Der Krieg den Sie brauchen

Die UNO und die Drogenkriegsvereinbarungen

Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung räumt ein, dass der Konsum von Jahr zu Jahr zunimmt und schon aus allen Teilen der Welt eindeutige Zeichen kommen, dass die internationalen Vereinbarungen einer Überprüfung bedürfen. Weiterhin teilt es mit, dass die Anstrengungen im Drogenkrieg gesteigert werden müssen und ein Aufschub absolut nicht infrage komme.

 

Der Krieg gegen die Drogen ist in die Jahre gekommen. Er ist schon fünfzig, bekommt graue Haare und wiederholt sich mit seinen tief verwurzelten Antworten, doch seine Anhänger halten ihm die Stange, denn er bietet ihnen seit Jahrzehnten ein sicheres Auskommen, was in der heutigen Welt nicht zu verachten ist. Genauso alt wie der Drogenkrieg ist die Theorie eines gewissen Thomas Kuhn, wonach die Gläubigen eines bestimmten wissenschaftlichen Paradigmas diesem treu bleiben, solange es nicht in eine totale Krise gerät und kein anderes Modell für sie anziehender wirkt. Solange aber Anomalien und Widersprüche nur vereinzelt auftreten, werden die beteiligten Wissenschaftler alles daransetzen, die auftretenden Probleme mit der vertretenen Ansicht in Einklang zu bringen. Dieses Tun nennt Kuhn reichlich respektlos “Rätsellösen”. Wenn ein Rätsel absolut unlösbar ist, kommt die wissenschaftliche Revolution und bringt ein neues Paradigma.

Illegale Legalisierung

Der Drogenkrieg ist zwar noch im Gange, aber man sieht schon die Revolution sich nähern. Man kann heute nicht mehr bestreiten, dass die ganze Vorstellung aus tausend Wunden blutet – angefangen bei den unverhältnismäßigen Aufwendungen an Material und Polizei, über die Menschenrechtsverletzungen und zehntausender grundlos ausgelöschter Menschenleben, bis hin zu den Schäden für die Umwelt. Aber wir haben immer noch nicht die Krise erreicht, weswegen seine Anhänger noch immer an dem offenkundig unhaltbaren Modell flickschustern. Dies erfuhr man auf der 56. Sitzung des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (CND), wo das Gremium es wieder versäumte, die Kernfrage aufzuwerfen, ob nämlich das strenge Drogenverbot nicht mehr Schaden verursacht, als es Nutzen bringt.

Nach einer frischen Studie verbrachte die New Yorker Polizei zwischen 2002 und 2012 mehr als eine Million Arbeitsstunden damit, 440.000 Personen für den Besitz einer geringen Menge von Cannabis hinter Gitter zu bringen. Wie viel das den Steuerzahler gekostet hat und wie das Verhältnis von Schwarzen und Latinos unter den Festgenommen war, wollen wir nicht vertiefen. Es genügt, nun die Frage zu stellen: Hat dies einen Sinn? Ist New York dadurch sicherer und lebenswerter geworden? Das augenfälligste Symptom der Krise des Drogenkrieges ist wohl, dass letztes Jahr zwei Staaten für die Legalisierung von Cannabis gestimmt haben. Eine Woche vor der Sitzung legte die UNO bei den USA Einspruch ein: Hallo, die Cannabislegalisierung widerspricht den internationalen Vereinbarungen, also bitte diese einhalten und weiterhin die größte Gefängnispopulation der Welt durchfüttern! Genau das wiederholten sie auf der Sitzung des CND mit der Aussage, dass es den Teilstaaten der USA nicht freistehe, von der gemeinsamen Vereinbarung abzuweichen. Vorläufig sehen wir nicht, dass Washington und Colorado vor dem Zorn der UNO zittern.

 

Heilpflanze, keine Droge

Bolivien kündigte zum Schutz der tausendjährigen Tradition, Kokablätter zu kauen, die UN-Drogenvereinbarungen auf und erlaubte im Januar wieder das Kauen von Kokablättern. Kürzlich hielt der bolivianische Präsident Evo Morales eine seiner kritischsten Reden und betonte, sein Land wolle – entgegen anderer Annahmen – nicht das Kokain legalisieren, da es kein Bestandteil der Tradition sei, sondern er dränge die Kommission, die Kokablätter von ihrer Drogenliste zu nehmen, denn ein in weiten Kreisen angewandtes Heilmittel habe dort nichts zu suchen. Morales machte diesmal nicht beim Kokain Halt, sondern gab auch dem Standpunkt Nachdruck, dass die Drogenvereinbarungen die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt haben, da heutzutage mehr Drogen verfügbar seien, der Waffenhandel und die Gewalt sich gesteigert haben und sich noch mehr Schwarzgeld auf den Banken bewege. Um diese Tendenzen zu stoppen, sei es nötig, die ganze Strategie einer Prüfung zu unterziehen.

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