Hanfprodukte mit Heilwirkung

CBD-Öl und CBD-Extrakte

Für uns stand immer außer Zweifel, dass Cannabis, abgesehen davon, dass es eine Freizeitdroge mit geringen Risiken ist, über ein ausgesprochen großes medizinisches Potenzial verfügt. In den letzten Jahrzehnten stellten dies immer mehr Forschungsarbeiten unter Beweis – in Amerika und auch in einem Teil Europas gab es eine kleine Aufklärungswelle. Nun können ÄrztInnen, die ein wenig auf sich halten, sowie Fachleute dieses Potenzial nicht mehr bestreiten. Allenfalls sprechen sie nicht darüber oder lenken das Gespräch mit einem „aber da gibt es auch gewisse Risiken“ auf die Verbrechensstatistik des Drogenkrieges und veraltete Theorien. In bestimmten Ländern hält sich auch heute noch das 100%ig falsche Argument der Einstiegsdroge, wenn über den freien Zugang oder die Entkriminalisierung geredet wird. In diesem Moment interessiert den Herrn Doktor nicht mehr das Recht des Patienten auf eine für ihn wirksame Arznei, sondern nur sein eigenes Autoradio und seine Furcht, dass ein Drogensüchtiger sein Autoradio klauen könnte. Er vergisst dabei, dass er gerade auf dem Grab des Hippokrates tanzt – wegen eines Autoradios.

Über die Heilwirkungen dieser Pflanze weiß er nichts, weil er die internationale Fachliteratur nicht kennt– in der Zwischenzeit hat sich nämlich herausgestellt, dass von den zahllosen Cannabinoidverbindungen in der Hanfpflanze sehr viele über ernsthafte Heilwirkungen verfügen. Unter ihnen ragen THC und CBD hervor.

Hanföl oder Hanfextrakt, das CBD enthält, hilft beispielsweise bei der Linderung von Verdauungsstörungen, Brechreiz und verschiedenen Entzündungen, bei Diabetes, Multipler Sklerose und Epilepsie. Bei Autoimmunkrankheiten ergänzt es wirksam die Behandlung, wie auch bei Allergien und Asthma. Sein Gebrauch kann als Prophylaxe Schädigungen der Leber und des Hirns vorbeugen, bei der Alzheimerkrankheit, der Schizophrenie und bei vielen Arten von Krebs ist es ein wirkungsvoller Zusatzstoff. Produkte, die CBD enthalten, sind heute schon in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich und können in den meisten Ländern legal bezogen werden.

 

Welches ist die beste Art, CBD einzunehmen?

Die beste Methode ist, CBD-reiches Cannabis zu verwenden, welches die optimale Dosis für den gewünschten Zeitraum garantiert, mit möglichst wenigen unerwünschten Nebenwirkungen. Die CBD-reichen Cannabisblüten kann man rauchen oder vaporisieren. Die meisten Kranken ziehen allerdings Cannabisölkonzentrate dem Rauchen vor.

Die Art und Dauer der Wirkung eines solchen Produkts hängen von der Art der Einnahme ab. CBD-reiche Cannabisprodukte kann man sublingual (unter der Zunge), oral (beispielsweise als Heilnahrung, Gebäck, Tablette, Getränk, Tinktur und Gelee) oder lokal anwenden. Die konzentrierten Cannabisölextrakte kann man auch mithilfe einer Duftlampe inhalieren. Das Inhalieren ist eine gute Methode zur Behandlung akuter Symptome, die sofortiges Handeln erfordern (zum Beispiel Brechreiz, Epilepsieanfall); die Wirkung wird innerhalb von ein bis zwei Minuten spürbar und dauert im Allgemeinen ein bis zwei Stunden an. Das oral eingenommene CBD-reiche Cannabisöl kann auch vier Stunden lang wirken, aber die Wirkung setzt sehr viel später (30–90 Minuten) ein als beim Inhalieren.

