Fataler Medikamententest:

Was hat Cannabis damit zu tun?

Klinische Studien inklusive Tests an Menschen sind Alltag: Ohne diese Versuche bekäme kein Medikament eine Zulassung. Ein solcher Test ist nun in Frankreich ordentlich schiefgegangen. Trotz strenger Regulierung und ärztlicher Aufsicht ist Mitte Januar ein Mann gestorben, vier Menschen leiden unter schweren neurologischen Beschwerden.

Zahlreichen Medien konnte man entnehmen, dass es sich um ein Medikament auf Cannabisbasis handele. Diese Behauptung stellte sich kurze Zeit später als unwahr heraus. Vielmehr wurde dieses Medikament entwickelt, um den Abbau der endogenen – also körpereigenen – Cannabinoide zu hemmen.

Der klinische Versuch läuft bereits seit dem vergangenen Sommer. Ungefähr 90 Menschen haben den Wirkstoff des Herstellers Bial aus Portugal genommen, weitere erhielten einen Placebo. Zu Beginn wurde der Wirkstoff als Einmaldosis verabreicht, später sollte die Arznei mehrmals genommen werden.

Fünf der sechs StudienteilnehmerInnen waren einige Tage nach der Einnahme der Arznei, die sie ab dem 7. Januar 2016 in veränderter Dosis eingenommen hatten, ins Krankenhaus eingeliefert worden. Bei dem ersten Patienten, dessen Zustand sich sehr schnell verschlechterte, wurde zunächst ein Schlaganfall vermutet.

Der Zustand der anderen vier PatientInnen – welche unter unterschiedlich schweren neurologischen Störungen leiden – habe sich in den ersten Tagen verschlechtert. Es sei davon auszugehen, dass zumindest drei der Probanden eine „unumkehrbare Behinderung“ davontragen werden.

Bei dem Wirkstoff handelt es sich um BIA 10-2474, welches ein sogenannter FAAH-Inhibitor ist. Dieser soll unter anderem die Wahrnehmung von Schmerz regulieren können. FAAH baut Endocannabinoide (wie Anandamid) ab, die an den Cannabinoidrezeptoren wirken. Um die Wirkung der Endocannabinoide verstärken zu können, soll der Stoff den Abbau durch das FAAH hemmen. Dadurch würden Schmerzen, Ängste und Stimmungsschwankungen gelindert werden. Auch in der Neurologie, zum Beispiel bei der Behandlung von Parkinson, könne der Wirkstoff zum Einsatz kommen.

Dieser Fall erinnert an die Komplikationen mit dem Arzneimittel Rimonabant, welches 2006 zur Behandlung von Übergewicht auf den Markt gebracht wurde. Dieser Wirkstoff greift ebenso in das Endocannabinoidsystem ein. Die Zulassung für dieses Mittel wurde 2008 zurückgenommen – im Laufe der Anwendung entwickelten sich bei einigen der PatientInnen Suizidgedanken; in Großbritannien nahmen sich fünf Menschen, die das Medikament eingenommen hatten, das Leben.

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