einen Augenblick lang das Gefühl, dass ich nicht mehr als das brauchte. Der Geschäftsführer des Restaurants, Adrian, ein sympathischer junger Vater mit einer hochgewachsenen Frau und goldigen kleinen Kindern, sagte, dass er uns mit jemandem aus dem Ort zusammenbringen würde, denn er selbst rauche nicht, aber er kenne ein paar Typen und es wäre kein Problem. Ich sagte ihm, dass ich nicht unbedingt Gras kaufen wolle, obwohl ein wenig gutes Hasch auch nicht schlecht wäre, sondern ich Informationen brauche über die örtlichen Gegebenheiten und auch ein paar Plantagen fotografieren wolle, wenn es welche gibt. “Okay my friend“, sagte er, aber was soll ein Inder auch anderes sagen. Die Anrede “Sir” ist hier aus der Mode gekommen, der Stil ist lockerer, vielleicht, weil alle das ganze Jahr in kurzen Hosen herumlaufen. Aber unsere Berechnungen bewahrheiteten sich, die Preise wurden niedriger, der Eurokurs besser, je weiter wir nach Süden kamen.

Goa bietet nicht viel mehr als die Strände, obwohl die Gegend wirklich nicht zu verachten ist. Im Umkreis von hundert Kilometern gibt es einige buddhistische und hinduistische Heiligtümer, die schönsten portugiesischen Kolonialkirchen und zahlreiche Naturschönheiten zu entdecken. Mehr darüber im Lonely Planet.

Karnataka: das farbenfrohe und langweilige Bangalore

Wir fuhren wieder Richtung Süden, das Ziel war Kochi, die Hauptstadt des Staates Kerala, und kamen unterwegs durch Karnataka. Bangalore, die Hauptstadt von Karnataka, kann man vergessen, aber wir blieben natürlich ein paar Tage. An Weihnachten und Neujahr ist es in Indien fast unmöglich, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Auch Leute ohne Beine sind unterwegs. Das übliche alljährliche Fest “Ich fahre irgendwohin, und wenn nicht, kaufe ich mir wenigstens was“, das sie so wie wir Weihnachten nennen. Bei 35 Grad unter Palmen hat Weihnachten schon seinen eigenen Charme, aber in Indiens Farb- und Geschmackswelt gekleidet, überschreitet es die Grenze zum Kitsch bei Weitem. Außer dem Auchan, den wir entdeckten, und der Tatsache, dass wir weder in einem Bus noch in einem Zug Plätze bekamen, fanden wir auch Indiens Hotel mit dem wahrscheinlich schlechtesten Preis/Leistungs-Verhältnis (zur Warnung für alle hier der Name: Hotel Poonja). Eine einzige Sache geschah in Bangalore: Wir kamen darauf, dass die Burka – jedenfalls auf unsere perversen Hirne – aufreizend wirkt. Das ist ursprünglich nicht ihre Absicht, aber aus dem ein oder anderen Augenpaar strahlte so sehr das Verlangen oder das Interesse, dass auch ich für einen Augenblick meine gute Erziehung vergaß. Der kleine Abstecher nach Bangalore dauerte drei Tage, und mangels einer besseren Lösung fuhren wir mit dem Taxi in das etwa 400 Kilometer entfernte Kochi. Aus den geschätzten acht bis neun Stunden wurden schließlich 13. Unsere nicht alltäglichen Erfahrungen mit dem indischen Intercity-Verkehr und auf dem Highway 47 beziehungsweise 49 würden einen gesonderten Artikel verdienen. Jetzt nur so viel: Es ist kein Zufall, dass die Intercity-Busse in Indien ausnahmslos nachts fahren (meist in Sleeper-Ausführung) und dass die Billigfliegerei sich im Weltmaßstab am schnellsten entwickelt, denn Reisen auf dem Festland ist langwierig, schweißtreibend und wegen der Verkehrsdichte manchmal schlicht unmöglich.