Beim Kauf von CBD-Extrakten, die aus Industriehanf hergestellt sind, sollten wir ein Mittel wählen, dessen Hersteller oder Vertreiber exakte Informationen über den Wirkstoffgehalt und die Anwendung gibt. Es ist gut zu wissen, dass CBD nicht das einzige Cannabinoid ist, das in CBD-Ölen in großer Menge vorkommt. Eine zweite wichtige Verbindung, die immer besser erforscht wird, ist das CBDA. Dies ist das rohe, unerhitzte CBD, das beim Extrahieren der Blüte des Industriehanfs in großer Menge im Extrakt zurückbleibt. Die Grundbestandteile des fertigen Öls sind also CBD und CBDA. Bei den meisten Produkten ist der Wirkstoffgehalt angegeben. Dreiprozentiges (CBD)-Öl oder 300 mg Wirkstoff bedeuten nicht immer, dass so viel CBD im Produkt ist, oft bezeichnet es den Gehalt von CBD + CBDA. Obwohl beide Verbindungen über einen breiten Heilwirkungsgrad verfügen und sich zusammen genommen verstärken (dauerhafte Wirkung), gibt es Krankheiten, bei denen lediglich CBD umfangreich erforscht und als wirkungsvoll bestätigt ist. Beispielsweise bei Epilepsie, bei der die genaue Kenntnis des CBD-Gehalts eine Schlüsselfunktion für die erfolgreiche Behandlung hat. Bei der Therapie epileptischer Kinder wird – wie bei den traditionellen Antiepileptika – eine genaue Dosierung von Milligramm pro Kilogramm eingehalten. Kennt man den genauen CBD-Gehalt eines Produktes nicht, dann wird auch die Dosierung nicht genau sein. Dies erschwert die Kontrolle der Therapie oder verringert ihre Wirksamkeit.

Heute ist CBD glücklicherweise in immer mehr Produkten und Darreichungsformen erhältlich. Das einfache, in Hanfspeiseöl gemischte CBD-Extrakt ist in vielen Verbindungen erhältlich, vorwiegend in einer Konzentration von 5 bzw. 10 Prozent.

Das Extrakt enthält neben CBD und CBDA die weiteren im Hanf enthaltenen legalen Cannabinoide in einer Mischung, die hauptsächlich CGB, CBN und CBC enthält. Wichtige Bestandteile sind außerdem die Terpene Myrzen, Limonen, Linalool und Alpha-Pinen. Im zum Verdünnen benutzten Hanföl befinden sich darüber hinaus Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, Vitamin E, Alkane, Nitrogenverbindungen, Aminosäuren, Zucker, Aldehyde, Glykoside und Ketone.

Es gibt auch eine Variante des Produkts, die aus Olivenöl hergestellt wird, wahrscheinlich wegen des für manche eigenartigen Geschmacks von Hanföl. In Österreich bekommt man automatisierte Varianten bzw. das sogenannte Hemp Elexier, das mit 70 Prozent Alkohol hergestellt wird.

Die Preise dieser Öle und des Elixiers liegen – je nachdem, ob sie mit Oliven- oder Hanföl hergestellt sind, bzw. ob das Konzentrat 5- oder 10%ig ist, ungefähr bei 30–150 Euro. Der Preis hängt natürlich vom Hersteller und vom Händler ab.

Das Produkt ist auch als sogenannte CBD-Paste erhältlich, die viel konzentrierter ist als das Öl. Das Extrakt wird mit CBD-Gehalten von 18, 30 und 50 Prozent hergestellt, nach Angaben des Herstellers in einem schonenden Extraktionsverfahren, das die in der Pflanze befindlichen Cannabinoide (CBM, CBV, CBG) und das ganze Spektrum der sekundären Wirkstoffe (Flavonoide, Terpene und Phenole) bewahrt. Der Preis dieser Produkte liegt sehr viel höher: 12 Gramm des 18-prozentigen Extraktes kosten 160 Euro, für das 50-prozentige Extrakt muss man 460 Euro für 12 Gramm hinblättern.

Wie hoch ist die optimale CBD-Dosis?

