Profit ist kein gutes Argument

Man muss die Legalisierungskampagne in den USA gar nicht so genau verfolgen, um zu erkennen, welch große Rolle die erwarteten Einnahmen dabei spielen. „Millionen Dollar aus der Cannabissteuer, die die Wirtschaft ankurbeln und neue Arbeitsplätze schaffen“ – das war schon bei der Kampagne in Colorado zu vernehmen, und – zugegebenermaßen – es bewahrheitete sich. Eine neue Analyse hingegen warnt davor, den WählerInnen die Legalisierung mit hohen Steuereinnahmen schmackhaft zu machen. Das Argument der ForscherInnen der University of California in San Francisco beruht auf der einfachen Feststellung, dass die Auswirkungen der Legalisierung auf die allgemeine Gesundheit als wesentlich bedeutender einzuschätzen sind als die Schaffung eines neuen Industriezweiges, der sich an der Tabak- und Alkoholindustrie misst. Nach Meinung der Autoren müsse man aus den negativen Erfahrungen der Tabak- und Alkoholindustrie lernen und bei der Entwicklung der Marihuanagesetze den Schutz der allgemeinen Gesundheit im Auge haben. Denn würde man Marihuana ähnlich wie Zigaretten behandeln und bewerben, sei mit einer starken Nachfrage zu rechnen. In Colorado, wo offene Werbung für Cannabisprodukte verboten ist, könne man zweifellos sehen, dass sich die Cannabisläden großer Popularität erfreuen und die Ganjaindustrie ständig innovative Produkte auf den Markt bringt. Die Autoren der Studie sind der Meinung, dass die Cannabisindustrie ohne wirksame Kontrolle gewaltig wachsen und mit aggressiver Marktstrategie gegen den Rahmen der Regulierung angehen werde, was schließlich zum Anwachsen der medizinischen und gesellschaftlichen Kosten führen werde.

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Die Frage nach dem richtigen Umgang mit dem legalisierten Cannabis drängt, da bis Jahresende in mindestens fünf weiteren Staaten Abstimmungen über die Legalisierung ausgeschrieben werden und die Modelle sich bisher am ehesten an den Gesetzen zum Alkoholkonsum orientieren. Die AutorInnen der oben genannten Studie finden es wichtig, den Marihuanakonsum nicht nur bei Jugendlichen, sondern in der gesamten Gesellschaft auf einem niedrigen Niveau zu halten. Weitere Ziele sind der Schutz der Nicht-KonsumentInnen, Prävention und Hilfe beim Entzug. Der Anbau solle streng reguliert werden, ebenso das Marketing und der Handel mit cannabishaltigen Produkten.

Sicherlich sind viele Argumente der ForscherInnen richtig und ihre Absichten legitim. Man darf aber nicht vergessen, dass ein Großteil der Steuereinnahmen aus der Legalisierung in die Prophylaxe und die Bildung fließen und darüber hinaus nicht selten gefährlichere Drogen – Rauschmittel, Schmerzmittel, Alkohol – durch Gras ersetzt werden.