 

Kerala: Gottes eigenes Land

“Gods own country” ist tatsächlich der offizielle Slogan des Staates Kerala, und obwohl ich persönlich das bestreiten würde, klingt er gut. Nachdem wir wegen einer politischen Großveranstaltung vier Stunden lang herumgeirrt waren, erreichten wir in der Nacht Fort Kochi. Die Festung selbst ist ein Städtchen mit alter holländisch-portugiesischer Kolonialatmosphäre, wo sich die Hotels und Gästehäuser dicht an dicht reihen. Am Strand zieht sich wegen der Feiertage eine Basarzeile entlang, dicht bei den Hotels, wo die Wunderwerke der chinesischen Souvenirindustrie an den Mann gebracht werden, auch wenn man sie nur zum Spaß kauft. Die Chinesen sind schon sehr lange in Indien vertreten, hauptsächlich im Handel, was die Fischernetze, die bis zum heutigen Tag benutzt werden, bestätigen. Die kann man auch ausprobieren. Den Fang kann man dort an Ort und Stelle kaufen und jede beliebige Gaststätte am Strand bereitet einem daraus das Abendessen. Außerdem gibt es Geschenkläden, die eher Zelten gleichen, Dutzendware aus Kunststoff und illegale Händler, Barleute, Tee, Eis, Lassi soweit das Auge reicht. Hier mischt sich das Traditionelle mit dem Multikulturellen, was eigentlich auf ganz Indien zutrifft.

Die Basarzeile führt zu einem betriebsamen Fährhafen, von dem man auf die Insel Vypin übersetzen kann. Die Fähre kostet 30 Rupien (etwa 45 Cent für ein Auto und zwei Personen), die Fahrt auf dem Landweg dauert etwa eine halbe Stunde und kostet 17 Rupien Zoll für die beiden Brücken, die man überqueren muss. Kein Wunder, dass alle die Fähre nehmen. Dieses Zentrum vereint Busbahnhof, Dutch Palace und Market Street, es gibt eine Synagoge, die angeblich der Hl. Thomas 52 n.Chr. erbaut hat. Mit einem Leihwagen fahren wir zu den “nur” 80 km entfernten Wasserfällen. Das Fahren auf der linken Straßenseite ist die ersten paar Stunden ziemlich gewöhnungsbedürftig, ein bisschen als ob man nach zwanzig Jahren noch einmal Fahren lernen würde. Außerdem muss man rückwärts auf die Fähre fahren – schon in der Warteschlange. Die Helfer zeigen ständig, wo man hinsteuern soll. Die Fähren werden so dicht bestückt, dass zwischen den Autos nur ein paar Zentimeter bleiben, dazu kommt die Unzahl von Fußgängern, Radfahrern, fetter Dieselgeruch, Hitze und Lärm. Weil man die Tür nicht aufkriegt, muss man im Auto bleiben, bei 35 Grad, der Motor läuft, die Klimaanlage ist an, bei allen. Auch das Runterfahren ist nicht einfach, man muss verdammt aufpassen, dass man kein Kind, Rad- oder Motorradfahrer erwischt. Natürlich passen alle auf, hauptsächlich auf sich selbst.

Wir setzen mit der dritten Fähre über, was eine gute Leistung ist. Während wir stehen, warten und gekocht werden, kommt ein 60-jähriger, grauhaariger, unrasierter Kerl an das Fenster des Wagens, erscheint wie ein durchschnittlicher Einheimischer, und bettelt – denken wir – aber weit gefehlt. “Would you like some grass?“, fragt er. “Das ist nicht der beste Moment, Alter“, sage ich. Das fehlt mir noch. Zum ersten Mal in meinem Leben zu versuchen, ordentlich bekifft auf eine Fähre zu fahren, mit dem Steuer auf der rechten Seite. Aber sofort frage ich nach dem Preis. “3.000/10“, sagt er. “Am Nachmittag kommen wir zurück, dann treffen wir uns hier im Hafen und besprechen das.” So verbleiben wir, das Schiff ist da, es geht los.

Ich gehe am Nachmittag zur gleichen Zeit dorthin zurück, um nach dem Alten Ausschau zu halten. Kaum eine Viertelstunde muss ich warten. Ich glaube, er ist den ganzen Tag dort. Er sieht wie ein Profi aus. “3.000 ist zu viel“, sage ich ihm, “ich habe mit Jungs von hier gesprochen, die verkaufen fünf für 1.000, da warte ich dann lieber auf die.” Er lächelt unter seinem kurzen Schnurrbart. “Höchstens 800/5, aber das ist die Grenze“, gehe ich noch einen Schritt weiter. Schon 50% runter und wir verhandeln immer noch, was für meinen europäischen Kopf seltsam ist, in Indien aber oft vorkommt. Einmal, in einem schicken Geschäft in der Basarzeile, fiel der Preis für ein “Silber“-Armband innerhalb von zehn Minuten von 5.600 auf 600 Rupien.

