Mit der Legalisierung läuft es besser

Das illegale Hanfbusiness ist Geschichte

Sicher erinnern sich viele noch an Chapo Guzmán, einen der meistgesuchten mexikanischen Drogenkartellbosse, und seine Lachnummer: Als er vor fünf Jahren den US-Präsidenten von Reagan bis Obama dankte, dass sie ihn mit ihrem Festhalten am Drogenverbot zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht haben. Im Februar dieses Jahres wurde Guzmán ausgeschaltet und die mexikanischen Grashändler beklagen jetzt schon den Niedergang ihres großartigen Geschäfts.

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Eins der Hauptziele des Legalisierungsreferendums 2010 war es gewesen, die mexikanischen Drogenkartelle zu schwächen. Da das mexikanische Ganja über die Südgrenze in die USA eingeschmuggelt wird, hätte die Legalisierung in Kalifornien die Kräfteverhältnisse ordentlich aufgewühlt, doch 2010 gelang es nur 46,5% der Wähler davon zu überzeugen. Ein paar Monate nach dem erfolgreichen Referendum sehen wir die ersten Ergebnisse der Legalisierung in Colorado und können uns ein Bild machen, was Mexiko und die USA durch den gescheiterten Versuch verloren haben. In Colorado, das flächen- und bevölkerungsmäßig viel kleiner als Kalifornien ist, hat ein halbes Jahr der Legalisierung ausgereicht, um mehreren mexikanischen Drogenkartellen das Grasgeschäft zu verderben. Dabei liegt Colorado nicht einmal an der mexikanischen Grenze! Rodrigo Silla, ein mittel-mexikanischer Graszüchter, erklärte gegenüber der Washington Post, dass nach der Legalisierung in Colorado der Preis für mexikanisches Marihuana um 75% gesunken sei und 1kg jetzt nur noch 25 Dollar bringe und sich bei diesem Preis der Anbau nicht lohne. Beim Preisverfall spielt natürlich auch eine Rolle, dass Medizinalmarihuana schon in 25 Staaten legal ist, daher die amerikanischen Anbauer mit oder ohne Erlaubnis einen immer größeren Markt mit Marihuana versorgen können.

Recht bekamen jedoch jene, die argumentiert hatten, dass die Legalisierung alleine die Macht der Drogenkartelle nicht liquidieren würde. Es ist nämlich nicht realistisch, zu glauben, dass die vom Marktplatz gescheuchten Kartellmitglieder von einem Tag auf den anderen Bäcker oder Pflasterer werden. Ein Teil von ihnen reagierte auf die Entwicklungen mit der Konzentration auf den Mohnanbau und die Produktion von Heroin, daher können die Behörden an den Grenzen wieder kapitale Heroinfunde präsentieren. Man kann also noch längst nicht die Hände in den Schoß legen, obwohl allein die Tatsache, dass DEA und Drogenkartelle gemeinsam wegen der Legalisierung aufheulen, bedeutet, dass die USA endlich den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Marijuana Banking

Auch das Verbrechen ist nicht mehr, was es einmal war

Insgesamt, auch wenn die erhöhte Einfuhr von Heroin nicht nur den Behörden, sondern auch den Drogenreformern Kopfzerbrechen bereitet, zeigt die Legalisierung in Colorado bislang nur eine positive Seite. Mehrere Propheten hatten vorhergesagt, dass durch die Auswirkung des legalen Grashandels Colorado sich in ein Paradies für Kriminelle verwandeln würde. “Maskierte Gangster treten dir dann die Tür ein und brüllen mit vorgehaltener Waffe: Geld her und auch das Gras!”, so hatte ein kalifornischer Sheriff letztes Jahr die schäbige Zukunft ausgemalt. Die Glaskugel hat den Polizeichef ein wenig getrogen, sagen wir mal, denn seit dem 1. Januar, das heißt, nach der Einführung der Legalisierung, zeigt nämlich die Kriminalitätsstatistik von Colorado eine deutliche Verbesserung. Nach den Angaben der Polizei von Denver ging im 1. Quartal 2014 die Zahl der Gewaltverbrechen (Mord, Vergewaltigung, Raub, schwere Körperverletzung) im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2013 um 6,9% zurück. Eigentumsdelikte (Einbruch, Diebstahl, Auto- und Motorraddiebstahl, Brandstiftung) fielen aber um 11,1%. Wir hüten uns natürlich davor, die positiven Veränderungen ausschließlich auf das Konto der Legalisierung zu schreiben, mehrere Anzeichen deuten jedoch darauf hin, dass es einen Zusammenhang geben könnte. Ebenfalls jetzt erschien eine Studie in der Zeitschrift PLOS ONE, die in den USA bundesweit die Freigabe von Medizinalmarihuana im Zusammenhang mit der Kriminalitätsrate überprüfte. Die Forscher aus Dallas gelangten zu dem Ergebnis, dass in den Staaten, die Medizinalmarihuanaprogramme eingeführt haben, die Zahl der Verbrechen nicht nur nicht steigt, sondern abnimmt. Nach Ansicht der Forscher hat die Maßnahme in erster Linie die Zahl der Morde und Körperverletzungen verringert, zeigte aber keine Auswirkung auf die Zahlen bei Raub und Einbrüchen. Letzteres widerspricht übrigens der Prophezeiung, dass die Geschäfte und Plantagen für Medizinalmarihuana die neuen Ziele von Räubern und Einbrechern würden. Der eingetretene Rückgang der Gewaltverbrechen wird in erster Linie damit erklärt, dass der legale Zugriff auf Marihuana das Maß des Alkoholkonsums verringere. Der Zusammenhang zwischen Alkoholgenuss und Gewaltereignissen muss vielleicht nicht erklärt werden. Nach Schätzungen spielt der Alkoholkonsum bei 40% aller Gewaltdelikte eine Rolle.

