Harmonie-Therapie für Depressive

Richard Nixons Furcht vor Hippies, die im psychedelischen Rausch Lieder von der Erdmutter und dem Weltfrieden singen, war nicht grundlos. Die Ergebnisse einer neuen wissenschaftlichen Forschungsarbeit sprechen dafür, dass Zauberpilz-Erlebnisse naturverbundener machen und sich auch auf die politischen Ansichten auswirken. Personen, die unter Depressionen leiden und nicht auf traditionelle Therapien ansprechen, wurden in der Untersuchung mit dem Wirkstoff Psilocybin behandelt. Die beiden Testpersonen nahmen unter klinischen Bedingungen in zwei Sitzungen Dosen von 10 und 25 mg Psilocybin ein. Bereits vor der Untersuchung mussten sie verschiedene Aussagen bewerten, zum Beispiel über den idealen Ausflugsort oder über die Rechtmäßigkeit der Todesstrafe. Nach Ablauf von sieben bzw. zwölf Monaten nach der Psilocybin-Einnahme mussten die Fragen nochmals beantwortet werden.

Die Testpersonen berichteten nach der Behandlung von einer engeren Beziehung zur Natur und zeigten eine Verschiebung ihrer Ansichten hin zu einem liberaleren Urteil. „In beiden Fällen zeigten sich beträchtliche Auswirkungen, die auch ein Jahr später noch feststellbar waren“, sagte Taylor Lyons, Mitglied der psychedelischen Forschungsgruppe am Imperial College London. „Unsere Untersuchung deutet darauf hin, dass Psilocybin lang andauernde Veränderungen in den Ansichten und politischen Überzeugungen eines Menschen hervorrufen kann. Überzeugungen und Verhaltensformen sind gewöhnlich von langer Dauer und verändern sich nicht sonderlich im Laufe des Lebens – die Menschen sind in der Regel konsistent und schwanken nicht von einem Extrem zum anderen. Die Probanden bekamen nur zweimal Psilocybin und die Veränderung trat ziemlich schnell ein“, fasste Lyons zusammen.

Die Forschergruppe merkte an, dass weitere Untersuchungen notwendig seien, um festzustellen, ob die Ergebnisse zum Großteil auf die Erlebnisse bei der Therapie oder auf andere Ursachen zurückzuführen sind. Es besteht weiterhin die Frage, ob die Ergebnisse auch mit einer größeren Gruppe von Testpersonen reproduzierbar sind. Obwohl sich die ForscherInnen nicht dazu äußerten, stellt sich dennoch die Frage nach der Ethik des Experiments – wie passen psychiatrische Behandlung und die Umwandlung der Weltanschauung eines Menschen zusammen?

Jedenfalls versteht man nun besser, warum der Republikaner Nixon den verbreiteten Konsum von LSD und anderen Psychedelika als Bedrohung empfand.  Fraglich bleibt, ob man zukünftig psychedelische Heilmethoden als eine Art „ideologiebefrachteter Therapie“ verurteilten wird. Wenn sich Psilocybin in der Behandlung von Depressionen bewährt, muss dann unter den Nebenwirkungen auch das Auftreten von Hippie-Ideen aufgeführt werden?