Mexiko lässt therapeutisches Cannabis zu

Im mexikanischen Parlament erfuhr medizinisches Cannabis jüngst breite politische Unterstützung. Letzten Dezember wurde dem Senat ein Gesuch vorgelegt, den Gebrauch von Cannabis für wissenschaftliche und medizinische Zwecke zu erlauben. Ende April wurde es im Unterhaus mit einer überwältigenden Mehrheit von 371 zu 19 Stimmen angenommen. Der Gesetzentwurf wurde jetzt dem Präsidenten Enrique Peña Nieto vorgelegt, der ihn erwartungsgemäß unterzeichnen wird. „Die Regulierung schafft das Verbot und die Kriminalisierung der Anwendung von Cannabis in Medizin und Wissenschaft ab, zudem ermöglicht sie den Anbau und Handel zu den genannten Zwecken“, so die Stellungnahme auf der Webseite des Unterhauses. Arturo Alvarez, Vertreter der Grünen, sagte: „Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung – dass wir uns mit reglementierten, genehmigten und überwachten neuen Konsumalternativen beschäftigen. Dies ermöglicht es den Staatsorganen, eine neue Front zu eröffnen im Kampf gegen die Sucht, die mit Gewalt verbundene illegale Drogenherstellung, den Drogenhandel und den Konsum.“ Rosa Alba Ramírez, Vertreterin des Movimiento Ciudadano, fügte hinzu: „Dies ist kein Weg zum allgemeinen, unkontrollierten Gebrauch, denn es sind Vorschriften enthalten, mit denen das Gesundheitsministerium sicherstellen kann, dass seine Ausbreitung auf den kreativen Gebrauch ausgeschlossen ist.“ Der frühere Drogengegner Nieto initiierte eine allgemeine Überprüfung des Drogengebrauchs. Er ist der Meinung, dass man den Drogengebrauch aus einem medizinischen Blickwinkel betrachten müsse, statt ihn zu kriminalisieren. Hier geht es um eine Kardinalfrage für Mexiko, denn der seit 2006 andauernde Kampf gegen die Drogen hat das Land bisher ungefähr 100.000 Menschenleben gekostet. Obwohl Mexiko den Drogenkonsum schon 2009 entkriminalisiert hat, spüren die KonsumentInnen angeblich wenig davon, weil die Polizei die Gesetze willkürlich auslegt. Die Genehmigung des medizinischen Cannabis wird vielleicht zu einer veränderten Sicht beitragen.