FLO und der Mojito Cut

Zitronen, Orangen, Grapefruits und Mandarinen – in den letzten zehn Jahren hatte ich so ziemlich alles in meinem Garten stehen, was die Zitrusfamilie hergibt. Zumindest dachte ich das. Denn gerade als ich glaubte, dieser Brunnen sei erschöpft, ist mir ein besonderer Cut von DNA’s Tangie untergekommen.

 

Es fing alles 2007 mit einem extrem zitronigen Jack Herer von Sensi an. 2008 holte ich mir dann DNA’s Lemon Skunk, mit seinen fetten orangenen Blütenfäden und dem unglaublichen Zitronengeschmack. Dieser Strain setzte einen neuen Standard in Sachen Aroma, denn sein Geruch war einfach nicht zu bändigen! Jeder war verrückt nach Lemon Skunk und noch heute blitzen die Augen meiner Freunde, wenn die Sprache auf diesen Strain kommt!

Wenig später kam Greenhouse’s Super Lemon Haze. Es war zwar weniger zitronig, brachte aber den Punch, der Lemon Skunk fehlte. Auch ich war völlig verrückt nach diesen beiden Strains und ließ im Lauf der Zeit den ein oder anderen Beutel davon in Rauch aufgehen.

Doch es kam, wie es kommen musste. Irgendwann hatte ich die Schnauze einfach voll davon. Ich war dem Geschmack überdrüssig und konnte keine Zitronen mehr sehen. Das gilt leider auch für alle OGs, Diesels und Tangies.

Das bringt uns zurück zum Thema dieses Artikels: FLO und der Mojito Cut.

Er kommt aus Wien von Premium Genetics, ist aber auch bei anderen Händlern erhältlich. Aus 100 Damen selektiert wurde er mir als etwas ganz Besonderes beschrieben. Wie gesagt, ich hatte eigentlich genug von Tangie, ließ mich dann aber doch von der Begeisterung des Gärtners mitreißen und nahm mir einen Steckling mit.

Zum Setup: Der Mojito Cut steht zusammen mit 15 anderen Damen im 6-Liter-Topf auf 1,2 m x 1,2 m unter einer 600er. Während der Vegi und der ersten zehn Blütentage brennt eine MH, danach wird auf NDL umgestellt. Die Pflanzen stehen auf Biobizz Lightmix und FLO von Florian’s Living Organics.

FLO ist der neue heiße Scheiß! Zumindest riecht es so, wenn man die Beutel öffnet. FLO ist ein Feststoffdünger und verspricht, deine Pflanze mit all dem zu versorgen, wofür du normalerweise eine ganze Produktlinie benötigst. Sie bekommt dann über den gesamten Zyklus nur noch reines Wasser ohne Zusätze.

Auf der Verpackung steht, man soll FLO und das Substrat eine Woche vor Verwendung mischen, leicht angießen und eine Woche ruhen lassen.

Ich mische also 50 Liter Biobizz Lightmix mit zwei Beuteln FLO, gieße die Mischung mit zwei Litern Wasser an, fülle sie zurück in den Erdsack und verschließe ihn mit Klebeband. Nach circa zehn Tagen öffne ich den Sack: Er ist von einem sichtbaren Myzel durchzogen und riecht angenehm erdig, der unangenehme Geruch ist völlig verschwunden.

Ich verteile die 50 Liter Substrat gleichmäßig auf 16 6-Liter-Töpfe und fülle sie mit Lightmix auf. Dann setze ich meine Steckies ein. Ich habe sie ein Mal getopped, für 14 Tage in 1-Liter-Töpfen auf Lightmix mit einer Handvoll FLO vorgezogen und sie sehen einfach super aus! Da FLO verspricht, dass der Anbau von Pflanzen mit den unterschiedlichsten Ansprüchen dank dieser Methode gelingt, pflanze ich 16 verschiedene Strains!

Bei vielen Töpfen ragen bereits nach fünf Tagen fette weiße Wurzeln aus den Drainagelöchern und auch die oberen Teile der Pflanzen entwickeln sich entsprechend gut. Es hat sich ausgezahlt, dass ich den Mojito Cut ein Mal getopped habe, denn er hat in den ersten 20 Tagen trotzdem 200 Prozent an Größe zugelegt. Er hat die offene Struktur, die ich bei Pflanzen gerne sehe, und verströmt bereits jetzt den Geruch eines eiskalten Mojitos im Sonnenuntergang – nur eben zum Rauchen!