Der Alte überlegt, wie er vorgehen soll, derweil wir uns unterhalten. Es stellt sich heraus, dass er noch keine 60 ist, ihm das Leben aber zugesetzt hat. Er heißt Aziz und ist ein sympathischer Kerl. Zu meiner Überraschung ist er mit 880/5 einverstanden. Ich frage nach dem Typ und der Sorte des Ganjas. Aber außer, dass es “gutes Ganja ist, das alle rauchen, er auch“, weiß er nicht viel mehr darüber. Ich glaube, er versteht die Frage auch nicht, hat vielleicht keine Ahnung, dass es Indica und Sativa gibt und dass Ruderalis zur Bewusstseinsveränderung vollkommen ungeeignet ist.

Mit Schleiern vor den Augen denke ich an Österreich, wo wir mit einem vergleichsweise unglaublichen Raffinement nicht nur Cannabis, sondern auch andere Dinge konsumieren. Einer der störendsten Faktoren in Indien ist die schlechte Qualität von allem und das Preis/Leistungs-Verhältnis, das sich daraus ergibt. Eines Abends bestellte ich gegrillten Fisch in “Kerala style with lime rice“. Wie sich später herausstellte, hatte man nicht genug Fisch, nur ein kleines Stück, eher eine halbe Portion, deshalb bekam ich ein, zwei Tigerkrebse dazu. Sie sagen nicht: “Der Fisch ist aus, bestell doch was anderes.” Vielleicht befürchten sie, dass wir am nächsten Tag woandershin gehen – machen wir ohnehin, weil wir Verschiedenes ausprobieren wollen – eher stoppeln sie was zusammen. Ich mag ohnehin keinen Krebs, weil er nach Fisch schmeckt, und wenn ich den Geschmack von Fisch haben will, dann esse ich auch Fisch, außerdem hat man am Krebs zu viel zu fingern.

Der Deal mit Aziz

Gras oder Haschisch kaufen ist in Indien wirklich ganz anders als in Europa. Das Ganze spielt sich mitten in einer mit Kameras überwachten Basarzeile ab, wo auch Zivilpolizisten aufpassen, alles im Interesse der Sicherheit der Touristen. “Zeig mal die Ware“, sage ich zu Aziz. Das Geld hole ich natürlich noch nicht hervor, das habe ich schon in Mumbai gelernt, dass man das erst herausnehmen darf, wenn man bezahlt. Das ist wie mit einer Waffe: Wenn man sie zieht, benutzt man sie auch. Zu meiner Überraschung verabschiedet sich unser frischgebackener Freund, drückt mir aber beim Händedruck (so wie es früher auch bei uns üblich war) ein Päckchen in die Hand und spaziert mit dem Kommentar “very good ganja” von dannen. Ich finde dieses Grundvertrauen mindestens seltsam, weiß nicht, was ich davon halten soll, dann geht mir auf, dass es für ihn so am besten ist, denn hier gibt jeder jedem alles in die Hand. Unlängst kam ich so zu einem Notizbuch aus Kerala mit einem schönen Textil-einband. Nachdem er es mir in die Hand gedrückt hatte, nahm er es nicht mehr zurück, lieber ging er mit dem Preis runter bis ich nickte, unterdessen lobte er die Vorzüge und die Großartigkeit des Produkts.

