Die Hanfparade im Spiegel der Zeit

Wie alles begann: Von den Anfängen der größten deutschen Pro-Hanf-Demo

Es ist die 18. Hanfparade, die wir Aktivisten in diesem Jahr besuchen, beleben und feiern werden. 1997 ging es los – damals noch mit etwa 50.000 Teilnehmer/innen. Seitdem hat sich viel getan, werfen wir einen kurzen Blick auf 18 Jahre Hanfparade.

Hanfparade - Brandenburger Tor

Mitte bis Ende der Neunziger war eine sehr politische Zeit, erinnert sich Steffen Geyer, seines Zeichens Versammlungsleiter der Hanfparade, die vom Berliner Verein Jakis e. V. veranstaltet wird. Geyer war damals zarte 18 Jahre alt und als Besucher der Parade dabei, fünf Jahre später gehörte er zum Orga-Team. Inzwischen hat er Deutschlands größtes Cannabisevent ein Dutzend Mal geleitet. “1997 war die Endphase der Ära Kohl und viele waren politisch engagiert”, sagt Steffen Geyer. “Zudem war das Thema Hanf damals in Deutschland noch recht neu – deshalb startete die Parade auch so fulminant.”

Was würden Sie Wählen?Die Hanfparade als solche war in den Anfängen ein Nebenprojekt des Vereins H.A.N.F. e. V. (Hanf als Nutzpflanze fördern, gegründet 1994). Einige Mitglieder wollten damit ein hanfiges Pendant zur Love Parade etablieren – was schließlich auch gelungen ist. Aber es lief nicht immer alles fadengerade: 1999 zum Beispiel verbot die Versammlungsbehörde erstmals die Abschlusskundgebung – “und damit einen großen Teil dessen, was die Hanfparade für viele interessant machte”, sagt Geyer. Damals gab es einen großen Markt mit allen möglichen Produkten für Hänflinge – auf der ersten Hanfparade sogar die heute verbotenen Hanfsamen. Gleichzeitig war die Landschaft der Head- und Growshops noch nicht annähernd so ausgeprägt, wie es heute der Fall ist, weshalb die Hanfparade für viele allein schon durch das Angebot an Kiffer-Devotionalien attraktiv war. Durch das Verbot dieser Kundgebung und damit des Markts wurde die Hanfparade für genau diese Zielgruppe uninteressant.

2001 gab es wieder Probleme mit den Behörden. So musste die Abschlusskundgebung in diesem Jahr umziehen, “2002 bekamen wir dann Probleme mit dem Finanzamt – und plötzlich hatte die Hanfparade 19.000 Euro Schulden”, weiß Steffen Geyer zu berichten. Darüber hinaus litt die deutsche Hanfszene unter dem 1998 erlassenen Hanfsamenverbot. Vielen Shops fehlte auf einmal der Umsatz und der Szene damit Sponsorengelder. Unternehmen aus der Branche hatten plötzlich nur noch wenig Interesse, in deutsche Legalisierungsprojekte zu investieren.

2006 kam dann ein trauriger Höhepunkt in der Geschichte der Hanfparade. “Wir hatten mit viel Aufwand bewirken können, dass wir zur Parade 10.000 Nutzhanfpflanzen ans Brandenburger Tor holen durften”, sagt Steffen Geyer. Am Tag der Veranstaltung kam jedoch dann ein Kriminalbeamter, erklärte alle Absprachen für ungültig und ließ die Pflanzen beschlagnahmen. Die verlorenen Pflanzen waren der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Das Bündnis Hanfparade e. V., der Veranstalter der Hanfparade, musste Insolvenz anmelden. Im Jahr danach sah es lange so aus, als gäbe es keine einzige Hanfdemo in Deutschland. Doch dann nahm Martin “Tribble” Steldinger die Sache in die Hand und meldete kurzentschlossen eine Demonstration an, die zwar nur 700 Menschen vereinte, aber der Startschuss für eine neue Generation von Organisatoren war.

Hanfparade - Aufklärung statt Verbote

“Seitdem arbeiten wir uns aus dem Tal der Tränen ans Licht”, sagt Steffen Geyer und ist guter Dinge für die Hanfparade in diesem Jahr. “Die Hanfparade ist nicht nur politisch sinnvoll, sondern auch eine Veranstaltung, auf der man jede Menge toller Leute kennenlernen, Livemusik hören oder einfach einen schönen Tag verbringen kann.”

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