Reinigung des Erdbodens mit Hanf

Die Hanfpflanze ist vielseitig nutzbar. Bei der Herstellung von Papier und Gewebe, aber auch in der Treibstoffindustrie wird Industriehanf verwendet. Da Hanf zudem über eine reiche Palette an medizinischen Wirkungen verfügt, spricht man auch von therapeutischem Cannabis. Und hier ist ein weiterer Vorzug, den wir der Liste hinzufügen wollen: Hanf entfernt toxische Metalle und Verunreinigungen, die durch Strahlung verursacht wurden, aus dem Erdboden.

In den 1960er Jahren veränderte sich das Gesicht der kleinen italienischen Stadt Taranto: Früher war sie für die in Handarbeit hergestellten Terrakottaöfen bekannt, bis die im Privatbesitz befindlichen Manufakturen von der Stahlfabrik Ilva aufgekauft wurden. Diese wurde 1965 eröffnet und wuchs sehr schnell: Sie stellte ein Drittel des italienischen Stahls her. Heute befindet sich Italien unter den 15 größten Stahlproduzenten der Welt. Während Ilva die italienische Wirtschaft in Schwung brachte, erfuhren die BewohnerInnen der kleinen Stadt Taranto jedoch die Kehrseite der Medaille: Während der letzten 50 Jahre hatte die Fabrik die Luft und den Boden mit Schwermetallen. In einem Umkreis von zwei Kilometern um die Fabrik konnte man wegen der Luftverschmutzung zeitweise kaum atmen. Die extremen Umweltschäden bewegten den ehemaligen Milcherzeuger Vincenzo Fornaro, etwas zu unternehmen. Dieser hatte schon früh die schädlichen Auswirkungen der Stahlindustrie zu spüren bekommen. Im Alter von 20 Jahren verlor er eine Niere. Seine Mutter starb an Krebsgeschwüren. Eine Studie belegt, dass 11.000 StadtbewohnerInnen zwischen 2005 und 2012 wegen schwerer toxischer Vergiftungen starben. „Wir standen vor der Frage, ob wir weggehen oder bleiben sollten. Wir entschlossen uns zu bleiben und unsere Erde zu schützen!“

Hanf zur Reinigung der Umwelt

Was einmal die Weide der Familie Fornaro war, ist nun eine Hanfwiese. Nur wenige Menschen wissen, dass die Hanfpflanze in der Lage ist, wirksam große Mengen von Schadstoffen aus dem Erdboden zu saugen. Schwermetalle werden in den Hanfwurzeln neutralisiert und so aus dem Erdboden entfernt. Ohne diese Maßnahme lösen sich die Schwermetalle nicht im Erdboden, sondern bleiben dort lange Zeit und verunreinigen die Nahrungs- und Wasserquellen. Fornaros Strategie der Rehabilitation ist nicht neu. Hanfpflanzen wurden schon in der Ukraine verwendet, um den Erdboden von der giftigen Strahlung nach der nuklearen Katastrophe von 1986 zu reinigen. Die Eigenschaft der Hanfpflanze, den Erdboden und die Umwelt von verschiedenen Verunreinigungen zu befreien, wird Phytosanierung genannt. Zudem wächst Hanf schnell und ist eine ausgezeichnete Wahl für Böden, die eine schnelle Rehabilitation benötigen. Die Wurzeln der Hanfpflanze reichen bis zu 2,5 Meter in die Tiefe. Es scheint, dass sie den Schwermetallen sehr gut widersteht und das Wachstum auch in stark verunreinigten Böden nicht nachlässt. Für die Stadt Taranto ist das eine sehr gute Nachricht.

In Taranto bauen jetzt 100 Landwirte Hanf an

„Wir müssen der Umwelt zurückgeben, was wir ihr genommen haben, und den Kindern eine alternative Beschäftigungsmöglichkeit bieten. Vorläufig wird alles nur für industrielle Zwecke genutzt, aber ich hoffe, in Zukunft auch für die Lebensmittelversorgung produzieren zu können. Sicher ist aber, dass wir die Firma Ilva mit Hanf umzingeln werden“, erklärte Fornaro.

Nach einem Bericht, den Christina Sarich 2014 für die NGO Nation of Change anfertigte, werden bei der Phytosanierung häufig zwei Senfsorten eingesetzt. Cannabis gilt nun als weiterer Hoffnungsträger, da es außerordentlich widerstandsfähig gegen Toxine ist und schnell wächst. Man erwägt seinen Einsatz in Fukushima. VertreterInnen einer Gruppe von PHYTOTECH und Ukraine’s Institute of Bast Crops führten bereits in den 1990er Jahren Experimente mit Industriehanf nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl durch, wo ein Großteil der Anbaufläche weiterhin nicht nutzbar ist. „Hanf hat sich als eine der besten Pflanzen für die Phytosanierung erwiesen“, sagt Slavik Dushenkov von PHYTOTECH. 2009 experimentierten auch weißrussische WissenschaftlerInnen mit Hanf auf verseuchten Flächen in der Nähe von Tschernobyl. Die Katastrophe hatte 1986 die Umwelt in einem Radius von drei Kilometern zerstört. Die weißrussischen WissenschaftlerInnen stellten während ihrer Arbeit fest, dass Industriehanf über eine zweite vorteilhafte Eigenschaft verfügt: Er kann außer zur Phytosanierung auch zur Herstellung von Biotreibstoff genutzt werden, nachdem er die Giftstoffe aus dem Erdboden entfernt hat. „Wie bei dem Unfall von Tschernobyl fanden die Wissenschaftler in Japan ebenfalls radioaktiven Niederschlag und giftige Metalle, inklusive Jod, Cäsium 137, Strontium 90 sowie konzentriertes Plutonium im Erdboden, in Tieren und Pflanzen; darüber hinaus auch in den Vereinigten Staaten, entlang der Westküste von Kanada bis Mexiko“, schreibt Sarich in der Nation of Change.

Die freie niederländische Journalistin Seshata, spezialisiert auf Nachrichten über Cannabis, stellt ebenfalls fest, dass zahlreiche Studien belegten, dass Hanf ausgesprochen wirkungsvoll Toxine wie Kadmium und Schwermetalle aufsaugt. Sie merkt an, dass der Krieg gegen die Drogen in den USA entsprechende Forschungen mit der Pflanze stark behindere: „Hanf wäre ein bewährtes und wichtiges Mittel im Kampf gegen die vom Menschen verursachten Schäden im Erdboden und dem Ökosystem. Der Einsatz von Hanf wäre potenziell vorteilhaft an mehreren Zehntausend Orten weltweit – man schätzt, dass in den USA 30.000 Orte eine Rehabilitation erfordern. Jedoch verhindern die gültigen gesetzlichen Restriktionen beim Hanfanbau jedes groß angelegte Projekt und die meisten verunreinigten Gebiete bleiben ohne Rehabilitation. Nicht zuletzt weil Finanzierung und Interesse vonseiten der amerikanischen Regierung fehlen.“