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CBD löst Psychosen nicht aus, sondern heilt sie

Egal wie unglaubhaft es für die Gegner klingen mag, die Mehrheit der Patienten sucht im Marihuana und den aus seinen Wirkstoffen hergestellten Produkten nicht das Highsein, sondern ein wirkungsvolles Heilmittel für ihre Symptome. Durch den Aufschwung der Forschung mit dem Schwerpunkt CBD und die Veredelung neuer Sorten ist die Cannabiskur ohne Rausch erreichbar geworden.

Cannabis sativae enthält mehr als 60 verschiedene Cannabinoide, aber nur von wenigen unter ihnen konnte bisher sichergestellt werden, dass sie eine Wirkung auf das Nervensystem haben. Vom Delta-9-THC (Tetrahydrocannabinol) kann dies mit Sicherheit gesagt werden. Die Untersuchungen ergaben jedoch, dass zwei andere Cannabinoide, CBD (Cannabidiol) und THCV (Tetrahydrocannabivarin), überraschenderweise die Wirkung des THC ausgleichen bzw. in deren Linderung eine Rolle spielen. Alle Hanffreunde wissen, dass die Cannabinoidmenge und das Maß ihrer Präsenz auch den Wirkungscharakter der betreffenden Sorte beeinflusst. Aus dem Blickwinkel der Wissenschaft ist es vielleicht die wichtigste Eigenschaft des Cannabis, dass seine beiden Hauptwirkstoffe, THC und CBD, gegensätzliche Wirkungen auf das Nervensystem entfalten. Heute erschließt sich langsam die neurologische Grundlage dieser beiden Wirkmechanismen, die es wahrscheinlich macht, dass THC und CBD sich nicht nur ausgleichen, sondern dass das Cannabidiol Schutz gegen die unerwünschten Wirkungen des THC bietet. Deswegen widmen immer mehr Forscher ihre Aufmerksamkeit den im CBD verborgenen Möglichkeiten.

2 in 1 Formel

Die primären psychoaktiven Wirkungen von Cannabis verursacht das THC, die meisten suchen das durch ihn gebotene Erlebnis im Konsum. Allerdings ist diese Verbindung auch für die gelegentlichen unangenehmen, intensiven psychischen Erfahrungen verantwortlich. Die dafür empfindlichen Personen, die dennoch hartnäckig am Cannabis festhalten, bevorzugen verständlicherweise Sorten mit höherem CBD-Gehalt, weil sie damit die zu intensive THC-Wirkung ausgleichen können. Vermutlich ist die Lage bei der medizinischen Verwendung von rein synthetischem THC viel unangenehmer. Wer aus Mangel an “Vorsorge”- Cannabidiol (CBD) zu solchen Erzeugnissen greift, klagt häufig über Beklemmungen und psychotische Symptome wie paranoide Vorstellungen. Reines THC kann – ähnlich der fast CBD-freien Sorte Skunk – die Symptome der Schizophrenie verstärken und die kognitiven Prozesse im Gehirn negativ beeinflussen. Mit anderen Worten, die Person vergisst am Ende des Satzes, was sie am Anfang hatte sagen wollen. Erfolgreiche Linderung von Brechreiz und Schmerzen hin oder her, haben diese Präparate bei empfindlichen Anwendern unangenehme Nebenwirkungen. Cannabidiol (CBD) verfügt ebenso über eine beklemmungssenkende und schmerzstillende Wirkung, hat aber nach heutigem Kenntnisstand keinen Einfluss auf die kognitiven Prozesse und beeinflusst nicht die Funktion des Gedächtnisses. Im vergangenen Jahr unternahm eine Forschungsgruppe, welche die Krampflösung bei Multipler Sklerose (MS) untersuchte, einen systematischen Literaturüberblick der verfügbaren Ergebnisse von THC- und CBD-Tests und kam zu der Schlussfolgerung, dass mit Cannabidiol (CBD) kombinierte synthetische THC-Produkte den MS-Patienten effektiver helfen könnten als reine THC-Erzeugnisse. Sie verursachten einen milden, gut verträglichen Rauschzustand, lösten indessen aber erfolgreich die Krämpfe. Man kann daher mit Sicherheit davon ausgehen, dass die medizinische Verwendung von THC zusammen mit CBD zu besseren Ergebnissen führt, und dass es vielleicht kein Zufall ist, dass diese beiden Substanzen ursprünglich zusammen im Cannabis vorkommen. Während der Tests stellte sich von Neuem die Frage, welche therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten es für Cannabidiol (CBD) gibt.