Aziz war also weg und ich öffnete, zum Wasser gewandt, die Packung, die enttäuschend anspruchslos aussah, wie ein zusammengeknülltes Stück einer einheimischen Zeitung, schwarz-weiß, wie eine weggeworfene Papierkugel. Bald begriff ich, warum das so war. In dieser Umgebung wäre ein Stück Folie oder ein verschließbarer Plastikbeutel aufgefallen. Papierabfall gibt es aber überall in Massen, sodass man, falls nötig, das Päckchen an einen sicheren Ort werfen kann, wo man es vielleicht selbst nicht wiederfindet. Ich betrachtete es. Eine Enttäuschung auf den ersten Blick. Nicht nur wegen der schlampigen Verpackung, die ja vielleicht noch verständlich war. Nach dem Augenschein eher zwei Gramm als fünf, aber vielleicht noch weniger. Sofort wurde mir klar, warum er schon in der ersten Runde 50% nachgelassen hatte. Wenn jemand nicht hinschaut und zehn kauft, bekommt er etwa fünf und bezahlt 40 Euro. Wenn das Zeug ein bisschen Wirkung zeigt, ist er zufrieden, denn er kann erzählen, wie er in Indien Gras gekauft hat und sich ein paar Mal gut bekifft hat, auch wenn er zu Hause viel billiger und besser was bekommen hätte. Natürlich ist das kein so großes Abenteuer. Und im Eckladen gibt´s auch OCB 100, klar, weil keiner das kauft. Das Grün war kein schönes Grün, eher ein sehr tiefes Dunkelgrün, ein paar vertrocknete, bräunlich grüne Blüten, die in der Mitte tatsächlich ein bisschen harzig waren, aber der Batzen selbst war nicht gepresst, sondern eher locker. Viele Trichome hatte das Ganja sicher auch in seiner Blütezeit nicht aufzuweisen, Aroma fast Null, sicher durch das Übermaß an Gerüchen rundherum beeinflusst sowie durch die Tatsache, dass ich schnell und recht unauffällig versuchte, in einem Stück Zeitungspapier zu schnüffeln. In jeder Hinsicht Übertölpelung, soweit man auf den ersten Blick sah, aber ich dachte, dass das Ganja vielleicht gut sein könnte. Aber es machte den gleichen Eindruck wie das Zeug, das man in den Neunzigern auf der Straße verkauft hat. Damals haben wir geraucht, was wir bekamen, weil wir hofften, die Wirkung könnte trotzdem gut sein. War sie aber nicht. Heute bin ich nicht mehr bereit, Ganja von solcher Qualität zu rauchen, und ich bin auch sicher, dass es THC allerhöchstens in Spurenelementen enthält. Es sah aus wie von einer selbst gezogenen Pflanze, die im Freiland zu viel Sonne abbekommen hat und ausgetrocknet ist.

Ich drehte mich um und machte ein paar Schritte zur Straße hin. Aziz lungerte dort an einem Imbissstand herum. In Indien findet alles auf der Straße statt, jeder Händler lässt sich dort nieder, dort konzentriert sich das Leben, alles geschieht an der Straße, alles organisiert sich dort. Man könnte auch sagen, dass die Inder ständig unterwegs sind. “No, man, thanks”, sagte ich und gab ihm mit einem Händedruck das Päckchen zurück. Am Ende gibt man das Päckchen zurück oder gibt das Geld. Was mich am meisten überraschte, war, dass die Sache auf Vertrauensbasis ablief, weil er es einfach so hergab. Ich kenne nicht nur einen Menschen, der damals (hoffentlich hat sich das inzwischen geändert) einfach damit weggelaufen wäre und sich gesagt hätte, dass der Alte nicht zu dem 60 Meter entfernten Polizeiposten laufen wird, weil man sein Ganja genommen und nicht bezahlt hat.

Er nahm es zur Kenntnis, versuchte nicht, mich zu überzeugen – entweder, weil ich zu resolut war, oder er einsah, dass mit mir in dieser Saison kein Geschäft zu machen war. Ich wollte gerade losgehen, als ein anderer Typ auftauchte. Ein wenig jünger, dicklich, ziemliche Glatze, ebenfalls in einheimischer Kleidung. Seine Zähne etwas braun von dem Murkan, den er ständig kaute. Bevor ich etwas sagen konnte, fragte er, woher wir kämen, und lächelte freundlich, sein Ganja aber schauten wir uns gar nicht mehr an. Als ich das Ganja von Aziz prüfte, hatte ich gesehen, dass er ihm zuwinkte, aber ich hatte unterdessen beschlossen, dass ich auf meinen neugewonnenen Freund, den Rikschafahrer, warten wollte, der mir einen unvergesslichen Abend versprochen hatte, mit ausgezeichnetem Grün gewürzt. Beim Weggehen überlegte ich, wie wahrscheinlich es war, dass er ihm nur sagte “Lass mich mal!” Vielleicht ließ sich seine Ware besser verkaufen. In Indien ist das nicht abwegig.

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