Risikokapital

Schwankende Cannabisaktien

Den Brokern brachte die erste Legalisierung in den USA einen Höhenflug der Marihuana-Aktien. Mit der Schaffung des legalen Marktes in Kalifornien im Januar bekamen die Aktien einen weiteren gewaltigen Schub, obwohl sie durch die Initiative der Regierung Trump bald wieder zu sinken begannen. Lohnt es sich 2018 noch, in Marihuana-Aktien zu investieren?

Vor fünf Jahren schlugen die Aktien der Cannabisindustrie an den amerikanischen Börsen wie eine Bombe ein. Innerhalb weniger Tage konnte man mehrere bis zu 1.000-%-ige Kursgewinne sehen, ausgelöst von einem neuen Industriezweig, der auf solider Grundlage einen bedeutenden wirtschaftlichen Beitrag leisten will. Das war natürlich keine Überraschung, denn die Legalisierungsprogramme in Colorado und Washington gaben einen mehrere 100 Millionen Dollar schweren Markt vor sowie die damit einhergehenden Steuereinnahmen. Eine weitere Anschubhilfe hatte der Markt im Februar 2014 erhalten, als es Banken erlaubt wurde, den Handel mit Cannabis zu finanzieren, und man nicht mehr nur auf Bargeld beschränkt war. Auf dem Cannabisaktienmarkt traten bald hochkarätige Geschäftsleute wie Warren Buffett in Erscheinung und Berühmtheiten wie Whoopie Goldberg, Snoop Dogg, Kevin Smith oder Tommy Chong präsentierten ihre Produkte. Nach weiteren medizinischen Zulassungen und Legalisierungen scheint der Markt nun endgültig gefestigt zu sein. Mit allen Wassern gewaschene Broker warteten schon ungeduldig auf die Legalisierung in Kalifornien, von der sie einen weiteren Aufschwung erhofften. Sie behielten recht, obwohl das Wunder nur ein paar Tage andauerte.

 

Panik an der Börse

Am 1. Januar standen nicht nur Schlangen vor den frisch eröffneten Ganjaläden in Kalifornien; auch die New Yorker Börse zeigte sich lebhafter als sonst. Der Kurs von THC BioMed International Ltd stieg an diesem Tag um 55 Prozent, während CannaRoyalty Corp 27 Prozent zulegte. Die Wertsteigerung zeigte sich auch an der Börse in Toronto, was kein Wunder ist, da zahlreiche kanadische Cannabisfirmen in den USA aktiv sind. „Am 1. Januar konnten wir den globalen Übergang des größten und am besten entwickelten Cannabismarktes in einen Markt für Erwachsene und den Freizeitgebrauch erleben und CannaRoyalty ist stark daran interessiert, dass der Markt in den nächsten fünf Jahren wächst“, verkündete am 2. Januar der Direktor der kanadischen Firma CannaRoyalty. Die Erwartungen basieren darauf, dass die kalifornische Wirtschaft auf dem sechsten Platz der Weltrangliste steht – und über den größten Cannabismarkt verfügt. BDS Analytics schwebt ein Cannabismarkt mit 3,7 Milliarden Dollar Volumen vor, der bis 2019 die 5-Milliarden-Grenze überschreiten könnte. Aber das ist bei Weitem noch nicht der Höhepunkt. Ein Analyst von Bloomberg Intelligence rechnete noch im Dezember damit, dass sich der Umsatz der Cannabisindustrie in den nächsten zehn Jahren vervierfachen wird.

Dann schlug die Erklärung des amerikanischen Justizministers Jeff Sessions, dass er dafür sorgen würde, dass alle Staaten die Bundesgesetze einhielten, die Cannabiskonsum und -handel verbieten, in den optimistischen Markt ein wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Bisher glauben nur wenige, dass dies das Ende der amerikanischen Legalisierung bedeuten könnte, doch diese Ankündigung reichte vollkommen aus, um die Börsen zu erschüttern und den bisherigen Aufschwung der Aktien zu bremsen. Der US-Marijuana-Index stellte anhand der Daten der an der Börse vertretenen legalen Cannabisfirmen einen 25-%-igen Kursverfall vom Börsenschluss am Tag der Verkündigung bis zur Eröffnung am folgenden Tag fest, d. h. im Wesentlichen im Verlauf eines Tages. Grund dafür war die allgemeine Sorge, dass die diffuse Erklärung sogar die Abschaffung des legalen Marktes bedeuten könnte – gleichgültig, wie unwahrscheinlich das Szenario auch erscheinen mag. Auf den Kurssturz folgte eine 10-%-ige Erholung, aber die früheren Werte stellten sich bei Weitem nicht ein. Die Sorgen sind immer noch nicht ausgeräumt und ihre Wirkung auf die Aktien ist noch immer spürbar. Manche sehen dies eher als Chance, nicht als Problem. Mark Tepper, der Direktor von Strategic Wealth Partners, hält es nicht für wahrscheinlich, dass die Legalisierungsstaaten der Ankündigung unwidersprochen Folge leisten und auf die Cannabissteuereinnahmen verzichten werden. Seiner Meinung nach sind die Cannabisaktien hoch riskant, versprechen aber auch hohe Renditen und bieten einer Gruppe von AnlegerInnen eine ausgezeichnete Option. Fox Business Network prognostiziert den amerikanischen Aktien eine leuchtende Zukunft. Der Journalist Charlie Gasparino ist der Meinung, bei den Cannabisaktien habe man es mit Anfangsschwankungen zu tun und die wahre Blüte werde erst in den nächsten Jahren eintreten. Die heutige Situation erinnert an die des Bitcoin von vor drei Jahren, als Wall Street gerade erst auf die Kryptowährung aufmerksam wurde. Abgesehen von den unterschiedlichen Meinungen zur amerikanischen Börse sind die meisten AnalystInnen sich einig, dass beim Nachbarn im Norden eine sichere Wertsteigerung zu erwarten ist.

Richtung Kanada

Kanadische Marihuana-Aktien kamen vermehrt in Umlauf, als man bestimmten ZüchterInnen erlaubte, medizinisches Cannabis auf den Markt zu bringen. Mit einem Schlag präsentierten sich die Marktakteure im Leben der damals 40.000 Menschen, die Cannabis zur Therapie verwendeten. Der nächste Schritt ist die für Juli 2018 angekündigte Legalisierung, die – im Gegensatz zu den USA – von der kanadischen Regierung voll und ganz getragen wird. Geschieht nichts Unvorhergesehenes und Ministerpräsident Justin Trudeau bekleidet sein Amt bis 2019, dann kann 2018 noch immer als das Jahr der Cannabisaktien in die Geschichte eingehen. Möglicherweise ist es vernünftig, Aktien kanadischer Firmen zu kaufen.