Auch die übrigen 15 Strains entwickeln sich fantastisch. Sie haben alle ordentlich an Höhe zugelegt und zeigen keinerlei Mängel. Wenn ich in meinen Garten sehe, habe ich das Gefühl, meine Pflanzen sind endlich zu Hause.

Ich sprudle mein Gießwasser für einen Tag mit einem Belüftungsstein, wie man ihn in der Aquaristik verwendet, bereite es aber sonst nicht auf. Kein Osmosewasser, keine pH-Korrektur. Ich gieße das Wasser, wie es aus der Leitung kommt: pH 8,0, EC 0,7. Vor jedem zweiten Gießen messe ich den pH-Wert in meinem Topf – er liegt bei allen bisherigen Messungen bei 6,5!

Auch die üblichen Schwierigkeiten, die man hat, wenn man unterschiedliche Strains in einem Raum züchtet, spielen keine Rolle: Sensibelste Sativas gedeihen prächtig neben gierigen Hybriden.

Eines fällt mir besonders ins Auge: Die Strains weisen unterschiedliche Grüntöne auf, obwohl sie auf derselben Erdmischung wachsen. Es stehen Pflanzen mit sattem, dunklem Grün neben Pflanzen, deren Blätter nur ein zartes Grün aufweisen. Kompakte und fleischige Hybride erfreuen sich bester Gesundheit, genau wie die großen, offenen Sativas.

Am Ende der siebten Woche beginnen erste Pflanzen Stickstoff aus ihren Blättern zu nehmen und hellen auf. Die Blüten werden schwer und das Gewicht der Buds lastet auf den Trieben. Die Stempel färben sich Braun bis Orange und die Fruchtknoten beginnen anzuschwellen. Bald ist es soweit.

Eine Woche später beginne ich die Blüten mit einem Mikroskop zu untersuchen, denn nur so lässt sich der perfekte Zeitpunkt für die Ernte bestimmen. Ich untersuche dabei Form und Farbe der Trichome. Sie blasen sich immer weiter auf – zum perfekten Erntezeitpunkt sind sie nicht mehr rund und klar, sondern haben eine Glockenform und sind milchig. Erste bernsteinfarbene Trichome zeigen ebenfalls an, dass der optimale Erntezeitpunkt bald erreicht ist.

Ich ernte alle 16 Strains zwischen Tag 55 und Tag 65, also nach acht bis neuneinhalb Wochen. Einige Pflanzen hätten noch mehr aufhellen können, insgesamt bin ich aber sehr beeindruckt. Alle Pflanzen haben fette Buds und riechen derart intensiv, dass meine Freundin gereizt ruft: „Es riecht in der ganzen Wohnung!“, sobald ich einen Blick in meinen Raum werfe. Im Großen und Ganzen war dies einer der besten Durchläufe, die ich in den vergangenen zehn Jahren erleben durfte. Insgesamt ist die Qualität der Buds, was Geruch und Harzbesatz angeht, außer Konkurrenz. Ich habe das Gefühl, das Aroma sei nun in 3D statt wie bisher in 2D – es hat einfach an Tiefe gewonnen. Und auch der Ertrag von etwas über 550 Gramm (also ca. 0,9 g/Watt) kann sich sehen lassen. Die einzelnen Strains liegen zwischen 20 Gramm (Vienna Red Lights) und 45 Gramm (Black D.O.G.) pro Pflanze, was sich im Rahmen meiner üblichen Ergebnisse bewegt.

Waren alle Tangies, die ich bisher stehen hatte, Abstufungen von Diesel und Mandarine, durchbricht dieser eine Cut das Spektrum und brilliert mit fruchtiger Limette, zarter Minze und leichtem Sandelholz im Abgang. Deshalb nenne ich ihn den Mojito Cut.

„Wer hat mal wieder Urlaub nötig?“, frage ich meine Freunde, bevor ich den ersten Mojito anzünde. Der Geruch des Mojito Cuts ist im Verlauf der letzten Wochen immer intensiver geworden und kann nur als betörend beschrieben werden. Als ich den Joint endlich anzünde, ruft einer meiner Freunde: „Ist das die neue Tangie, von der du erzählt hast? Das riecht man gleich!“ Und wirklich: Obwohl mehrere Joints durch die Runde gehen, riecht man es sofort, wenn wieder jemand an meinem Mojito gezogen hat. Erfrischende Schwaden eines eiskalten kubanischen Mojitos ziehen durch den Raum. Man hat das Gefühl der letzten Sonnenstrahlen des Tages auf der Haut und kann den Sand zwischen den Zehen spüren. Ich lehne mich zurück und denke mir, wie schön es wäre, könnte man nur alle Mojitos rauchen …