Heilung durch die Hintertür

In unserer Ausgabe Medijuana 1/2015 führten wir ein Interview mit Tommy Chong, dem heute graubärtigen Mitglied des Paares Cheech and Chong. Er hatte uns erzählt, dass es ihm gelungen sei, unter anderem mit Cannabiszäpfchen von seinem Pros-tatakrebs zu genesen. Obwohl die meisten PatientInnen vor dieser Behandlungsmethode zurückschrecken, gibt es immer mehr Beweise für ihre Wirksamkeit.

Mikhail Kogan, Chefarzt des Integrativen Pharmazeutischen Zentrums der George-Washington-Universität, lehnt die Einnahme von medizinischem Cannabis durch Inhalation ab. Er vertritt den Standpunkt, dass bei der rektalen Einnahme, also durch den Darm, die Absorption besser sei als durch die Lunge. Beim Konsum in Lebensmitteln zersetze die Magensäure einen Teil der Wirkstoffe, daher sei beispielsweise sublinguale Zuführung (unter der Zunge) wirkungsvoller: „Der rektale Weg ist wegen des Absorptionsniveaus vorzuziehen. Man kann größere Mengen einnehmen und sie werden besser absorbiert, aber nicht alle stehen dieser Anwendungsmethode offen gegenüber“, sagte Kogan. „Wir haben so viele Produkte und uns stehen so viele Konsummethoden zur Verfügung, dass das Rauchen meiner Meinung nach sehr altmodisch und klinisch nur in geringem Maße anwendbar ist.“

Es ist anzumerken, dass auch bei anderen Pflanzen das Rauchen aus medizinischen Gründen atypisch ist und dieses Novum zum größten Teil der Verbreitung von Programmen für medizinisches Marihuana zu verdanken ist. Die Methode wurde in den letzten Jahren verfeinert durch das Vaporisieren – das Einatmen der durch Erhitzen austretenden Dämpfe. Hinsichtlich des Nutzungsgrades der Wirkstoffe mag der rektale Weg als optimal gelten, aber die Mehrheit der PatientInnen weist dies aus Ekel oder Unnatürlichkeit zurück. Ein weiteres Problem ist, dass sich die Legalisierungsregeln der entsprechenden US-Staaten nicht auf Zäpfchen mit Cannabiswirkstoffen erstrecken und ÄrztInnen diese Möglichkeit deshalb vielfach nicht in Erwägung ziehen. Kogan ist der Meinung, dass ÄrztInnen sich fortbilden müssten, damit sie außer dem Rauchen auch die übrigen Einnahmemöglichkeiten in Erwägungen zögen. Darauf müsse auch die Regulierung einwirken. An solch einer Informationskampagne würde sich sicher auch Chong beteiligen …