Morbus Crohn – symptomfrei mit Cannabis

„Seit zehn Jahren nehme ich keine Medizin“

Die ersten Symptome, die sich im Alter von 18 Jahren einstellten, zwangen Andreas, seine Karriere als Sportler aufzugeben und das Abitur auf einer Privatschule abzulegen. Die verschriebenen Medikamente verursachten neue Probleme, bis die Einnahme von Cannabis alle Symptome mit einem Schlag beseitigte. Seit zehn Jahren lebt Andreas wieder wie ein gesunder junger Mann.

Schätzungen zufolge leiden in Europa 2,5 bis 3 Millionen Menschen an Darmentzündungen. Eine der häufigsten Erscheinungsformen ist der Morbus Crohn, bei dem die chronische Entzündung im gesamten Verdauungstrakt auftreten kann. Die Krankheit beginnt gewöhnlich mit akuten Symptomen im Bauch – starken Schmerzen, die mit erhöhter Körpertemperatur, Gewichtsverlust, Blutarmut und Durchfall (mehrmals täglich) einhergehen können. Gewöhnlich tritt die Krankheit im Alter von 15 bis 30 Jahren auf und begleitet den Patienten sein ganzes Leben. In den meisten Fällen ist höchstens Symptomfreiheit zu erreichen. Medikamentöse Behandlung kann Hilfe bieten, sehr oft verursacht sie schwere Nebenwirkungen. Mehrere Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass der Gebrauch von Cannabis die Symptome des Morbus Crohn lindern und sogar beseitigen kann. In vielen Staaten der USA verschreiben ÄrztInnen Cannabis zur Behandlung von chronischen Darmentzündungen. Nach einer Publikation des Bureau voor Medicinale Cannabis (BMC), des führenden Vertreibers von medizinischem Cannabis in Europa, seien jedoch weitere wissenschaftliche Belege erforderlich. Unseren Interviewpartner jedoch überzeugten seine persönlichen Erfahrungen ziemlich schnell davon, dass es überflüssig ist, auf wissenschaftliche Ergebnisse zu warten.

Medijuana: Erzähle ein wenig von dir. Womit beschäftigst du dich? Womit verbringst du deine Freizeit?

Andreas: Dieses Jahr werde ich 30. Ich beschäftige mich mit Studien der Logistik und arbeite nebenbei. Ich stehe kurz vor der Staatsprüfung, die ich im Juni ablege, und dann kann ich endlich in meinem Fachgebiet auf einem höheren Niveau arbeiten. Als ich zu arbeiten anfing, musste ich einsehen, dass mein Gehalt zu gering ist, um damit eine Familie zu ernähren, auch wenn ich von Jahr zu Jahr mehr verdiene. Die Entdeckung einer alternativen Behandlung für meine Darmentzündungen gab mir die Möglichkeit, neben der Arbeit noch an der Universität zu studieren. In meiner Freizeit baue ich Websites bzw. versuche ich, so viel Zeit wie möglich in der Natur zu verbringen, weil mir das Energie gibt und ich dort wirklich spüre, dass ich lebe. Wir gehen viel wandern, wenn das Wetter es zulässt bzw. gehen am Wochenende angeln. Bei schlechtem Wetter bleiben wir zu Hause, spielen Gesellschaftsspiele oder Xbox.

MED: Wann wurde bei dir Morbus Crohn festgestellt und unter welchen Symptomen hast du damals gelitten?

A: Ich war gerade 18 Jahre alt, als er festgestellt wurde, ich musste meinen 18. Geburtstag im Krankenhaus verbringen. Ich wog 95 Kilo, als ich ins Krankenhaus kam. Damals war ich Diskuswerfer und der Sport war mein Leben. In der Grundschule habe ich Fußball gespielt und auf dem Gymnasium haben wir immer wieder die Studenten-olympiade in Floorball gewonnen. Wie gesagt, kam ich mit 95 Kilo ins Krankenhaus und einen Monat später wurde ich mit 60 Kilo entlassen. Das war ein schreckliches Gefühl.

MED: Was waren die ersten Symptome?

