Natürliches Hormon schützt Gehirn vor zu viel THC

Zwei Forschergruppen des französischem Instituts INSERM in Bordeaux, die von Pier Vincenzo Piazza und Giovanni Marsicano geleitet werden, entdeckten unlängst, dass Pregnenolon (ein vom Gehirn produziertes Molekül) einen natürlichen Verteidigungsmechanismus gegen einige THC-Wirkungen bei Ratten und Mäusen darstellt. Pregnenolon verhindert die vollständige Aktivierung des CB1-Rezeptors durch THC. Wenn dieser Rezeptor stark aktiviert wird, verursacht er die berauschenden Wirkungen von Cannabis. Nach der Identifizierung dieses Mechanismus entwickelt das INSERM-Team nun neue Herangehensweisen für die Behandlung von missbräuchlichem Cannabiskonsum.

Einige Experimente, die mit Zellkulturen, die den menschlichen CB1-Rezeptor aufweisen, durchgeführt wurden, scheinen zu bestätigen, dass Pregnenolon auch die molekulare Wirkung von THC beim Menschen hemmt. Pier Vincenzo Piazza erklärte, dass “Pregnenolon nicht zur Behandlung verwendet werden kann, weil es schlecht absorbiert wird, wenn es oral verabreicht wird, und im Blut schnell in andere Steroide umgewandelt wird”. Allerdings erklärten die Forscher, dass es eine gute Hoffnung gebe, dass durch diese Entdeckung eine neue Therapie gegen Abhängigkeiten entwickelt werden kann: “Wir haben nun Abkömmlinge von Pregnenolon entwickelt, die gut absorbiert werden und stabil sind. Wir sollten in der Lage sein, bald mit klinischen Studien beginnen und überprüfen zu können, ob wir in der Tat eine erste pharmakologische Behandlung für die Cannabisabhängigkeit entdeckt haben.” Vermutlich meinten die Forscher hier mit “Cannabisabhängigkeit” den psychisch zwanghaften, missbräuchlichen Cannabiskonsum, da eine tatsächliche (körperliche) Abhängigkeit von Cannabis gar nicht möglich ist – ebensowenig wie eine tödliche Überdosis.