Eine effektive Dosis kann von einigen Milligramm CBD-Wirkstoff bis zu mehreren Gramm reichen. Wir beginnen mit einer kleinen Dosis CBD-reichen/gering THC-haltigen Öls, besonders dann, wenn wir keine ausreichende Erfahrung mit Cannabis haben. Lieber nehmen wir im Verlauf des Tages ein paar kleinere Dosen ein als eine große Dosis. Die Anfangsdosis behalten wir einige Tage bei. Wir richten unser Augenmerk auf die Wirkung und wenn nötig, verändern wir die Zusammensetzung oder die Menge. Die Cannabiswirkstoffe verfügen über eine zweifache Eigenschaft, was bedeutet, dass eine niedrige und eine hohe Dosis des gleichen Wirkstoffs entgegengesetzte Wirkungen hervorrufen kann.

In kleinen Dosen stimuliert Cannabis eher, in großen Dosen beruhigt es. Zu viel THC ist nicht tödlich, kann aber Angststörungen verstärken und Stimmungsstörungen hervorrufen. CBD hat keine bekannten schädlichen Nebenwirkungen, aber eine zu große Menge CBD kann dazu führen, dass die Therapie weniger wirkungsvoll ist als bei einer mittleren Dosis. Die Regel „Weniger ist mehr“ gilt auch hinsichtlich der Cannabistherapie.

Dosierungsvorschlag der Mayo Clinic (US-amerikanische NGO) auf der Grundlage von Untersuchungen, Publikationen, traditionellem Gebrauch und Erfahrungen von Sachverständigen:

– bei der Behandlung von Epilepsie: 30–300 mg CBD pro Tag oral

– bei der Behandlung von Bewegungsproblemen im Falle der Huntington-Krankheit: 10 mg/Kilogramm CBD pro Tag oral

– bei der Behandlung von Schlafstörungen: 40–160 mg CBD pro Tag oral

– bei der Behandlung von Schizophrenie: 40–1.280 mg CBD pro Tag oral

– bei der Behandlung eines Glaukom (Grüner Star): 20–40 mg CBD pro Tag sublingual (Eine Dosis von mehr als 40 mg kann den Augendruck erhöhen.)

 

Produkte mit Heilwirkung kann man sie nicht nennen, aber es gibt auch CBD-Öl-Kapseln. Diese 5-prozentigen Hanföl-Kapseln enthalten 85 Prozent reines Hanföl und 15 Prozent Hanfextrakt, über die Zusammensetzung des Extrakts und seinen CBD-Gehalt werden allerdings keine detaillierten Angaben gemacht. Der Preis für diese „günstigste“ Darreichungsform beträgt 40 Euro für 30 Stück.

Abgesehen davon, dass die Heilwirkungen des CBD unbestreitbar sind und es erfreulich ist, dass den PatientInnen schon zahlreiche CBD-Produkte zur Verfügung stehen, sollte man sich über deren Zusammensetzung und Wirkung vor dem Kauf umfassend informieren. Die meisten Hersteller verfügen nicht über die bei Heilmitteln vorgeschriebenen Beglaubigungen und der Produktionsprozess ist nicht bei allen Firmen überprüft und auditiert.

Vielleicht deswegen entschied vor Kurzem die britische Gesetzgebung, dass es für die Herstellung und den Vertrieb von heilenden Mitteln, die CBD enthalten, strengere Bedingungen geben soll. Die Pharmaindustrie hat wirklich nicht unser Vertrauen, wie ihr aus früheren Artikeln bereits ersehen konntet, aber wir betrachten es nicht als gangbaren Weg, dass jeder ohne das geringste Fachwissen Präparate mit Heilwirkungen herstellen oder vertreiben darf. Mit der umstrittenen Verfügung, welche vorläufig nur in Großbritannien CBD als Arzneimittelwirkstoff qualifiziert, wurde gleichzeitig anerkannt, dass das Cannabis und die in ihm befindlichen Cannabinoide bei vielen Krankheiten und Symptomen eine sichere Heilwirkung haben. Aus dem Blickwinkel der CannabispatientInnen ist das sehr viel wichtiger als die Frage, ob im Moment alle Hersteller den immer strenger werdenden Richtlinien entsprechen und jeder Vertreiber weiterhin Produkte mit CBD-Gehalt anbieten kann.