Kari Boiter

Daher bleibt die Entspannung

Bekifft verschwindet auch die letzte Spur von Aggression, in diesem Zustand ist die schlimmste vorstellbare Körperverletzung, dem Freund auf die Schulter zu klopfen. Nachdem wir festgestellt haben, was im Verlauf der Legalisierung alles verloren geht – die Einnahmen der Drogenkartelle und die Zahl der Gewaltverbrechen – ist es an der Zeit, zu erwähnen, was sie uns bringt. In erster Linie das unvergleichliche Gefühl von grenzenloser Freude und Freiheit.

Das durften die Zehntausende erfahren, die sich am 20. April auf dem Hauptplatz von Denver versammelt hatten, um nach Inkrafttreten der Legalisierung zum ersten Mal den “420” zu feiern. Überflüssig zu sagen, dass der Verkehr sofort zum Erliegen kam, Menschenmassen die Straßen bevölkerten, die Leute, bis sie schließlich auf den Platz gelangten, da sie nichts Besseres zu tun hatten, erst mal einen Joint drehten. Obwohl das Grasrauchen nur an bestimmten dafür vorgesehenen Punkten erlaubt ist, hielt das offensichtlich niemanden davon ab, den Ganjafeiertag in vollen Zügen zu genießen. Die Polizei von Denver wies auf Monitoren darauf hin, dass der Marihuanakonsum an Ort und Stelle illegal sei und man gegen Ordnungswidrigkeiten mit der Kraft des Gesetzes einschreiten werde. Am Nachmittag um 4:20 Uhr wurde die Stadt Denver, die wahrlich schon viel erlebt hat, mit einer unbekannten Menge von Marihuanarauch eingehüllt. High macht alleine die Vorstellung, wie viel Kilo Gras sich innerhalb von Minuten auf dem Hauptplatz von Denver in Rauch auflösten. Die Polizei versuchte durch die Verfolgung einiger Verstöße wegen öffentlichen Grasrauchens, ihr Gesicht zu wahren. Aber abgesehen davon verlief das Ereignis friedlich. Die Cannabisläden der Stadt machten Geschäfte wie vielleicht an den ersten Tagen der Legalisierung, denn es kamen Besucher aus allen Teilen der USA, um gemeinsam in der Grashauptstadt zu feiern. “Nie hätte ich gedacht, dass ich das noch erlebe”, sagte ein Käufer aus Texas mit breitem Lächeln und einer braunen Einkaufstüte in der Hand. In ihr befand sich, in einem kindersicher verschlossenen Gläschen, neben einer detaillierten Beschreibung, das erste legal erworbene Gras seines Lebens. “Ich weiß nicht, ob ich das in Texas noch erleben werde, deshalb sind wir hierher gereist. Das hier ist Geschichte!” Wer jedoch die feierliche Legalisierungskundgebung verpasst hatte, der musste nicht traurig sein, den in Denver werden ständig die unglaublichsten Ideen verwirklicht.

Kochen und Backen mit Cannabis sind keine neuen Innovationen, aber dass ein umgebauter Schulbus Speisen, die auch geistige Nahrung sind, anbietet, das gab es vielleicht doch noch nicht. Die ungewöhnlichen Unternehmer debütierten auf dem 420-Event von Denver mit Suppen und Sandwiches, die 30–100mg THC enthielten. Nur ein bisschen Papierkram ist noch nötig, bis der Minibus nach Lust und Laune durch Colorado fahren kann, um eine breitere Schicht von Hanffreunden mit den gastronomischen Delikatessen bekannt zu machen. Garyn Angel, der Erfinder des mobilen Kifferbüfetts, erwägt die Erstellung eines Apps für Smartphones, das die Interessenten rechtzeitig benachrichtigt, wenn der Bus in ihre Nähe kommt. Angel ist sicher, dass der Gastrobus der Erste seiner Art ist – obwohl schon vorher die Nachricht durch die Presse ging, dass in New York ein Bus Cannabislollis verkaufe, was sich aber als Ente entpuppte. Der Bus in Colorado ist nun aber kein Hoax und Angel schwört, dass das Ziel nicht einfach ein neuer Farbtupfer für den rekreativen Konsum sei, sondern man die Verbraucher weiterbilden und ihr Bewusstsein dafür sensibilisieren möchte, dass Lebensmittel auf Hanfbasis zum biologischen Gleichgewicht in unserem Organismus beitragen. In diesem Sinne: Guten Appetit!