Hanfblüten aus der Apotheke

Seit einem Autounfall leidet der gebürtige Bayer Günther Weiglein unter chronischen Schmerzen im Rücken, in der linken Schulter und dem linken Oberschenkel – und mittlerweile darf er diese Schmerzen ganz offiziell mit Medijuana lindern.

Medijuana: Wie kam es, dass du heute einer von ca. 70 Deutschen bist, die ganz legal Hanfblüten als Medizin konsumieren dürfen?

Günther Weiglein: Bei mir fing alles 2006 mit einer Polizeikontrolle in Bayern an: Ich war unterwegs nach Hause und völlig nüchtern – aber ich hatte ein halbes Gramm Haschisch in der Tasche, welches man prompt fand. Da somit mein Führerschein in Gefahr war, verlagerte ich meinen Wohnsitz nach Berlin. Als dann von der bayerischen Führerscheinbehörde der erwartete Brief kam, der die Abgabe meines Führerscheins einforderte, antwortete ich nur knapp und förmlich, dass ich nicht mehr in Bayern wohnhaft sei und man die Angelegenheit an die Berliner Kollegen weiterleiten solle. Ein paar Wochen später erhielt ich Post von der Berliner Führerscheinstelle und bekam nun die Gelegenheit, “zu dem Vorwurf Stellung zu nehmen”. Bei meinem Besuch auf dem Amt wirkte ich dann wohl etwas nervös – ich weiß noch genau, wie die Beamtin gleich zu Beginn sagte: “Nun holen sie doch erst mal richtig Luft – wir sind hier ja nicht in Bayern.” Damit war das Eis gebrochen und ich schüttete ihr mein Herz aus, erzählte von dem Unfall, den Schmerzen und dem erprobten, aber illegalen Schmerzmittel. Daraufhin bot sie mir direkt an: “Suchen sie sich doch einen Facharzt, der ihnen per Gutachten bescheinigt, dass ihnen Cannabis hilft.” Und das tat ich.

M: Wie schwer fiel es dir, so einen Arzt zu finden?

GW: Das war gar nicht so einfach – da muss man einfach Ausdauer beweisen und so lange suchen, bis man den Richtigen gefunden hat. So kam ich nach einigen missglückten Versuchen auch zu meiner jetzigen Ärztin, die da sehr offen ist. Plötzlich war es nur eine Sache von Minuten, und sie verschrieb mir Dronabinol. Das war für mich aber noch nicht das Ende des Weges, denn natürlich konsumierte ich die Blüte auch nach wie vor, um meine Schmerzen zu lindern – und dies wollte ich auch legal tun dürfen.

M: Wie klappte das bei dir?

GW: Dronabinol hat bei mir nie so gut gewirkt wie die Blüte und war zudem extrem teuer – für 10 Milliliter einer 2,5% igen Lösung musste ich 246 Euro zahlen. Wollte ich mich komplett mit Dronabinol therapieren, hätte ich monatliche Kosten von etwa 350 bis 400 Euro. Mit illegalen Hanfblüten zu einem Preis von ca. 7 Euro pro Gramm kam ich dagegen auf monatlich unter hundert Euro. Das überzeugte schließlich auch meine Ärztin.

M: Bist du damit nun zufrieden?

GW: Nein, inzwischen versuche ich der Behörde auf dem Rechtsweg klarzumachen, dass die Preise für Apothekengras überzogen sind und dass der Anbau auch in den eigenen vier Wänden möglich ist. Ich möchte eine Pflanze da anbauen, wo ich auch meine getrockneten Blüten aufbewahren darf: in meiner Wohnung. Und wenn ich hier getrocknete Cannabisblüten haben darf, warum dann nicht auch lebende? Irgendwann wird sich ein Gericht damit befassen müssen – ich gebe jedenfalls keine Ruhe.

Martin Müncheberg