CBD in der Medizin

Bei den ersten Experimenten Mitte der 1970er spürten die Testpersonen keine Auswirkungen, aber das lag nicht an ihnen. Forscher entdeckten erst später, dass nicht nur zu geringe, sondern auch zu hohe Dosen von Cannabidiol unwirksam sind. Der menschliche Organismus reagiert nur auf eine mittlere Dosis. Mit der Veränderung der verwendeten Dosierung änderten sich auch die Reaktionen. Mehrere Personen berichteten, dass ihre Beklemmungen abgemildert wurden und die paranoiden Gedanken endeten, weiterhin von tieferem, ausgeglichenerem Schlaf. In den dafür empfänglichen Kreisen verringerte eine mittlere Dosis CBD die Häufigkeit von epileptischen Krampfanfällen. Obwohl das CBD selbst keine euphorisierende Wirkung hat, beobachteten die Forscher, dass es zusammen mit THC die Euphorie sowie die erlebte Bewusstseinsveränderung verstärkt. Obwohl CBD die THC-Konzentration im Blut erhöht und den Abbau von THC in der Leber verlangsamt, verringert es gleichzeitig unerwünschte Nebenwirkungen. Dieser Spur gingen einige brasilianische Forscher nach und nahmen nach Tests zur antipsychotischen Wirkung von CBD an, dass die Sub-stanz bei der Behandlung von Schizophrenie eingesetzt werden kann. Dies ist – seien wir ehrlich – eine ganz neue Spur und lenkt von Zeit zu Zeit aufkommende Nachrichten über den Zusammenhang von Cannabis und Schizophrenie in ein neues Fahrwasser. Die Studie des Forscherteams erschien im Jahre 2006 im brasilianischen Journal of Medical and Biological Research. Für die Forscher ein weiterer Beweis, dass CBD im Falle gesunder Testpersonen wirkungsvoll Beklemmungen verringert. Sie fügten hinzu, dass auch Tierversuche bewiesen, dass Cannabidiol sich ähnlich verhält wie die in der Medizin verwendeten Antipsychotika. Dann berichteten sie über die Fallstudien und die vorläufigen Ergebnisse einer klinischen Studie, bei der Patienten mit Schizophrenie CBD gegeben worden war. Die Ergebnisse zeigten, dass Cannabidiol eine sichere und gut verträgliche Alternative für die sonst bei der Behandlung üblichen Medikamente sein kann. Die Experten stellten weitere Forschungen zu anderen psychischen Problemen in Aussicht, wie der Behandlung von bipolaren Persönlichkeitsstörungen. Vor zwei Jahren führte ein deutsches Forscherteam eine Studie an 40 Patienten mit paranoider Schizophrenie durch. Die eine Hälfte der Patienten erhielt das bekannte antipsychotische Amisulpride, die andere Hälfte Cannabidiol (CBD). Das Experiment wurde “blind” durchgeführt, sodass nicht einmal die beteiligten Forscher wussten, welches Mitglied welcher Gruppe sie mit welchem Mittel behandelten. Im Verlauf der vierwöchigen Studie reduzierten sich die psychotischen Symptome der Patienten in beiden Gruppen, aber die mit Cannabidiol Behandelten hatten kaum Nebenwirkungen.

Die Veredler beginnen, das Potenzial des CBD zu realisieren, und immer mehr von ihnen versuchen, für die Patienten Sorten mit niedrigem THC- und hohem CBD-Gehalt herzustellen. Bei den meisten Arten von Cannabis überwiegt THC um das Zehnfache und mehr (durchschnittlich 0,3% CBD, 12% THC), aber es stehen schon solche Arten zur Verfügung, bei denen der Anteil des THC insgesamt 1-2% beträgt, womit die psychoaktive Wirkung vernachlässigbar ist. Weiterhin gibt es bereits Arten, bei denen nicht nur der THC-Gehalt niedriger als üblich ist, sondern auch das CBD auf ca. 4-5% gesteigert wurde. Ein solches gezüchtetes Meisterwerk ist beispielsweise die Sorte Pineapple Thai, die für amerikanische Patienten bereits erhältlich ist (nicht zu verwechseln mit Pineapple Express aus dem Film Ananas Express), und die auf ein Verhältnis von 2,7% THC und 5,1% CBD stolz sein kann, sowie die israelische Züchtung Avidekel. Wer Spezies mit hohem Cannabidiol-Gehalt in einem natürlichen Lebensraum aufspüren möchte und den bewaffnete Konflikte in seiner Entschlossenheit nicht aufhalten, dem seien Afghanistan und Pakistan empfohlen.

Heilt nicht nur die Psyche

Cannabidiol (CBD) hat sich in vielen Bereichen der Medizin etabliert – von der Entspannung des Körpers und des Geistes bis zur Behandlung von spastischen Muskeln und unangenehmen Gedankenschleifen – aber die Hauptrichtung der Forschung im Zusammenhang mit CBD ist die Linderung der Krampfsymptome bei MS-Patienten. Das im Juni 2010 in England als Sativex eingetragene THC- und CBD-haltige Produkt wurde speziell für Patienten mit MS entwickelt. Die Flüssigkeit ist unter die Zunge zu spritzen und enthält die beiden Cannabinoide etwa zu gleichen Teilen. In der Wirkung ist sie eher CBD-dominant, wie bei den früher in der Mehrzahl für diesen Zweck verwandten Indica-Sorten. Sativex wird ab Herbst 2010 auch für spanische und slowakische MS-Patienten erhältlich sein.

Darüber hinaus könnte CBD eine gewichtige Rolle in der Onkologie zukommen, weil es die Ausbreitung von bestimmten Krebsarten verlangsamt. Es wird direkt als nicht-toxische Alternative zur Chemotherapie im Falle einer aggressiven Art von Brustkrebs erwähnt, weil es genau das Gen blockiert, das für die aggressive Verbreitung des Tumors verantwortlich ist. Ähnliche Ergebnisse wurden mit CBD bei Patienten mit Leukämie und Hirntumoren erzielt: CBD verringerte die Lebensfähigkeit erkrankter Zellen und verlangsamte so auch die Ausbreitung. Auch das THC hat seine Wirksamkeit in der Vorbeugung und Behandlung verschiedener Krebstypen bewiesen, aber in diesem Bereich wird schnell klar, dass es nicht immer sinnvoll ist, die beiden Cannabinoide in jedem Fall zu trennen. CBD zeigt darüber hinaus vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung rheumatischer Gelenkentzündungen, Diabetes und Epilepsie. Bei der großen Anzahl laufender Forschungen ist die Annahme der Cannabisheiler sicher nicht übertrieben, nach der Cannabidiol eines der Wundermittel des 21. Jahrhunderts sein wird.

 Jack Pot

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