Querbeet Wien

Zentrum für Ethnobotanik

Einer der vielleicht interessantesten Läden der österreichischen Hauptstadt ist das Querbeet Wien. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Geschäft mitten im Herzen des 7. Bezirks, in der Neubaugasse 71. Ein Pflanzenladen – nomen est omen –, in dem man die vielfältigen Beziehungen des Menschen mit der ihn umgebenden Pflanzenwelt erkunden kann. Früher hatten die Menschen ein viel innigeres Verhältnis zu ihrer Umwelt als heute – fast überall auf der Welt benutzt man in diesen Tagen die gleichen Medikamente, um Schmerzen zu behandeln, aber das war nicht immer so. Darüber sprachen wir mit Alex, dem Besitzer vom Querbeet.

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Medijuana: Kenne nur ich die exotischen Pflanzen in eurem Laden und ihre Abkömmlinge nicht oder gibt es dafür eine besondere Szene? Sind das alles Heilpflanzen oder Heilmittel?

Alex: Das ist unterschiedlich – je nachdem, wie interessiert man an der Materie ist. Eine „besondere Szene“ würde ich das jetzt nicht nennen. Grundsätzlich kann man ja allen Pflanzen ein gewisses Heilpotenzial zuschreiben. Ich würde schon sagen, dass alles, was ich in meinem Geschäft anbiete, mehr oder weniger der Förderung und Erhaltung der Gesundheit dient.

MED: Wenn ich mir die Karte mit der Wirkung eurer Kräuter auf eurer Webseite anschaue, dann gibt es hier Pflanzen, Extrakte, pulverisiert oder getrocknet, aus allen Teilen der Welt. Würdest du mich bitte einweihen, welche die interessantesten und außergewöhnlichsten sind?

A: Interessant sind grundsätzlich alle Pflanzen und Produkte in meinem Geschäft – welche davon besonders außergewöhnlich sind, ist für mich schwer zu beantworten, da ich mich ja viel mit der Materie beschäftige und die Dinge ihre Außergewöhnlichkeit mit der Zeit irgendwie verlieren. Für viele Menschen besonders interessant sind vor allem unsere Kakteen Lophophora williamsii (Peyote) und Trichocereus pachanoi (San Pedro). Auch einzigartig ist die getrocknete und gemahlene Wurzelrinde des Ibogastrauchs (Tabernanthe iboga), die in Afrika benutzt wird, um Opiatabhängige von ihrer Sucht zu befreien.

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MED: Und welches Produkt erfreut sich heute im Herzen von Wien der größten Beliebtheit? Welche Produkte gibt es bei euch außer Pflanzenpräparaten?

A: Im Moment ist zum Beispiel Kratom sehr beliebt. Der Kratombaum, der ursprünglich in Thailand beheimatet ist, verfügt über eine Vielfalt an Alkaloiden wie sonst kaum eine Pflanze. Daher auch die divergente Wirkungsweise. Nimmt man wenig davon ein, hat man eine aktivierende, anregende und leicht euphorische Wirkung. Nimmt man eine größere Menge der gemahlenen Blätter ein, so entfaltet sich eine stark nervenberuhigende, schmerzstillende Wirkung.

Neben Kratom sind unsere CBD-Öle im Moment besonders beliebt. Wir haben gerade eine Tochterfirma namens CBDGold gegründet, die ausschließlich CBD-Öl in bester Bioqualität anbietet. Der Anstoß kam daher, dass CBD-Produkte in der Regel sehr teuer verkauft werden und somit sehr vielen Menschen, die einen Nutzen daraus ziehen könnten, aus finanziellen Gründen der Zugang leider verwehrt bleibt.

Da ich das sehr ungerecht finde, biete ich in meinem Geschäft CBD-Öl in höchster Qualität und dennoch so kostengünstig wie möglich an, um auch wirklich jedem die Möglichkeit zu geben, dieses geniale Produkt zu nutzen. Cannabidiol ist neben Tetrahydrocannabinol (THC) das am häufigsten vorkommende Alkaloid in der Cannabispflanze. Es wirkt im Gegensatz zum THC kaum psychoaktiv. CBD hat eine schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung auf den menschlichen Körper. Es wirkt außerdem beruhigend sowie stressreduzierend und appetitanregend. Mittlerweile gibt es schon mehrere wissenschaftliche Studien, die die besonderen Qualitäten des CBD zeigen (regt Brustkrebszellen dazu an, sich selbst zu zerstören, hilft Menschen mit Epilepsie und wird in der Onkologie als Begleittherapie verwendet). Ich bin sehr froh, dass es mittlerweile möglich ist, CBD legal zu verkaufen, solange der THC-Gehalt unter 0,3 Prozent liegt.

