Info für MarihuanakonsumentInnen

Die Fundación CANNA und die Bewegung für therapeutisches Cannabis

Nachdem es in Spanien gelang, den Marihuanagebrauch in kontrollierbare, legale Bahnen zu lenken, verging nicht viel Zeit, bis die KonsumentInnen und nicht zuletzt die lizenzierten AnbauerInnen ein genaueres Bild von den Sorten erlangen wollten, die in Umlauf gebracht wurden. Diese Informationen stellt die Fundación CANNA bereit. Firmenchefin Susan von Brunschot berichtet uns von der Philosophie und den Aktivitäten der Organisation.

Medijuana: Wann habt ihr eure Arbeit begonnen und womit beschäftigt ihr euch hauptsächlich?

Susan von Brunschot: Fundación CANNA wurde 2011 gegründet. Die Grundidee war, Konsumenten über die Wirkstoffe in den Cannabispflanzen aufzuklären. In Zusammenarbeit mit anderen erforschten wir die verschiedenen Sorten des Cannabis. Wir fertigten fundierte Analysen für eigene Studien und für Dritte. International arbeiten wir mit vielen Autoren zusammen, damit die Cannabiskonsumenten in allgemein verständlicher Form an möglichst exakte wissenschaftliche Informationen gelangen können. Wir unterstützen Initiativen und fördern Konferenzen, um weltweit die Bewegung für therapeutisches Cannabis zu stärken.

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MED: Gibt es einen besonderen Grund dafür, dass euer Firmensitz in Spanien liegt?

SvB: Ja, da es immer mehr Organisationen und Clubs in diesem Land gibt, gibt es verständlicherweise einen erhöhten Bedarf an Qualitätskontrolle und Informationen. Und da die Verantwortlichen der Fundación CANNA in Spanien leben, war die Entscheidung einfach.

MED: Konzentriert ihr euch bei den Laboruntersuchungen in erster Linie auf die Cannabinoid- und Terpenprofile oder achtet ihr besonder auf Verunreinigungen und andere unerwünschte Elemente?

SvB: Dabei richten wir uns nach den Wünschen der Kunden. Wir bieten Cannabinoid-, Terpen- und mikrobiologische Tests sowie Herbiziduntersuchungen an, und seit einiger Zeit können wir auch Reste von Lösungsmitteln nachweisen. All das tun wir, um unsere Kunden aufklären zu können und die Risiken zu verringern.

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MED: Arbeitet ihr mit Samenbanken und Cannabis Clubs zusammen, damit alle auf dem Markt erhältlichen Cannabisproben getestet werden können?

SvB: Eine solche Art der Zusammenarbeit gibt es nicht, denn es ist wichtig, dass wir unparteiisch bleiben. Die Untersuchungen geschehen anonym, ohne Voranmeldung, weil wir sonst keine objektiven Ergebnisse erzielen können.

MED: Kann euch ein Züchter eine Probe bringen, wenn er etwas über die Qualität seines eigenen Cannabis wissen will?

SvB: Wir arbeiten nur mit offiziell regis-trierten Organisationen zusammen, daher raten wir den Konsumenten, die etwas über die Qualität des Cannabis, das sie konsumieren, wissen wollen, sich in diesem Zusammenhang mit ihrem Club abzusprechen.

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MED: Unterscheidet ihr bei der Analyse zwischen Cannabis, das für rekreative und solches, das für therapeutische Zwecke gezüchtet wird?

SvB: Wir führen die Tests nach den Vorgaben unserer Kunden durch, daher machen wir keine solchen Unterschiede. Außerdem denken wir, dass jedes therapeutische Cannabis frei von Verunreinigungen, Rückständen, Pilzen und ähnlichen Stoffen sein soll, da das geschwächte Immunsystem – falls wir von Schwerkranken sprechen – toxische Stoffe schwer verträgt.

MED: Wie beurteilt ihr die spanischen Cannabisgesetze und wie seht ihr die Situation der Cannabis Clubs? Meint ihr, dass wir es mit einem Erfolgsmodell zu tun haben, das andere europäische Länder auch adaptieren könnten?

SvB: Die Fundación CANNA enthält sich der politischen Diskussion. Wir meinen, dass wir alle das Recht haben zu wissen, was wir konsumieren, ganz gleich, ob wir in Spanien leben, in den USA oder irgendwo sonst.

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MED: Ihr seid Produzenten eines der besten Filme, die in den letzten Jahren zum Thema Cannabiswissenschaft entstanden sind. Es präsentiert Leben und Werk von Dr. Raphael Mechoulam. Könntest du uns etwas über die Produktion des Films „The Scientist“ erzählen und wie es war, mit dem legendären Professor zusammenzuarbeiten, den die Welt als den Entdecker der zwei wichtigsten Cannabisbestandteile, THC und CBD, kennt?

SvB: Der Film entstand in Koproduktion mit Zach Klein von Y. Klinik Productions in Tel Aviv. Zach arbeitete schon seit Jahren an einem Dokumentarfilm über Professor Mechoulam. Es war spannend, Raphaels Lebensgeschichte zu hören. Der Hauptgrund für die Zusammenarbeit war, weitere Forschungen voranzutreiben. Wir empfanden es als Ehre, uns mit der Gruppe von Zach in Jerusalem treffen zu können und an seiner schon seit Jahren andauernden fantastischen Arbeit teilzunehmen. Wir hoffen aufrichtig, dass der Film in den nächsten Jahren immer mehr Menschen erreichen wird. (Der Dokumentarfilm ist auf YouTube in mehreren Sprachen verfügbar – der Hrsg.)

MED: Wer sind eure Hauptpartner auf dem Gebiet der Wissenschaft, die sich mit Cannabis beschäftigt, und in welcher Beziehung steht ihr zu ihnen?

SvB: Wir arbeiten mit internationalen Universitäten, Professoren und Autoren weltweit zusammen sowie mit solchen Initiativen wie OECM (Observatory on Medical Cannabis) in Madrid, ICEERS (International Center for Ethnobotanical Education, Research and Service) oder ICRS (International Cannabinoid Research Society) und der IACM (International Association for Cannabinoid Medicines).

MED: Wie ist eigentlich die Beziehung zwischen CANNA und der Fundación CANNA?

SvB: CANNA ist bekannt für ihre hochwertigen Dünger für schnell wachsende Pflanzen. Die Firma CANNA legt Wert darauf, ehrliche und zuverlässige Informationen bereitzustellen und hat sich daher zur Gründung einer Non-Profit-Stiftung entschlossen, der Fundación CANNA.

MED: Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?

SvB: Wir möchten mehr Forschung für uns selbst und Dritte durchführen, wir möchten unsere internationalen Aktivitäten ausweiten, die Laboraktivitäten verstärken und vor allen Dingen die Konsumenten mit den bestmöglichen Methoden informieren und aufklären. Die Einnahmen aus Spenden und den kommerziellen Dienstleistungen unseres Labors möchten wir in Medizinalcannabisinitiativen investieren sowie in die Unterstützung neuer Studien und Forschungen weltweit. Wer sich für die Tätigkeit der Fundación CANNA interessiert, neue Studien vorschlagen möchte, wissenschaftliche Vorlagen von uns überprüfen lassen möchte oder selbst Unterstützung sucht bzw. Unterstützung bieten möchte zur Erreichung unseres Ziels, der möge unsere Webseite  besuchen oder uns an die Adresse info@fundacion-canna.es schreiben.