Israel entkriminalisiert

Vor gut zehn Jahren begannen in Israel die ersten medizinischen Experimente mit Marihuana. Inzwischen hat sich das Land zu einer Hochburg der Erfoschung von medizinischem Cannabis und seiner Anwendung entwickelt; parallel dazu wird sein Freizeitgebrauch streng bestraft. Die Gesetze näherten sich nun der Realität einen Schritt an, obwohl GrasraucherInnen auch weiterhin unbegründete Strafen drohen. Zwar können von nun an keine Strafverfahren mehr eingeleitet werden, wenn jemand mit ein paar Gramm Gras in der Tasche erwischt wird, aber man lässt ihn ernsthafte Summen berappen. Beim ersten Mal kostet der unglaubliche Frevel etwa 250 €, was sich beim zweiten Mal auf das Doppelte erhöht. Beim dritten Mal kommt der sture Delinquent mit Bewährung davon, aber beim vierten Mal kommt es zu der bislang aufgeschobenen Strafverfolgung, statt den Betreffenden, sagen wir mal, einer angemessenen Therapie zuzuführen. Es ist natürlich vorstellbar, dass die Gerichtshöfe nicht automatisch die Höchststrafe aussprechen, besonders, wenn der Pechvogel keiner Fliege etwas zuleide getan und mit dem Kiffen niemanden in Gefahr gebracht hat. Von den gezahlten Strafen wird übrigens nicht die Polizei profitieren. Sie fließen in die Kassen von Präventionsprogrammen und Therapiemaßnahmen. „Einerseits öffnen wir uns der Zukunft“, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu zur Abstimmung über die Entkriminalisierung. Die Welt bewege sich in diese Richtung. „Andererseits sehen wir die Gefahren und bemühen uns, die beiden Seiten ins Gleichgewicht zu bringen.“ Gesundheitsminister Gilad Erdan bezeichnete die Entscheidung als wichtigen Schritt, bei dem das Land die Frage nicht nur aus der Perspektive der Polizei sehe, sondern sich auf den Weg der Aufklärung und Behandlung begebe. Bei Kindern, die mit Cannabis erwischt werden, wird nur dann ein Verfahren angestrengt, wenn sie die Therapie verweigern, was an die bekannte, in mehreren Ländern praktizierte Umleitungsmethode erinnert. Die Leiterin der parlamentarischen Alkohol-und-Drogen-Kommission Tamar Zandberg hält es für die beste Botschaft der Gesetzesänderung, dass MarihuanakonsumentInnen nicht kriminalisiert werden. Es ist eine Freude, dass jemand in dieser Sache eine klare Sprache spricht.