Ganja im Schnapsglas

Das Risiko des Mischkonsums

Eine wichtige Regel für jeglichen Drogenkonsum besagt, Drogen nicht zu mischen, um Risiken zu vermeiden. Der klassische Mix von Alkohol und Gras ist weit verbreitet. Es gibt aber auch KonsumentInnen, die ihn meiden. Schauen wir einmal, wie die Wissenschaft das Unwohlsein erklärt.

Für den/die DurchschnittseuropäerIn ist Alkohol die Basisdroge schlechthin. Er wird am häufigsten konsumiert und legt die wohlbekannte Grundlage, auf die man gegebenenfalls mit diesem der jenem noch etwas draufsetzen kann. Wir beschäftigen uns nun ausnahmsweise nicht damit, dass Alkohol eine der gefährlichsten Drogen ist, die Abhängigkeit und Dutzende von organischen Krankheiten hervorruft, sondern wollen im Folgenden die Gebrauchsgewohnheiten von Alkohol betrachten.

Alkohol gehört zu den Downern und verfügt über eine beruhigende, Beklemmungen lösende und schläfrig machende Wirkung – zudem macht er betrunken. Trunkenheit kann zahlreiche Verhaltensformen auslösen. Beispiele dafür kennen wir alle. Wollen wir uns nicht betrinken, dann bringen kleine Mengen Alkohol Entspannung und beseitigen Hemmungen. Aus diesem Grund ist er beliebt bei Geschäftsgesprächen oder Unterhaltungen im Freundeskreis. Das ist nichts Neues. Ähnlich wie Alkoholika ist Cannabis für seine beruhigende Wirkung bekannt, wobei die unterschiedlichen Sorten und individuellen Reaktionen hier vielleicht ein noch größeres Wirkungsspektrum bieten – von der totalen Entspannung über Angstzustände bis hin zur Panik. Diese vielfältigen Zustände paaren sich, wenn wir nach ein paar Gläsern Bier einen Joint rauchen oder umgekehrt mit geröteten Augen zum Schnapsglas greifen. Wie vermutet, kann das Endergebnis ziemlich unterschiedlich sein.

 

Langsame Absorption

Scott Lukas, Professor für Psychiatrie und Pharmakologie an der Universität Havard, führte zwei Untersuchungen zur Wirkung von Alkohol und Marihuana aufeinander – und auf ihre KonsumentInnen – durch. Er hebt zunächst hervor, dass Menschen unterschiedlich auf Alkohol und Gras reagieren, dass die Stoffe aber aus biochemischer Sicht Gemeinsamkeiten aufweisen. In seiner ersten Untersuchung überprüfte Lukas, wie das konsumierte THC die Absorption von Alkohol beeinflusst. Er fand heraus, dass das Rauchen von Cannabis den Cannabinoid-Rezeptor 2 (kurz: CB2), der entscheidet, wie schnell der Organismus den Alkohol aufnimmt, aktiviert. Des Weiteren wirke Marihuana auf den Dünndarm und beeinflusse die Bewegung des Magen-Darm-Trakts, was dazu führe, dass der Blutalkoholgehalt niedriger liegt als beim puren Alkoholgenuss. Nach dem Kiffen braucht man also mehr Alkohol, um den gleichen Blutalkoholspiegel und den gleichen Grad der Trunkenheit zu erreichen. Das ist gefährlich, weil man unter Cannabiseinfluss zu viel trinkt, was außer einem erhöhten Blutalkoholspiegel eine größere Belastung der Organe zur Folge hat. Es ist absolut nicht ratsam und außerdem unmöglich, über den Konsum von Cannabis den Brechreiz zu verringern bzw. den Körper zu entgiften, nachdem man bis zum Erbrechen getrunken hat.

 

Vom Vollrausch zum Zudröhnen

Die Ergebnisse von Dr. Lukas’ zweiter Studie mischen die Karten neu und erklären, warum die Kombination bei manchen zu Übelkeit führt. Hier geht es darum, was geschieht, wenn man mit dem Konsum von Alkohol beginnt und später noch einen Joint raucht. Die Situation ist bekannt: Jemand aus der Gruppe schlägt nach ein paar Bier oder Schnäpsen vor, noch etwas anderes zu sich zu nehmen. Die Untersuchung lässt darauf schließen, dass Alkohol eine inverse Wirkung auf das THC ausübt. Das bedeutet, dass der THC-Spiegel sprunghaft steigt und die Wirkung intensiviert, wenn man nach dem Trinken kifft. Die Erklärung dafür ist, dass der Alkohol die Blutgefäße im Verdauungstrakt öffnet, was die Absorption des THC fördert. Diesen Mechanismus belegt auch eine neue Studie. Inwiefern der plötzlich einsetzende THC-Flash ein Erlebnis darstellt, ist eine andere Frage.

Wenn einem schon beim getrennten Konsum von Gras und Alkohol schlecht wird, sollte man natürlich das Mischen der beiden Mittel unterlassen. Kifft man, wenn man nur einen leichten Schwips hat, kann man einen Zustand der Überdröhnung erreichen, der nicht selten mit Brechreiz und Erbrechen einhergeht. Man wird bleich, man schwitzt und es wird einem schwindelig, unterdessen quälen einen vielleicht noch unangenehme Gedanken. Kurz gesagt ist das ein Zustand, den man sich nicht wünscht. Im Fall der Fälle ist es das Klügste, sich hinzulegen und das Ganze auszuschlafen. Ein wenig Wasser kann wohltuend sein und ein Freund, der einem zur Seite steht.

Mit der zunehmenden Verbreitung des Komasaufens, dem Konsum von Sorten mit hohem THC-Gehalt und dem Aufkommen von Konzentraten werden wahrscheinlich mehr Menschen als bisher die unangenehmen Wirkungen des Mischkonsums erleben. Dr. Lukas empfiehlt, einfach den gesunden Menschenverstand zu gebrauchen und nichts zu übertreiben. Beim Mischen von geringeren Mengen ist das Risiko nicht größer als beim getrennten Konsum der Drogen. Falls ein Unwohlsein eintritt, bewahre man Ruhe, trinke möglichst viel Wasser und warte das Abklingen ab. Fügen wir hinzu, dass das Trinken von Alkohol klares Denkvermögen und rationale Entscheidungen nicht fördert und wir deshalb unbedingt aufeinander achtgeben müssen. Wenn ein Freund sturzbetrunken einen Joint dreht, sollten wir ihn möglichst davon abbringen oder verhindern, dass er zu viel hineinpackt.