Mexiko: Legalisierung in der Diskussion

Seitdem der Präsident Uruguays, José Mujica, verkündet hat, dass die Legalisierung von Cannabis der beste Weg zur Liquidierung des Drogenschwarzmarktes und zu einer wirksamen Gesundheitsvorsorge sei, ruhen die Augen der Welt auf diesem Land. Neben Uruguay gibt es jedoch weitere Bewegungen in Lateinamerika, zum Beispiel in Mexiko, wo die Einrichtung von Cannabis Clubs diskutiert wird. Es ist wichtig, dies im Auge zu behalten, denn Mexiko ist mit seinen 70.000 Opfern in den letzten acht Jahren der größte Verlierer des Krieges gegen die Drogen und der Zusammenstöße der Drogenkartelle. Nach den Plänen Mexikos soll in der Hauptstadt ein legaler Hanfmarkt entstehen – dessen Bevölkerung ist, auch ohne die Vorstädte, zweimal so groß wie die von Uruguay. Die Cannabislegalisierung steht in Mexiko schon seit Jahren auf der Tagesordnung. Letztes Jahr aber kam durch den Regierungswechsel neuer Schwung in die Diskussion. Die Gesetzesvorlage wurde Mitte Februar von der größten oppositionellen Gruppierung, die sich in Mexiko-Stadt der Mehrheit erfreut, der Partei der Demokratischen Revolution (PRD), eingereicht. Sie würde einerseits landesweit Ärzten ermöglichen, Marihuana zu verschreiben, andererseits könnten in der Hauptstadt Cannabisgeschäfte eröffnen, und in den übrigen Bundesstaaten wäre der kontrollierte Anbau erlaubt. Die Angelegenheit ist also ziemlich fortgeschritten. Was aber aus europäischer Sicht ausgesprochen erstaunlich ist und Respekt verdient, ist die Anteilnahme der Presse an der Diskussion über die Hanfregulierung und bei der öffentlichen Meinungsbildung.

Stellen wir uns eine Zeitschrift vor, die wie Cosmopolitan zwischen Parfüm- und Bekleidungsanzeigen den aktuellen Klatsch des Monats einbettet, gleichzeitig aber mit einigen längeren Artikeln zu politischen und kulturellen Themen zum Ausdruck bringt, dass sie inhaltlich mehr bietet als eine durchschnittliche Frauenzeitschrift. Ungefähr in diesem Segment positioniert sich das mexikanische Magazin Quién, das in seiner Februarausgabe die Diskussion um den Hanf zu ihrem Hauptthema machte. Schon der Umschlag zeigt, Mädchenklatsch hin oder her, Thema Nummer 1 ist die Legalisierung. Noch dazu mit jeder Menge Coming-out gewürzt, denn auf der Titelseite sehen wir Berühmtheiten mittleren Alters – Politiker, Aktivisten, Regisseure und Schriftstellerinnen – die, nach der Schlagzeile zu urteilen, die Legalisierung befürworten. Auf den ersten Seiten des Magazins bringt das Editorial ohne Befangenheit zum Ausdruck, dass das Marihuana trotz seines Verbots kein Tabuthema mehr ist und es deshalb wünschenswert sei, wenn Eltern statt Ermahnungen, die sich aus Vorurteilen speisten, mit ihren Kindern ein sachliches Gespräch darüber führen könnten. Diesem Interesse folgend, entstanden Interviews mit fünf Berühmtheiten, die sich mit dem Thema Marihuana mehr oder weniger auskennen und einen resoluten Standpunkt vertreten. Sie bringen kurz ihre Meinung zum Thema Legalisierung zum Ausdruck, und siehe da: Alle fünf beziehen für die Legalisierung Stellung! Unterschiede zeigen sich nur in der Argumentation und darin, ob sie schon einmal Gras versucht haben. Allen wurden die gleichen Fragen vorgelegt, die der Berechtigung der Legalisierung, dem Charakter der praktischen Umsetzung und dem gesellschaftlichen Nutzen auf den Zahn fühlten, beziehungsweise dem nachspürten, welche Mythen über das Gras zuerst zerstreut werden müssten und wie sie die Bevölkerung informieren würden. Als Antworten kamen ausschließlich überzeugende und erwägenswerte Argumente, die den Leser zum Nachdenken anregen und der ein detailliertes Bild von der Legalisierung bekommt, wenn er sich auch die übrigen Teile des Artikels vornimmt. Kurz und gut: Gerne sähen wir ähnliche Artikel auch in europäischen Unterhaltungsmedien!