Erste Cannabis-Pressekonferenz in Österreich

Hanf-Institut präsentiert erste Schätzungen zum Cannabis-Markt

Das Hanf-Institut lud am 30. April angesichts der geplanten Verschlechterungen für eine Million Hanffreund/innen zur ersten Cannabis-Pressekonferenz in der Geschichte Österreichs. Der sichtlich empörte Obmann Toni Straka bezeichnete den Gesetzesentwurf im Gespräch mit Medijuana als „Schlag ins Gesicht jener mittlerweile über 32.000 Österreicher/innen, die sich mit ihrer Unterschrift bei der parlamentarischen Bürgerinitiative zur Herausnahme von Cannabis aus dem österreichischen Suchtmittelgesetz (SMG) aussprechen“.

Cannabis Pressekonferenz - Hanf-Institut

Jaqueline Skerlan (Activism Management), Marcus Grimas (Demoleiter Hanfwandertag), Toni Straka (Obmann Hanf-Institut), Mag. Gottfried Hudl (Rechtsanwalt), Daniela Bilandzjia

Das Hanf-Institut belegte mit einem Brief des Bundesjustizministeriums, dass durch die Änderungen österreichische Hanfkonsument/innen auch weiterhin mit Haftstrafen im Fall des Erwischtwerdens zu rechnen haben. Zitat: „Diese [neuen] Regeln sollen an den Straftatbeständen nichts ändern. Unberührt bleibt daher die allgemeine Strafbarkeit von unerlaubten Suchtmitteln.“

Straka verwies darauf, dass das krampfhafte Festhalten an längst durch die Wissenschaft widerlegten negativen Mythen über Cannabis nichts daran ändere, dass mittlerweile auch in Österreich Zehntausende Menschen Cannabis als Heilmittel einsetzten, dafür aber immer noch mit Strafe bedroht würden.

„Es ist ein Wahnsinn, dass es Kranken in Österreich weiterhin bei Strafe verboten ist, die für sie beste Medizin zu nehmen und gesund zu werden“, sagte Straka und ergänzte: „Man ist nicht krank, weil man Cannabis konsumiert, man konsumiert Cannabis, weil man krank ist und gesund werden will.

Nichts ist teurer als die Cannabis-Prohibition

Das Hanf-Institut wies darauf hin, dass die wenigen vorliegenden Daten zum Cannabiskonsum vonseiten des Justiz- und Innenministeriums deutlich zeigten, dass hier ein Kampf gegen Windmühlen geführt wird.

„Mit jährlichen Beschlagnahmen von ein bis zwei Tonnen Cannabis liegt die Erfolgsquote im besten Fall bei 4 Prozent (2 von 50 Tonnen), im schlechtesten Fall aber mit 0,4 Prozent (1 von 250 Tonnen) sehr nahe bei Null“, sagte Straka.

Somit liege die Nicht-Aufklärungsquote zwischen 96 und 99,6 Prozent.

Cannabis Pressekonferenz - ZensiertDrei Millionen Euro Aufwand für ein Kilo Cannabis?

Die Kosten der Prohibition sind jedoch enorm: Der Großteil der über 25.000 Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz wegen Cannabis betreffen Kleinstmengen von 1 bis 10 Gramm.

Veranschlagt man Kosten von rund 3.500 Euro für diese Fälle, lässt sich der Staat die Beschlagnahme von 1000-mal einem Gramm Cannabis somit mindestens drei Millionen Euro kosten, schätzt das Hanf-Institut.

Bei 20.000 Fällen entstehen der öffentlichen Hand somit Kosten von mindestens 70 Millionen Euro für die Beschlagnahme von 25 Kilogramm Cannabis. Dies dürfte die Untergrenze der tatsächlichen Strafverfolgungskosten ausmachen, sagte Straka.

Eine Legalisierung würde jedoch umgehend viel Geld in die Staatskasse spülen. Straka bezifferte die kurzfristigen positiven Effekte der Legalisierung für das österreichische Budget auf 125 bis 325 Millionen Euro. Diese würden allein aus der Mehrwertsteuer schon im ersten Jahr der Legalisierung positiv zum österreichischen Budget beitragen können. Langfristig seien außerdem Milliarden-Einsparungen im Gesundheitssektor zu erwarten, da Cannabis bei vielen Leiden als Prophylaxe eingesetzt werden könne.

Medijuana hofft, dass Straka recht behalten wird. Auf Basis der Daten aus Colorado könnte Cannabis in Österreich die beste Medizin für rund 200.000 kranke Menschen sein.

Cannabis in Österreich

  • 500.000 regelmäßige Konsumenten
  • 500.000 Gelegenheitskonsumenten

Geschätzte jährliche Cannabis-Produktion in Österreich:
50 bis 250 Tonnen = 125 bis 625 Millionen Konsumeinheiten

Somit konsumiert jede/r Österreicher/in durchschnittlich 15 bis 74 Joints

Schwarzmarktpreise:
bis 10 Gramm: 7 bis 15 Euro
ab 1 Kilogramm: 3.500 bis 6.000 Euro

Qualität:
Wirkstoffgehalt zwischen 8 und 23 Prozent