Nicht vom THC wird man abhängig

Niederländische Forscher untersuchten zwei abergläubische, aber verbreitete Annahmen: Einerseits, dass Gras mit einem hohen THC-Gehalt in geringerer Menge konsumiert wird, und andererseits, dass diese Sorten mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Abhängigkeit herausbilden. Das Ergebnis ist je ein Ja und ein Nein. Dank der vielen Coffeeshops hatten es die Forscher in Utrecht, Amsterdam und Bilthoven nicht schwer, 98 erfahrene Konsumenten zu finden, die an dem 18-monatigen Versuch teilnahmen. Zunächst befragte man sie nach ihren Konsumgewohnheiten – der Häufigkeit des Konsums, wie viele Züge sie nehmen, wie lange sie den Rauch in der Lunge halten, welchen Abstand sie zwischen zwei Zügen lassen – unterzogen sie einem Test zur Feststellung der Abhängigkeit und baten sie dann, in einer ihnen angenehmen Umgebung und unter Beobachtung der Forscher, einen Joint zu rauchen. Günstig für die Forscher war der Umstand, dass die Testpersonen gängige Sorten benutzten, deren THC-Gehalt sie untersucht hatten. Sie prüften auch, wie viel Cannabis sie in einen Joint taten. Dann wollten sie wissen, ob die Probanden den ganzen Joint aufrauchten und in welchen Zustand sie nach dem Rauchen gerieten – ob sie nur ein schwaches Kribbeln spürten oder gründlich bekifft seien. Nachdem sie die Daten ermittelt hatten, bliesen die holländischen Professoren zum Rückzug, wiederholten den Test nach 18 Monaten und verkündeten dann das Ergebnis. Zusammenfassend kam man zu dem Schluss, dass die Konsumenten potenterer Sorten weniger Ganja in den Joint packten, aber auf diese Weise mehr THC konsumierten als diejenigen, die schwächere Sorten vorzogen. Jedoch fanden sie keinen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von höheren Mengen THC und einer höheren Abhängigkeitswahrscheinlichkeit. Es bestätigte sich nämlich die Ausgangsthese, dass Kiffer keine Roboter sind und stärkeres Gras auch in geringeren Dosen rauchen. Es konnte kein Beweis dafür erbracht werden, dass potentere Sorten mit größerer Wahrscheinlichkeit zur Abhängigkeit beitragen. Nach ihrer Erklärung würde eine Abhängigkeit eher von anderen Faktoren beeinflusst: den Konsumgewohnheiten, dem familiären Hintergrund und genetischer Disposition.