Die Hintertür wird geschlossen

Die Bewunderer des Coffeeshop-Systems neigen dazu außer Acht zu lassen, dass Marihuana in den Niederlanden nicht legal ist, sondern nur geduldet wird, und folglich die Produzenten die Geschäfte illegal versorgen. Nach langer Zeit bietet sich nun die Chance zur Reform der Gesetze, da die UnterstützerInnen einer staatlichen Regulierung nun die Mehrheit unter den Abgeordneten bilden. Der Entwurf sieht vor, dass Coffeeshops bei lizenzierten Züchtern qualitätskontrollierte Produkte kaufen können. Gegenüber dem jetzigen System, in dem Ganja und Haschisch „durch die Hintertür“ in die Cafés gelangen, da der Handel mit großen Mengen nicht legal ist, wäre das ein gewaltiger Fortschritt. Wenn nämlich die Beschaffung illegal geschieht, gibt es keine Garantie, dass die Shops ihre Ware nicht von kriminellen Organisationen beziehen. Es gibt zwar Tricks zur Besteuerung der Produzenten, aber die greifen auch nicht ideal.

Den neuen Plan zur Regulierung hat die Vertreterin der liberaldemokratischen Partei D66 Vera Bergkamp erarbeitet; fünf weitere Parteien unterstützen ihn. Bergkamp begründete die Notwendigkeit der Modifizierung folgendermaßen: „Du darfst Gras kaufen, aber nicht anbauen und nicht vertreiben. Das ist falsch. Die Regulierung wird zur allgemeinen Gesundheit beitragen und zur Kontrolle der Kriminalität. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung und der lokalen Räte unterstützt diese Maßnahme ebenfalls.“ Bergkamps Argumente werden von einer Studie der Universität Radbout untermauert, nach der die Genehmigung des Cannabisanbaus eine positive Wirkung auf die allgemeine Gesundheit und die Umsetzung der Menschenrechte in den Niederlanden hätte. Nach der Studie führt die Illegalität zu Gewaltverbrechen, Brandfällen und diversen Schäden für die Umwelt. Für den Justizminister sind das jedoch keine zwingenden Gründe. Er vermisst den Beweis für die Zurückdrängung der Kriminalität durch die Legalisierung. Es wäre nicht schlecht, wenn er einen Blick über die Grenzen Hollands zu werfen würde, um sich die Ergebnisse der Legalisierung in Colorado und Washington anzuschauen.