Medizinalhanf in Deutschland schlug ein wie eine Bombe

Kein Jahr ist vergangen, seitdem in Deutschland Cannabis für medizinische Zwecke freigegeben worden ist, und sofort wurde es zur Mangelware.

Nach der deutschen Regelung können Krankenkassen die Aufwendungen für medizinisches Cannabis übernehmen – eine Praxis, die armen Kranken und PatientInnen mit höherem Cannabisbedarf die Möglichkeit zu einer erfolgreichen Registrierung eröffnet. Die Rheinische Post befragte drei Krankenversicherungen und ermittelte eine Anzahl von 13.000 PatientInnen, deren Anträge auf Unterstützung positiv beschieden wurden. Die meisten Anträge gingen bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse ein. Von 7.600 Anträgen wurden 64 Prozent zugelassen. Bei der Barmer Ersatzkasse gingen 3.200 Anträge ein, wovon 62 Prozent stattgegeben wurde. Die Techniker Krankenkasse erhielt 2.200 Anfragen und beschied 64 Prozent als berechtigt. Darüber hinaus können PatientInnen ihre Ansprüche noch einmal modifizieren oder erneut vorbringen. Abgelehnt wurden Anträge für Krankheiten, die nicht mit Cannabis behandelt werden. Bei Einführung des Gesetzes im letzten Jahr ging man davon aus, dass jährlich etwa 700 Kranke Cannabis beanspruchen würden. Heute zeigt sich, dass diese Zahl viel zu niedrig angesetzt war, denn innerhalb von zehn Monaten gingen zwanzigmal so viele Gesuche ein. Dazu kommen die sogenannten Privatrezepte, bei denen die PatientInnen 25 € pro Gramm aus eigener Tasche bezahlen. Die ÄrztInnen vertrauen darauf, dass der Preis bei der Stabilisierung des Systems sinken wird. Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, betrachtet die hohe Zahl der Anträge als positiv und sieht darin ein echtes Bedürfnis nach medizinischem Cannabis.