A: Alles begann mit blutigem Stuhlgang und Durchfall den ganzen Tag über. Mit dem Training musste ich aufhören, weil ich alle zehn Minuten aufs Klo rennen musste. Ich wurde Privatschüler, weil ich fast in jeder Stunde austreten musste. Das war mir sehr peinlich.

MED: In welchem Maße hat die Krankheit deine bisherige Lebensweise beeinflusst?

A: Voll und ganz. Jeden Morgen musste ich nach dem Aufstehen auf die Toilette rennen, und da litt ich unter Krämpfen, bis ich mich vollkommen entleert hatte. Das konnte Stunden dauern. Die Krämpfe waren so stark, dass ich zweimal davon ohnmächtig wurde. Das wünsche ich keinem. Ich musste fast alles aufgeben, weil ich immer Krämpfe und Durchfall hatte, den ganzen Tag über.

MED: Welche Therapie haben dir die Ärzte verschrieben und wie erfolgreich war sie?

A: Salazopyrin, Imuran, Xalazin, Medrol, Folsäure … Ich kann mich nicht mehr an die ganzen Namen der Medikamente erinnern, die sie mir verschrieben haben. Mehr als zehn Tabletten musste ich jeden Tag einnehmen. Im Endeffekt haben sie meine gesamte Darmflora vernichtet. Es half nichts, dass ich vorher ordentlich gegessen hatte. Ganz zu schweigen davon, was die Steroide meinen Nieren angetan haben. Krämpfe und Blutungen hatte ich weiterhin täglich. Die Behandlung mit den Medikamenten zeigte keine Wirkung. Die Alternative, den betroffenen Abschnitt herauszuschneiden, kam nicht infrage, weil leider mein ganzer Dickdarm betroffen war.

MED: Hast du Alternativtherapien versucht?

A: Ich glaube, da habe ich keine ausgelassen. Heilpilze, Joalis-Tropfen, Wunderkugeln, Reflexzonenmassage usw. Beim Essen habe ich auf fast alle Gewürze verzichtet, hielt mich immer an die Diät, aber auch das half nicht.

MED: Wie bist auf Cannabis als mögliche Therapie gekommen?

A: Ich war jung und kein Musterschüler, daher bin ich schon auf der Mittelschule mit Cannabis in Kontakt gekommen. Mir ist aufgefallen, dass ich, wenn ich bekifft war, keine Krämpfe und Schmerzen hatte. Also habe ich mich detaillierter mit dem Thema beschäftigt. In einem Video hörte ich einen Menschen um die 50 darüber sprechen, dass er, wenn ihm etwas weh tut, einen selbst gebackenen Cannabiskeks zu sich nimmt. Von da an vertiefte ich mich in das Thema.

MED: Seit wann benutzt du Cannabis und wie regelmäßig? Und nimmst du noch andere Medikamente?

A: Jeden Abend vor dem Schlafengehen esse ich einen Keks, den ich mir selbst gebacken habe und mit dem ich dann die ganze Nacht durchschlafe. Morgens esse ich Haferflocken und rauche einen Joint. Dann gehe ich zur Arbeit oder zu einer Schulprüfung. Tagsüber rauche ich noch ein paar, ungefähr so wie andere ihre Zigaretten mit reinem Tabak rauchen. Meine Krankheit ist in einem Stadium angekommen, dass ich schon nicht mehr sagen kann, wann ich das letzte Mal wirklich starke Krämpfe oder Schmerzen gespürt habe. Auch wenn ich alles durcheinander esse, passiert nichts. Seitdem ich die Kekse esse, hatte ich keine Blutungen mehr. Die Medikamente habe ich vollkommen abgesetzt, schon seit fast zehn Jahren nehme ich keine mehr.

MED: Hast du beim Gebrauch irgendwelche Nebenwirkungen festgestellt?

A: Nein, das habe ich nicht. Ich muss mich auf alles ein wenig stärker konzentrieren, aber weder beim Lernen noch bei der Arbeit bemerke ich eine negative Wirkung. Ich bin sicher, wenn ich nicht arbeiten und mich nicht weiterbilden würde, nur zu Hause liegend Zigaretten rauchte, würde mich das schnell in eine negative Richtung bewegen. Da ich aber ein sehr zielstrebiger Mensch bin, halte ich mich immer an meine Regeln. Obwohl ich den ganzen Tag prinzipiell unter der Wirkung des Cannabis stehe, sowohl bei der Arbeit als auch in der Schule, kann ich hervorragende Leistungen vorweisen. Auf der Universität bekomme ich wegen meines guten Durchschnitts ein Stipendium. Auf der Arbeit werde ich regelmäßig befördert, und die Logistik erfordert ohnehin, dass ich geistig auf der Höhe bin.

