Der Schlag der DEA gegen Oaksterdam

In den USA bieten die gesetzlichen Bestimmungen der gesamten Nation und der einzelnen Bundesstaaten seit Jahrzehnten Aufhänger für ernsthafte Konflikte. Dieses Phänomen lässt sich derzeit besonders gut an den Programmen zum Einsatz von Marihuana in der Medizin demonstrieren: auf nationaler Ebene gilt Cannabis als illegal, jedoch in 16 Bundesstaaten kann Marihuana an registrierte Patienten zur Behandlung ihrer Krankheiten ausgegeben werden. In den vergangenen 1-2 Jahren haben allerdings die Razzien der Antidrogenagentur (DEA) bei den Zentren, in denen medizinisches Marihuana erhältlich ist, enorm zugenommen, und diese Tendenz erreichte am 2. April ihren Höhepunkt, als eine Razzia in der ersten Hanfuniversität der USA, in der Oaksterdam University, eine Razzia durchgeführt wurde.

Wer als Einwohner Kaliforniens seine Kenntnisse im Bereich der medizinischen Anwendung von Marihuana vertiefen möchte, sich gleichzeitig z.B. gerne auf den Freilandanbau von Hanf spezialisieren würde und außerdem auch etwas über die aktuelle Drogenpolitik oder vielleicht gerade über die grundlegenden Menschenrechten lernen möchte, der weiß seit dem Herbst 2007, dass für ihn oder sie die Oaksterdam University genau das Richtige ist. Durch das Projekt wurde die Idee des Amsterdamer Cannabis College weiterentwickelt, das nicht als echte Hochschule, sondern eigentlich eher als perfekt organisiertes Informationszentrum funktioniert. An der Oaksterdam University kann man allerdings tatsächlich einen entsprechenden Abschluss machen, und auf der Homepage der Uni gibt es auch eine Rubrik für Stellenangebote in diesen Spezialgebieten.

Am 2. April durchsuchten die Anti-Drogen-Agenten der DEA die gesamte Uni, sperrten das Unigelände mit gelben Plastikbändern ab und beschlagnahmten die dort angezogenen Pflanzen, die die Studenten für Multiple-Sklerose-Patienten gezüchtet hatten. Die Studenten fingen sofort an, gegen die Aktion zu demonstrieren und bei den Dozenten wurden Stimmen laut, die vermuteten, dass die Maßnahme vielleicht dazu gedacht sei, die Cannabis-Reformbewegung und den geregelten Vertrieb von medizinischem Marihuana – der sehr eng mit dem als Schlüsselfigur dieses Bereichs geltenden Direktor der Universität verbunden ist – zum stagnieren zu bringen. Am nächsten Tag verkündete jedoch der Gründer und Leiter der Uni, Richard Lee, dass niemand verhaftet worden sei und die Universität am nächsten Tag bereits wieder ihrem normalen Alltagsbetrieb nachgehen könne.

Zu der Angelegenheit erklärte Ethan Nadelmann, Leiter der kalifornischen Drogenreformorganisation Drug Policy Alliance, dass die Obama-Regierung sich in den ersten anderthalb Amtsjahren tatsächlich an ihr Versprechen aus der Wahlkampagne gehalten habe, die Regelungen zur Frage des Einsatzes von Marihuana in der Medizin den einzelnen Bundesstaaten zu überlassen. Die nationalen Agenten mischen sich in den letzten 20 Monaten jedoch dennoch immer häufiger in die Programme zur Nutzung von Marihuana in der Medizin ein, ohne ihre Aktionen zu begründen, was man lediglich damit erklären könnte, dass bewusste Angstmache betrieben würde. Nadelmann zufolge zahlte die Oaksterdam University im Rahmen eines derartigen Unternehmens mehrere zehntausende Dollar Steuern. Ihre Arbeit ist in Oakland nicht nur völlig legal, sondern nimmt auch den kriminellen Organisationen, die bisher den Marihuana-Schwarzmarkt beherrschten eine ihrer Haupteinnahmequellen, wodurch die sonstigen Aktionen und die Personalstärke dieser Banden in der Stadt deutlich zurückging. Aber kann es vielleicht sein, dass das gar nicht so eine gute Nachricht für die US-Regierung oder speziell für die DEA ist?