Professoren für die Legalisierung

In den Vereinigten Staaten geht der Kampf um die Regelung des Marihuana-Konsums in die zweite Runde: Seit den Anfängen im Jahre 2012 wird sich jetzt allerdings nicht nur Kalifornien beteiligen; Washington und Colorado sind diesmal auch mit von der Partie. Der unten stehende Brief der “Kampagne zur Regulierung von Marijuana wie Alkohol” wurde von 100 Universitätslehrkräften unterzeichnet.

Offener Brief der Mitglieder der Universitätsgemeinschaft an die Wähler von Colorado

Als Lehrende der Fachbereiche Jura, Gesundheitswesen, Wirtschaft, Strafrecht und anderer Bereiche möchten wir mit vorliegendem offenen Brief die Gestaltung einer objektiv-durchdachten, sich auf Tatsachen stützenden Marihuana-Politik fördern und bei der diesjährigen Abstimmung in Colorado den Änderungsentwurf Nummer 64 unterstützen, der die Regelung des Marihuana-Konsums ähnlich den Regelungen des Alkoholkonsums lösen würde.

Unser Land führt seit Jahrzehnten eine uneffektive und verschwenderische Marihuana-Politik, die sich allerhöchstens mit dem Alkoholverbot vergleichen lässt. Wir haben den Änderungsentwurf Nummer 64 studiert und sind der Meinung, dass er eine wirksame, verantwortungsbewusste und sehr wünschenswerte Lösung für die Bürger Colorados darstellt.

 

Zum Schutz der Jugendlichen ist das Marihuana-Verbot erwiesenermaßen die ungünstigste Lösung, denn damit wird Cannabis auf den Schwarzmarkt verbannt, wo das Alter beim Kauf nicht nachgewiesen werden muss und außerdem auch andere illegale Mittel erhältlich sind. In einem geregelten System würde der Marihuana-Verkauf von der Straße hinter die Geschäftstheken verlegt, wo der Vertrieb an strikte Altersgrenzen gebunden würde. Es ist nachgewiesen, dass die Regelung des Marihuana-Verkaufs funktioniert. Laut den Statistiken des US-Zentrums für Seuchenkontrolle und Prävention ging der Marihuana-Konsum der Mittelschüler von Colorado in den Jahren zwischen 2009 und 2012 massiv zurück. Es handelt sich dabei um den Zeitraum, in dem der Staat Regelungen zum Verkauf von medizinischem Marihuana einführte. Im gleichen Zeitraum stieg der Konsum in allen anderen Teilen des Landes, in denen keine derartigen Maßnahmen ergriffen wurden, jedoch an.

In der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage muss die Wirksamkeit teurer Regierungsprogramme genau untersucht werden, und es müssen verantwortungsvolle Entscheidungen über die Nutzung der staatlichen Ressourcen getroffen werden. Mit der Durchsetzung des Marihuana-Verbots um jeden Preis verschwenden wir die begrenzten strafrechtlichen Mittel des Staates und bringen das Vertrauen in die Gesetze ins Wanken. Es wäre wesentlich zuträglicher für unsere Gesellschaft, wenn die Ressourcen, die bisher für die Ermittlung, Verhaftung und Anklage von Marihuana-Konsumenten eingesetzt wurden, zur Aufklärung von gewalttätigen und grausamen Verbrechen genutzt würden. Laut des Zen-trums für Recht und Politik von Colorado würden durch die Einführung des Änderungsentwurfs Nummer 64 sofort 12 Millionen Dollar für die lokale und staatliche Strafverfolgung pro Jahr gespart. Innerhalb der nächsten fünf Jahre könnten so 36 Millionen Dollar gespart werden. Zusammen mit den staatlichen und kommunalen Einnahmen könnte für Colorado mit den Maßnahmen eine Sparsumme in Höhe von 120 Millionen Dollar erzielt werden.

Es ist wichtig anzumerken, dass der Änderungsentwurf Nummer 64 die derzeit geltenden gesetzlichen Bestimmungen zum Autofahren unter Marihuana-Einfluss nicht tangieren würde und den Arbeitgebern auch weiterhin ermöglicht würde, die derzeit üblichen Drogentests durchzuführen.

In der nahen Vergangenheit ist es dem Staat Colorado gelungen, vom Sumpf des Verbots auf den Weg der Regelung überzuwechseln. Vor achtzig Jahren waren es die Wähler aus Colorado, die mit ihrer Stimme dazu beitrugen, dass in Colorado zuerst das Alkoholverbot auf dem Gebiet des gesamten Staates aufgehoben wurde, später folgte dann auch die Bundesregierung mit der gleichen Entscheidung. In diesem Jahr haben wir die Gelegenheit, das Gleiche in Sachen Marihuana zu wiederholen und die gesamte amerikanische Nation erneut in die Richtung der realistischen, rationalen und wissenschaftlich fundierten Gesetze zu lenken.

Bitte schließen Sie sich der Unterstützung des Änderungsentwurfes Nummer 64 sowie den Maßnahmen zu einer dem Alkoholkonsum ähnlichen Regelung des Marihuana-Konsums an!

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