Der Sündenbock der Alkohollobby

prvwikileaks-digs-up-big-alcohol-1934-18728633-107-origSchon bei der Legalisierungskampagne in Colorado hat sich gezeigt, dass die Giganten der Alkoholindustrie ihre Pfründe bedroht sehen und die BefürworterInnen des Verbotes unterstützen. Von Wikileaks veröffentlichte E-Mails offenbaren nun, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Bis zum heutigen Tag versuchen sie methodisch, das Renommee des Cannabis herabzusetzen. Dazu schrecken sie nicht einmal davor zurück, Einfluss auf Kongressmitglieder zu nehmen, damit diese ein stärkeres Augenmerk auf die Gefahren durch Marihuanakonsum beim Steuern eines Automobils legen. Einer E-Mail vom Mai 2016 ist zu entnehmen, dass die Organisation der amerikanischen Wein- und Spirituosengroßhändler (WSWA: Wine & Spirits Wholesalers of America) eine Nachricht als bezahlten Inhalt in einem Newsletter des Webportals Politico unterbrachte, wonach in Colorado in der Zeit nach der Legalisierung die Anzahl der positiven Marihuanatests nach Unfällen gestiegen sei und daher der Kongress strenge Schritte einzuleiten habe. Schon merkwürdig, dass so ein Newsletter von der amerikanischen Organisation der Wein- und Spirituosengroßhändler gesponsert wird. Aber es kommt noch hinzu, dass er nur an Kongressabgeordnete verschickt wurde, während andere UserInnen diese Nachricht der Alkoholverbreiter nicht erhielten. WSWA informiert natürlich nicht darüber, in welchem Maße die Einnahmen der Alkoholindustrie nach der Legalisierung gesunken sind, denn viele KonsumentInnen haben dem Alkohol abgeschworen und sind auf Gras umgestiegen. Genauso wenig wird erwähnt, dass Alkoholkonsum die Fahrfähigkeit viel stärker beeinflusst und sehr viel öfter für Unfälle verantwortlich ist als Marihuana. Mithin ist nicht vollkommen eindeutig, dass das Ansteigen der tödlichen Unfälle auf das Konto der Legalisierung geht. Eine Studie aus dem Jahre 2011 weist beispielsweise darauf hin, dass in den Staaten, in denen Cannabis auf Rezept erhältlich ist, die Anzahl der tödlichen Unfälle gesunken sei. Viele bringen die gestiegenen Unfallzahlen nicht mit der Legalisierung, sondern mit dem gesunkenen Benzinpreis in Zusammenhang, denn wenn im Urin des Fahrers oder der Fahrerin THC festgestellt werden kann, bedeutet das immer noch nicht, dass er oder sie unter dessen Einfluss gefahren ist. Wie auch immer, der Alkohollobby steht es am wenigsten zu, sich mit Klagen über die Unfallzahlen an den Kongress zu wenden und Ratschläge zu erteilen.