PatientInnen weisen den Weg

Trotz Legalisierung und erlaubtem medizinischem Gebrauch ist es noch immer schwierig, eine Forschungsgenehmigung für Cannabis zu erlangen. Demzufolge zeigte die Expo im Rahmen der unbescheiden „1. Weltkonferenz für medizinisches Cannabis“ genannten Veranstaltung in Pittsburgh, dass die Praxis den wissenschaftlichen Ergebnissen vorangeht. Obwohl in 28 Staaten der USA medizinisches Marihuana und Präparate, die Cannabinoide enthalten, verschrieben werden können, gehört Cannabis auf Bundesebene in die erste Kategorie der verbotenen Drogen, eingestuft in die Gruppe von Mitteln, die über keinerlei Heilwirkung verfügen. Während die Pflanze als Heilmittel gegen ein Dutzend Krankheiten verwendet wird, betreiben nur ForscherInnen mit Durchhaltevermögen Untersuchungen über ihre medizinische Anwendbarkeit. Im Gegensatz zur Cultiva in Wien und dem Cannafest in Prag, die für wissenschaftliche Vorträge bekannt sind, hatten in Pittsburgh die ZüchterInnen, verschiedene Vereine und Organisationen sowie die PatientInnen das Übergewicht neben Firmen mit innovativen Produkten. Was der Konferenz auf der fachlichen Seite fehlte, machten PatientInnen, die das Wort ergriffen, mit ihren eigenen Erfahrungen wett. Zu Wort kamen zum Beispiel Footballspieler, die Cannabis zur Schmerzlinderung infolge zu harten Trainings oder von Sportverletzungen anwenden. Oder Eltern, die ihren schwerkranken Kindern helfen, indem sie die Nebenwirkungen von Medikamenten mit Cannabispräparaten lindern. Menschen, die an chronischen Schmerzen leiden, bei denen die traditionelle Therapie versagt, Cannabis aber funktioniert. Andere Vortragende hoben hervor, auf welche Schwierigkeiten die Kranken stießen, bis sie endlich für sich eine Cannabistherapie erkämpft hätten bzw. – von der anderen Seite gesehen – von welchen Therapien sie durch Anwendung von medizinischem Cannabis Abstand nähmen. Es gab aber auch positive Beispiele. Einem 10-jährigen Jungen wurde der Gebrauch von ursprungs- und qualitätsgeprüftem Cannabisöl in der Schule erlaubt. Der Junge leidet unter einem aggressiven Granulom, das bereits seine Gesichtsknochen angreift.

Auf unserer Seite des Ozeans ist es vielleicht weniger zu spüren, aber die zwiespältige Beurteilung des Cannabis und seiner Regulierung stellt die Ärzteschaft vor ein ernsthaftes Dilemma. Es stehen im Allgemeinen keine wissenschaftlichen Belege zur Verfügung, wie sie eine Pharmafirma nach zehnjährigen Untersuchungen vorlegen kann. Andererseits gibt es juristische Bedenken, denn die ÄrztInnen haben keine Sicherheit, dass das Bundessystem sie nicht zur Verantwortung ziehen wird, wenn sie ihren PatientInnen eine Droge der Kategorie 1 verschreiben. Trotz alledem ist mit seinem medizinischen Gebrauch das Cannabis selbst wie ein Geist aus der Flasche entwichen. Jahrzehntelang prägende Fehlinformationen greifen nicht mehr und die wissenschaftlichen Ergebnisse nehmen immer mehr Raum ein. PatientInnen haben die Möglichkeit, die positiven Wirkungen zu erfahren, MedizinerInnen können es mit eigenen Augen sehen, dass es in aussichtslosen Fällen Besserung gibt und dass die Nebenwirkungen abklingen. Alle würden davon profitieren, wenn die ForscherInnen ungehindert die medizinischen Wirkungen des Cannabis untersuchen könnten und die Wissenschaft an die Praxis anschließen könnte.