Eigentlich ist ja alles pflanzlichen Ursprungs, was ich in meinem Geschäft verkaufe. Es gibt verschiedene Tees, Pflanzenextrakte, Samen, Kaffee, Kakao, lebende Pflanzen (z. B. verschiedene Kakteen, Alraune, Salviapflänzchen), Pilzsporen und Alkohol wie Absinth oder Mandragora.

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MED: Haben die Pflanzen und Produkte, die man hier bekommt, alle bewusstseinsverändernde Wirkungen?

A: Ja und Nein. Hier muss man ja zuerst den Begriff „bewusstseinsverändernd“ definieren. Denn alles, was ich zu mir nehme – Essen, Getränke, Tabak – ist grundsätzlich bewusstseinsverändernd. Auch der Kaffee, den ich in der Früh trinke, verändert mein Bewusstsein, ebenso wie Zucker, Medikamente oder Alkohol. Leider nehmen viele Menschen diese Veränderungen gar nicht mehr wahr und lehnen dann, weil sie sich keine Gedanken darüber machen, klar als „bewusstseinsverändernde Substanzen“ deklarierte Produkte ab, weil sie meist Angst vor der Wirkung haben.

MED: Bei uns erschien vor Kurzem ein Artikel darüber, welche anderen Pflanzen außer Cannabis in den Vaporizer kommen können. Kann man diese Produkte auch inhalieren? Wie benutzt oder konsumiert man sie üblicherweise? Würdest du mir bitte ein Beispiel geben?

A: Wie man unsere Produkte benutzt, steht immer auf der Verpackung beschrieben, auch die Dosierung. Die meisten Kräuter werden als Tee eingenommen, manche können aber auch vaporisiert werden. Zum Beispiel wird Wild Dagga (Löwenohr – Leonotis leonorus) oder Marihuanilla (Leonorus sibiricus) aufgrund des angenehmen Geschmacks und der entspannenden, leicht euphorisierenden sowie schmerzstillenden Wirkung (oft auch gemischt mit anderen Kräutern) vaporisiert. Eine tolle Übersicht zu den verschiedenen Pflanzen, die im Vaporizer verdampft werden können, inklusive der Temperaturangaben, liefert das Standardwerk „Psychoaktive Pflanzen“ von Bert Marco Schuldes, das ich wirklich jedem schwerstens ans Herz legen möchte, der sich für das Thema interessiert. Gibt es übrigens auch bei uns.

MED: Werden diese Präparate eher für therapeutische Zwecke gekauft oder eher zum Freizeitvergnügen? Und wer kauft überhaupt bei euch ein?

A: Sowohl als auch. Vor allem die CBD-Öle von CBDGold werden eher zu therapeutischen Zwecken und zur akuten Krankheitsbehandlung gekauft. Aber natürlich werden viele Produkte oft einfach mal aus Neugier, zum Ausprobieren und fürs Freizeitvergnügen gekauft. Unsere Kundschaft besteht aus einem Querschnitt der Gesellschaft. Von der gestressten Hausfrau, den Mittzwanzigern, die neue Erfahrungen suchen, über den erfahrenen Psychonauten bis hin zum Opa von nebenan. Oft verlaufen sich auch Menschen in unser Geschäft und bleiben dann hängen, weil sie von der angebotenen Vielfalt total begeistert sind. Ich habe auch viele Stammkunden, die schon seit Jahren immer wieder ins Querbeet kommen. Viele kommen wegen der sonst nirgends zu findenden großen Auswahl, der freundlichen Beratung und natürlich auch dem stressfreien Umfeld, das mein Geschäft bietet. Man kann bei uns übrigens auch online bestellen: www.querbeet.at bzw. www.querbeet.eu für Kunden außerhalb Österreichs. An dieser Stelle möchte ich mich auch einmal bei meiner Kundschaft bedanken, die übrigens die beste überhaupt ist – immer freundlich, respekt- und verständnisvoll und höflich.