Drogen aus dem 3D-Drucker

Als sei die Explosion der Designerdrogen auf dem Markt noch kein hinreichender Beweis für die Antiquiertheit der internationalen Drogengesetze gewesen, kommen jetzt die Thronfolger: Drogen zum Herunterladen und Ausdrucken.

Die 3D-Drucktechnologie wird bald die Produktion revolutionieren, von Spielzeugen und Waffen über die menschlichen Organe bis hin zu Arzneimitteln – und natürlich auch Drogen. Lee Cronin, Chemiker der Glasgow University, entwickelte den Prototyp Chemputer, der unter Zugabe der nötigen Zutaten auf molekularer Ebene die gewünschten Medikamente herstellt. Der ambitionierte Konstrukteur möchte der Forschung für rezeptpflichtige Medikamente und deren Vertrieb das bieten, was Apple der Musik gab. Nach seiner Vorstellung soll der Patient neben den vom Arzt verschriebenen Medikamenten auch den Druckplan und die “chemische Tinte” in der Online-Apotheke bekommen, womit er schließlich mithilfe eines 3D-Druckers und der entsprechenden Software auch zu Hause sein Medikament ausdrucken könnte. Die Inhaltsstoffe und die Dosierung kann man nämlich nach den jeweiligen Bedürfnissen einrichten – wie bei den traditionellen Medikamenten. Wenn dieses Konzept Erfolg hat, könnte es die Pharmaindustrie in ihren Grundfesten erschüttern und die in den Händen der Arzneifabriken gebündelte Macht in die der Konsumenten gelangen. “In Zukunft werden wir keine Medikamente verkaufen, sondern Druckpläne oder Applikationen”, sagt Cronin. Aber wie auch bei den iTunes wird die neue Technik Angriffspunkte haben. Mike Power, Autor des Buches Drugs 2.0: The Web Revolution That‘s Changing How the World Gets High, hat die Vision, dass in der Realität ein paar ehrgeizige Chemiker den Drogenmarkt beherrschen werden und die Kategorie der “verbotenen Mittel” endgültig der Vergangenheit angehören wird. Power meint, das könne sogar gut sein: Die Herstellung und der Vertrieb von LSD und MDMA schwäche den Bedarf an Designerdrogen. Aber das Herunterladen der Pläne illegaler Drogen von unbekannten Seiten könne mit den gleichen Problemen einhergehen wie der Download von Musik: Mangels offizieller Standards und Reglementierungen könnten die Druckanleitungen auch falsch etikettiert erscheinen und im Falle von Drogen verhängnisvolle Konsequenzen haben. Ob wir sie idealisieren oder verteufeln, die Technik ist schon am Horizont erschienen und könnte sich nach Ansicht von Cronin sogar innerhalb von fünf bis zehn Jahren verbreiten.