Pressemärchen von Cannabis-Toten Jun19

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Pressemärchen von Cannabis-Toten

Cannabis könne einen plötzlichen Herztod verursachen, schrieben Ende Februar Wissenschaftler der Institute für Rechtsmedizin der Universitäten von Düsseldorf und Frankfurt. In der Zeitschrift “Forensic Science International” stellten Dr. Benno Hartung und seine Kollegen zwei Fallberichte von jungen Männern (23 und 28 Jahre alt) vor, die plötzlich verstarben. Beide wurden positiv auf THC im Blut getestet. Es wurden in diesen Fällen keine spezifischen Gründe für den Tod gefunden, wie beispielsweise Herzkreislauferkrankungen. Die Autoren schrieben, dass “dies nach ihrer Kenntnis die ersten Fälle einer vermuteten tödlichen Cannabisvergiftung darstellen, bei denen umfassende Untersuchungen nach dem Tod durchgeführt wurden”. Die beiden Fälle erzielten eine große Aufmerksamkeit in den Medien, allerdings wurde der kausale Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und den Todesfällen durch andere Experten sehr schnell infrage gestellt.

”Die einzelnen Befunde stützen das nicht”, sagte der Leiter der Rechtsmedizin an der Berliner Charité, Michael Tsokos. Er hat sich die Fallstudien aus Düsseldorf angeschaut: “Aus ihnen geht hervor, dass der 23-jährige Verstorbene schwer am Herzen vorerkrankt war. Hätte er nicht zufällig am Tag vor seinem Tod Cannabis geraucht, wäre ein Zusammenhang mit seinem Tod gar nicht hergestellt worden.” Doch was ist mit dem 28-Jährigen? “Fälle, in denen die Todesursache unklar ist, haben wir vereinzelt immer wieder. Cannabis als Ursache zu vermuten, ist für mich eine Verlegenheitsdiagnose.”

Auch viele weitere Forensiker halten die These für unhaltbar. “Da nach den Analysen nichts anderes mehr auftauchte, haben sich Hartung und sein Team auf Cannabis verstiegen”, sagte etwa Frank Mußhoff vom Forensisch-Toxikologischen Centrum München: “Das ist aber kein Beweis, höchstens eine Erklärung.” So habe das Team nicht besonders viel von der Substanz Tetrahydrocannabinol (THC), die den Rausch auslöst, im Körper der beiden jungen Männer gefunden. Mußhoff spricht von Konzentrationen, die auch hin und wieder in Blutproben von Menschen während einer Verkehrskontrolle auftauchen. “Die gefundenen Abbauprodukte sprechen zudem nicht dafür, dass die toten Männer regelmäßige Cannabisnutzer gewesen sind.”