Migräne? Cannabis kann Abhilfe schaffen!

Italienische WissenschaftlerInnen haben in einer Studie eine weitere mögliche Indikation der Cannabinoide entdeckt: Medizinalcannabis kann womöglich zur Vorbeugung und Behandlung von Migräne eingesetzt werden. Die Cannabinoide sollen besser als bewährte Schmerzmittel gegen Migräne helfen und dabei weniger Nebenwirkungen verursachen.

Ein Forscherteam um Dr. Maria Nicolodi am Interuniversitären Zentrum in Florenz hat untersucht, inwiefern Wirkstoffe des Cannabis zur Prophylaxe oder Therapie der Migräne und Clusterkopfschmerzen geeignet sind.

Im ersten Schritt wurde eruiert, welche Dosis überhaupt zur wirksamen Bekämpfung der Kopfschmerzen nötig ist. Dazu erhielten 48 freiwillige MigränepatientInnen zunächst zehn Milligramm einer Mixtur aus zwei Cannabispräparaten (Bedrocan und Bedrolite), von denen das eine 19 Prozent Tetrahydrocannabinol (THC), das andere so gut wie kein THC, dafür aber neun Prozent Cannabidiol (CBD) enthielt. Die Dosierung wurde kontinuierlich gesteigert. Dabei stellte sich heraus, dass Dosen unter 100 mg wirkungslos blieben. Erst die orale Gabe von 200 mg reduzierte akute Schmerzen um 55 Prozent.

In der zweiten Phase wurden 79 PatientInnen mit chronischer Migräne drei Monate lang entweder mit täglich 25 mg Amitriptylin oder mit 200 mg der THC-CBD-Mixtur behandelt. 48 ClusterkopfschmerzpatientInnen erhielten im selben Zeitraum entweder ebenfalls 200 mg THC-CBD oder täglich 480 mg Verapamil. Bei akuten Schmerzen wurden bei beiden Arten von Kopfschmerz weitere 200 mg der Kombination als Akuttherapie verabreicht.

Die Ergebnisse der Studie können sich sehen lassen: Während die Gabe von Cannabis die Anfälle um bis zu 40,4 Prozent und damit sogar besser als herkömmliche Migränemittel verringerte, konnte bei Clusterkopfschmerzen die Intensität und Frequenz nur in geringerem Ausmaß gesenkt werden. Als Akuttherapie ist Cannabis bei beiden Kopfschmerztypen gut wirksam, mit einer Reduktion der Schmerzintensität um 43,5 Prozent – bei Cluster-PatientInnen allerdings lediglich bei Menschen, die schon in der Kindheit an Migräne litten.

Anders als bei herkömmlichen Schmerz- oder Migränemedikamenten sind die Nebenwirkungen der Cannabisgabe weitestgehend positiv zu bewerten: Magenschmerzen, Darmentzündungen und Schmerzen des Bewegungsapparates nahmen merklich ab.