Humane Papillomviren versus Cannabis

Cannabinoide gegen Viren

In Europa existiert weder eine einheitliche Regulierung noch eine einmütige Haltung zur Cannabisfrage, nicht einmal hinsichtlich der Cannabistherapie. Das erschwert den PatientInnen das Leben sehr. Monica ist EU-Bürgerin, lebt aber momentan in Kalifornien, wo sie als Babysitterin bei einer ungarischen Familie arbeitet. Als Patientin bekommt sie in Ungarn jedoch keine Genehmigung für eine Marihuanatherapie. Dort riskiert sie sogar eine Anklage. Daher ging sie nach Amerika.

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Medijuana: Warum hast du dich zu diesem Interview bereit erklärt?

MM: Weil die Menschen so viel wie möglich über Medizinalhanf erfahren müssen. Damit sie es nicht mit den Drogen in einen Topf werfen und nicht sofort zurückschrecken, wenn die Rede darauf kommt. Es ist ein wunderbares Mittel und könnte Tausenden von Menschen helfen.

MED: Unter welcher Krankheit leidest du? Wann fing das alles an? Welche Symptome hast du und wie wurden sie behandelt?

MM: Humane Papillomviren (HPV). Das ist eine Gruppe von Viren, und die Hälfte von ihnen kann Gebärmutterkrebs verursachen. Das kann eine angeborene „Krankheit“ sein, aber unter den über 100 Erscheinungsformen gibt es auch solche, die sich durch Geschlechtsverkehr verbreiten. Manche tragen das Virus in sich, aber es tritt nie aktiv in Erscheinung. Es gibt aber auch PatientInnen, bei denen es äußere, sichtbare Veränderungen an den Geschlechtsorganen verursacht. Manche tragen es verborgen in sich. Dann verbreitet es sich und es bildet sich ein Karzinom. Das lässt sich mit alljährlichen Krebsuntersuchungen kontrollieren. Ich ging mit 18 zum ersten Mal zu einer solchen Untersuchung, damals stellte sich sofort heraus, dass ich das Virus in mir trage und es aktiv ist. P3 war mein Ergebnis, das bezeichnet die Aktivität des Virus, gibt aber keinen Grund zur Panik. Ich wurde mit Isoprinosin behandelt, und das Medikament wirkte. Ich erinnere mich gut daran, dass ein paar Jahre später die gleiche Geschichte wieder auftrat, und damals wurde ich mit der gleichen Methode in Ungarn behandelt. Danach war ich jahrelang symptomfrei, bis es 2013 wieder auftrat.

image1MED: Und dann kam wieder die „gewohnte“ Therapie?

MM: Nein. Erstaunlicherweise verschrieb der Arzt mir gar nichts. Er sagte mir, ich solle viel Gemüse essen und drei Monate später wieder zur Untersuchung kommen. Dann rief meine Mutter an und teilte mir mit, dass ein Brief von meinem Gynäkologen gekommen sei: Es gebe ein Problem und ich solle sofort kommen. Natürlich bekam ich Panik, als sich herausstellte, dass sie an meiner Gebärmutter eine Veränderung festgestellt hatten und sie mit Laser entfernen wollten. Aber ich spürte immer noch nichts davon und hatte auch keine Schmerzen. Ich hörte sofort auf, Zucker und säurehaltige Speisen zu essen. Ich nahm jeden Tag 4.000–5.000 mg Vitamin C zu mir. Von einer Operation wollte ich nichts hören. Dann wurde mir vorgeschlagen, Medizinalhanf auszuprobieren.

MED: Und wie ging das in Amerika?

MM: Zuerst musste ich mir einen kalifornischen Personalausweis besorgen. Da ich hier versichert bin und Steuern zahle, gab es keine Probleme damit. Als Nächstes gingen wir zu einem Arzt, der die Erlaubnis hatte, Genehmigungen zum Konsum von Medizinalhanf auszustellen. Natürlich kann man nicht mit einem x-beliebigen Grund dorthin gehen. Ich suchte also meinen dortigen Gynäkologen auf, der einen Test durchführte und bestätigte, dass das Virus aktiv ist. Von einer Entfernung war jedoch überhaupt nicht die Rede. Mit dem Ergebnis ging ich zu dem Arzt, der mir das Rezept ausstellte. Der nächste Weg führte schon in die Apotheke, wo Medizinalhanfpräparate verkauft werden. Der Securitymann prüfte natürlich alles und ließ uns dann ein. Dem Verkäufer schilderte ich mein Problem und er empfahl eine medizinische Cannabistinktur auf Alkoholbasis. Dieses Präparat enthielt viel CBD.

Edible forms of medical marijuana are on display at Blum Dispensary in Oakland, Calif., on August 22, 2014. The Golden State, with its already outsize medical-pot market, could soon be entering a Golden Era of commercialized cannabis. (Dan Honda/Bay Area News Group/MCT)

MED: Was konntest du über dieses Präparat in Erfahrung bringen?

MM: Es minderte unglaublich schnell meine Schmerzen. Es dauerte kaum ein, zwei Minuten, und schon waren meine Qualen zu Ende. Eine Art flüssige „Scheißegal-Tablette“, aber ohne die drogenübliche Betäubung. Es wirkte außerdem gut gegen meine Schlafstörungen, war appetitanregend und unterdrückte nach einem Monat aktiven Gebrauchs den Virus.

MED: Also Betäubung – in der Umgangssprache „high sein“ – verursachte es nicht?

MM: Nein, absolut nicht!

MED: Beim ersten Mal hast du es einen Monat lang genommen. Gab es auch ein zweites Mal?

MM: Ja, letzten März war ich wieder bei einer Untersuchung. Das Virus war wieder aktiv, und jetzt erkannten auch die hiesigen Ärzte die Veränderung. Sofort begann ich, die „Grünen“ – so nenne ich sie – zu nehmen. Ich bekam einen Termin zur Biopsie zwei Wochen später.  Etwa anderthalb Wochen danach kam ein Anruf von der Ärztin: „Liebe Monica, was auch immer diese Veränderung war, sie ist vollkommen verschwunden. Wir wissen nicht, wovon das kommt, aber es sieht aus, als sei sie nie dagewesen.“ Innerhalb von zwei Wochen! Den Virus kann man leider nicht eliminieren, aber mit diesem Wundermittel kann man ihn scheinbar effektiv zurückdrängen.

MED: Was würdest du denen sagen, die Cannabis ausschließlich als Droge ansehen?

MM: Nur, dass Cannabis seinerzeit ein Medikament war, und zwar schon im Altertum. Man verwendete es gegen Appetitlosigkeit, als Schmerzmittel und zur Beruhigung. Die Pflanze kann nichts dafür, dass die Mehrheit der Konsumenten sie nicht wegen ihrer Heilwirkung benutzt, sondern als Genussmittel betrachtet. Medizinalhanf verursacht, obwohl er neben CBD auch THC enthält, keine Betäubungszustände, verringert nicht die Reaktionszeit und stumpft nicht ab. Es gibt mehere Krankheiten, bei denen er ausgezeichnet wirkt: Epilepsie, Alzheimer, Parkinson, Krebs und Depressionen. Natürlich wirkt er nicht immer alleinig, unterstützt aber in jedem Fall hervorragend die positiven Wirkungen der verschiedenen Therapien und unterdrückt die unerwünschten Nebenwirkungen anderer Arzneimittel.