Preisverfall und Zwangslage in Colorado

Sind die ersten Bilder von der Legalisierung in den USA noch in Erinnerung? Lange Schlangen vor den ersten Cannabisläden am frühen Morgen in Colorado, das in der Kälte eingefrorene Lächeln auf den Gesichtern. Die Erwartungen der LadenbesucherInnen gingen nicht in allen Fällen in Erfüllung, denn die hohen Preise – höher als beim Dealer auf der Straße – enttäuschten viele. Seitdem sind drei Jahre vergangen und die Preise sind deutlich gesunken, was auf mehrere Gründe zurückzuführen ist: Es liegt auf der Hand, dass die immer größere Anzahl von Großzüchtern mit staatlicher Genehmigung zwangsläufig den Durchschnittspreis drückt. AnalystInnen sind der Meinung, dass der Preisverfall der letzten Jahre noch eine Weile anhält, die Anzeichen seien sehr deutlich. Auf der Webseite eines kalifornischen Online-Marihuanagroßhandels findet sich die Angabe, dass im Oktober 2015 ein Pfund Gras (ungefähr 0,45 kg) durchschnittlich 2.400 bis 2.600 Dollar kostete, während heute die gleiche Menge für nur noch 1.400 bis 1.600 Dollar über den Ladentisch geht. Auf der Webseite eines Konkurrenten in Denver, Colorado, ist ein Pfund für 750 Dollar erhältlich. Der Großhandelspreis für das billigste Marihuana beträgt also etwa 1,50 Euro, was die Dealer auf der Straße nur schwer unterbieten können.

Was genau bedeutet es also, dass die großen Anbauer den Markt überschwemmt haben? Um bei Colorado zu bleiben: Bis zum Juli 2014 beantragten ungefähr 300 Personen eine Genehmigung zum Cannabisanbau. Im August 2015 versorgten 493 ZüchterInnen mit staatlicher Genehmigung die KäuferInnen, diese Zahl stieg bis heute auf 583. In dieser eindrucksvollen Statistik ist noch immer unberücksichtigt, dass ein Großteil der AnbauerInnen seine Plantagen vergrößert hat. All dies ist mit einer wachsenden Nachfrage zu erklären, denn Jahr für Jahr steigen die Einnahmen aus dem Verkauf um 35 %. Dass die Ausgaben trotz Preissturz stabil bleiben, erklärt zum größten Teil, dass immer mehr Leute teurere Produkte aus Cannabis und Konzentrate nachfragen. Während im Juni 2015 der Verkauf von Cannabisblüten noch bei insgesamt 62 % lag, fiel er bis Juni dieses Jahres auf 56 % zurück. Die Preise der Cannabislebensmittel blieben in den vergangenen Jahren relativ stabil, die der Produkte für Entspannung und Therapie ebenfalls. Für Medizinalhanf ist kein Preissturz in den Cannabisläden zu verzeichnen. Das überrascht natürlich nicht, denn medizinisches Cannabis ist schon lange in den Staaten mit Legalisierung präsent, daher gibt es keine große Bewegung bei der Zahl der AnbauerInnen und der produzierten Menge. Den Cannabisapotheken bereitet es großes Kopfzerbrechen, dass ein Teil der PatientInnen in die Cannabisläden wechselt, wo sie billiger an jene Sorten kommen, die zur Verbesserung ihres Gesundheitszustandes nötig sind. Wenn jedoch die Nachfrage nach medizinischem Cannabis sinkt, dann können die Produkte noch weniger den Wettkampf mit den entspannenden Sorten aufnehmen.