Die sieben Todsünden des Verbots Feb19

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Die sieben Todsünden des Verbots

Während man in Übersee langsam aus dem Delirium des Drogenkrieges erwacht, hoffen die meisten europäischen PolitikerInnen, den Drogenkonsum mit drastischen Strafen zurückdrängen zu können. Der britische Arzt Christian Jessen beleuchtet in seiner beliebten Sendung Embarrasing Bodies, in der regelmäßig Tabus gebrochen werden, die Nachteile des Drogenverbots. In seinen im Independent veröffentlichten Artikeln berichtet Jessen aus seiner ärztlichen Praxis und legt offen, dass die Gründe, Drogen zu konsumieren, sehr komplex sind und ihnen mit einem Verbot nicht beizukommen ist. Zu den Gründen zählten Zeitdruck, gefährliche Drogen-Trends, Risikobereitschaft und der Reiz der verbotenen Frucht.

Das Drogenverbot sei zwar verbreitet, aber nicht unbedingt verpflichtend, sagte Jessen. Portugal könne als Beispiel dafür dienen, dass die Entkriminalisierung durchgesetzt werde und infolgedessen Problemfälle erfolgreicher versorgt werden könnten. Der Drogenkonsum sei dadurch nicht populärer geworden.

Selbst eine aktuelle Untersuchung der britischen Regierung stellt fest, dass ein Drogenverbot den Konsum nicht verringert, sondern sieben unerwartete negative Folgen zeitigt:

Der Konsum von Drogen wird gefährlicher und medizinisch riskanter

Die Jugend hat schon immer Drogen ausprobiert, und das wird sich auch nicht ändern. Die damit verbundenen Probleme werden durch die Kriminalisierung nur verschärft, denn die Stärke der von der Straße beschafften Drogen ist nicht bekannt. Sie können sogar mit noch gefährlicheren Mitteln gestreckt sein. Jeder kann sie bekommen, denn Dealer kontrollieren keine Ausweise. In vielen Teilen der Welt gibt es keine speziellen Anlaufstellen für Jugendliche, an die sie sich bei Drogenproblemen wenden könnten.

 

Gewalttätige Drogenbanden bedrohen Jugendliche

Von Brixton über Bogotá bis Baltimore besteht für KonsumentInnen die Gefahr, in Feuergefechte von Drogenkriminellen zu geraten. Allein in Mexiko brechen jährlich 5.000 SchülerInnen die Schule ab, um KämpferIn für ein Drogenkartell zu werden.

 

Drogenhandel kann zu Menschenhandel und Kindersklaverei führen

Nicht nur in Afghanistan, Kolumbien und Burma werden Kinder zur Herstellung und zum Handel mit Drogen gezwungen. Auch der Menschenhandel nach Europa floriert: Etwa die Hälfte der verkauften Kinder gelangt in die Hände organisierter Verbrecher; die meisten von ihnen werden zur Arbeit auf Cannabisplantagen gezwungen.

 

Vorstrafen zerstören die Zukunft von Jugendlichen

Die Jugendarbeitslosigkeit hat ein alarmierendes Ausmaß angenommen. So gut wie keine Chancen haben die jährlich 80.000 Jugendlichen, die in England und Wales wegen Drogenbesitzes verurteilt werden. Die Strafe kann für die Jugendlichen schädlicher sein als der Drogenkonsum selbst. Die Ausweiskontrollen bei bestimmten Gesellschaftsgruppen stigmatisieren darüber hinaus die ganze Umgebung, in der sie aufwachsen.

 

Durch die Inhaftierung von Erwachsenen zerbrechen ganze Familien

Durch massenhafte Gefängnisstrafen wegen Drogenbesitzes – speziell von Drogen konsumierenden Eltern, die dadurch ihre Erziehungsrechte verlieren – wachsen viele Kinder ohne die Liebe ihrer Eltern auf, was Schädigungen für ihr ganzes Leben bringen kann. In Großbritannien werden Kinder unter Vormundschaft siebenmal häufiger alkohol- und drogensüchtig; die Wahrscheinlichkeit, ins Gefängnis zu kommen, liegt 50-mal höher und jene, obdachlos zu werden, 60-mal höher.

 

Jugendliche mit Drogenproblemen fürchten sich davor, Hilfe zu suchen

Wegen der Strafen, der Schande und dem Ärger in der Familie fürchten sich Jugendliche oft davor, Hilfe zu suchen. Doch dadurch potenzieren sich die Probleme noch. Alle Todesfälle und alle bleibenden Schäden durch Drogen bei Jugendlichen wären vermeidbar.

 

Die Beschränkung wirksamer präventiver Drogenaufklärung bringt Jugendliche in Gefahr

Drogenaufklärung unter dem Motto „Just say no!“ funktioniert nicht, ebenso wenig die Kriminalisierung dahingehend, „eine Lektion zu erteilen“. Nach den Untersuchungen sind ehrliche und auf Fakten basierende Kampagnen am wirkungsvollsten auf die impulsive Einstellung zu Drogen. Diejenigen, die schon Drogen probiert haben, sollten Informationen zur Schadensbegrenzung bekommen, damit die Gefahren, die oben beschrieben wurden, verringert werden und sie am Leben bleiben.