MED: Wie hat deine direkte Umgebung aufgenommen, dass du statt der Medikamente Cannabis nimmst?

A: Solange Cannabis als Droge gilt, ist es schwer, mit jemandem darüber zu sprechen. Meine Mutter hat die Veränderung hautnah mitbekommen. Und nur sie weiß, was und wie viel ich anstelle der Medikamente konsumiere. Aber nicht einmal sie glaubt, meiner Meinung nach, dass dies zur Besserung geführt hat.

MED: Wie verhalten sich deiner Meinung nach die Ärzte hinsichtlich der Anwendung der Cannabistherapie? Konntest du mit deinem Arzt darüber sprechen?

A: Mein Arzt gibt alternativen Methoden den Vorzug vor der Schulmedizin. Trotzdem habe ich mich nicht getraut, mit ihm darüber zu sprechen, dass ich die Medikamente seit zehn Jahren nicht einnehme. Er sieht nur, dass es mir gut geht. Anfang des Jahres war ich bei einer Blutprobe, weil ich neugierig war, wie es in mir aussieht. Aber mein Ergebnis war besser als durchschnittlich. Mein Blutbild war vollkommen in Ordnung.

MED: Hattest du schon irgendwelche rechtlichen Probleme wegen der Cannabistherapie? Hast du Angst davor?

A: Meiner Meinung nach bewege ich mich innerhalb der normalen Grenzen. So was ist bisher zum Glück nicht vorgekommen. Ich baue vier Pflanzen ausschließlich zum eigenen Gebrauch an. Das ist genau die Menge, die ich bis zur nächsten Ernte benötige. Das gilt als geringe Menge, verkauft habe ich sowieso nie. Ich habe allen gesagt, dass mein Leben und meine Gesundheit davon abhängen und dass ich das für keinen aufs Spiel setze. Ich habe das alles aus dem Internet – jeder hat die gleichen Möglichkeiten. Trotzdem habe ich Angst vor den Behörden. Wenn sie mein System konfiszieren würden, dann würde ich ungefähr ein halbes Jahr in Verzug geraten, wodurch sich die Krankheit garantiert wieder einstellen und das Blut aus mir rausschießen würde. Davor habe ich manchmal Angst.

MED: Was ist deine Meinung dazu, dass das ungarische Recht keinen Unterschied zwischen therapeutischem und rekreativem Cannabisgebrauch macht?

A: Das ist eine komplizierte Angelegenheit. Durch meine Krankheit bin ich vielleicht sogar berechtigt Cannabis zu konsumieren, aber ich benutze es auch in der Freizeit, und daher halte ich es nicht für fair, es jemandem abzunehmen. Es wäre viel normaler, wenn jeder fünf bis zehn Pflanzen anbauen könnte.

MED: Wie sollten sich deiner Meinung nach Gesellschaft und Staat gegenüber dem therapeutischen Gebrauch von Cannabis verhalten?

A: Das Problem ist, dass der Gesetzgeber keine Ahnung von den wohltuenden Wirkungen der Pflanze hat. Wenn es dieses Mittel nicht gäbe, hätte ich täglich schreckliche Schmerzen und mein Leben würde wieder nur aus Herumliegen und Auf-die-Toilette-Gehen bestehen. Wer gegen den Gebrauch von Cannabis ist, dem wünsche ich, dass er nur eine Woche lang erlebt, was ich jahrelang erleben musste. Das ist natürlich nur so dahingesagt, denn das wünsche ich wirklich niemandem. Aber es würde seine Ansicht über Cannabis verändern. Leider aber ist das System nur sehr schwer zu verändern, solange das Geld regiert. Mit der Legalisierung von therapeutischem Cannabis würde man das System der Gesundheitsvorsorge gewaltig entlasten und auch die Anzahl der Kranken verringern.